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U15-Nationalmannschaft

Lehrstunde für Schottland

Deutschland - Schottland 5:1 (4:1)

Von Nora Kruse (Text u. Fotos)

31.07.2009

Die U15-Nationalmannschaft hat auch das zweite Spiel binnen zwei Tagen gegen Schottland gewonnen. In Duisburg kam die von Bettina Wiegmann trainierte DFB-Auswahl zu einem deutlichen, und auch in dieser Höhe verdienten, 5:1-Erfolg.

„Wir wussten von Anfang an, dass der Leistungsunterschied zwischen uns und der deutschen Mannschaft groß ist“, so Assistenztrainerin Pauline Hamill, die die „Bravehearts“ in Abwesenheit von Ann-Helén Grahm auf der Deutschlandreise betreute. Und so musste die schottische Rekordnationalspielerin schon nach fünf Minuten mit ansehen, wie ihre Mannschaft in Rückstand geriet. Nach einem Eckball verwandelte Sarah Romert zum 1:0.

Auch in der Folgezeit blieb die DFB-Auswahl überlegen, die Partie spielte sich fast ausschließlich in der schottischen Hälfte ab. „Wir haben Tempo gemacht und Druck aufgebaut“, zeigte sich Wiegmann mit der ersten Halbzeit zufrieden, denn nur fünf Minuten später fiel auch das 2:0. Silvana Chojnowski spielte Torhüterin Megan Cunningham aus und stürmte allein auf das leere Tor zu. Für Cunningham schien diese 20. Minute der Knackpunkt zu sein. Die Torhüterin von Celtic hatte noch lange an ihrem Fehler zu knabbern, stieß noch Minuten später lautstarke Flüche über sich selbst aus, und auch ihre Körpersprache änderte sich sichtlich – der Fehler hatte Selbstbewusstsein gekostet.

Obwohl die Schottinnen quasi im Gegenzug durch Claire Emslie zum Anschlusstreffer kamen, hatte dieses Tor keinerlei Auswirkungen auf die Entwicklung des Spiels. Die Deutschen waren in allen Belangen zwei Schritte voraus, die Gäste in der Defensive nahezu ausschließlich mit dem Zerstören der gegnerischen Angriffe beschäftigt. War Schottland schließlich selbst in Ballbesitz, behinderten zu viele Ungenauigkeiten, Fehlpässe und verlorene Zweikämpfe einen geordneten Spielaufbau.

Sarah Romert

Starke erste Halbzeit mit zwei Toren: Sarah Romert.

So kam die DFB-Elf noch vor der Pause zu weiteren Treffern. In der 27. Minute setzte sich Saskia Toporski auf der rechten Seite durch und flankte zu Chojnowski in den Strafraum, die sicher verwandelte. Nur drei Minuten


Claire Emslie, Lena Weiss, Stacey Hutchison

Die Deutschen um Lena Weiss (Mitte) waren meist nur durch zwei Gegenspielerinnen zu stoppen. Hier versuchen es Claire Emslie (l.) und Stacey Hutchison.

später erzielte auch Romert ihren zweiten Treffer des Tages; die Mittelfeldspielerin vom FC Memmingen behielt in der 1:1-Situation mit Cunningham die Oberhand. Die Torhüterin war mit den Fingerspitzen noch am Ball, hatte jedoch im Endeffekt keine Chance gegen den platzierten Schuss.

Mit dem 4:1 verabschiedeten sich beide Mannschaften in die Halbzeit, nach dem Wiederanpfiff war jedoch „die Luft raus“, so Wiegmann. Jacqueline de Backer setzte sich in der 41. Minute auf der halbrechten Seite allein gegen Kelly Clarke und Linzi Taylor durch und traf zum Endstand – in der dann folgenden halben Stunde geschah so gut wie nichts mehr. „Wir haben zu viele Abspielfehler gemacht“, kritisierte Wiegmann, „und dann machte sich auch Müdigkeit bemerkbar.“

Doch auch in dieser Phase waren die Gastgeberinnen den Schottinnen überlegen, die ihrerseits die deutschen Schwächen nicht ausnutzen konnten. "Eigentlich wollte ich durch die Wechsel in der zweiten Halbzeit nochmal Tempo in die Partie bringen. Leider konnten wir das nicht umsetzen", erklärt Wiegmann weiter. Dass jedoch kein weiterer Treffer mehr fiel, ließ die schottische Trainerin ein insgesamt positives Fazit der zweiten Halbzeit ziehen – eine Wende im Spiel hatte sie sich ohnehin nicht mehr erhofft. „Ich denke, die Spiele gegen Deutschland sind für uns in erster Linie eine Erfahrung, aus der wir nur lernen können. Die Spielerinnen müssen andere Mannschaften kennen lernen und sehen, auf welchem Niveau international gespielt wird. Und wir haben gesehen, dass wir einfach noch mehr trainieren müssen.“

Die Strukturen für intensiveres Training im Jugendbereich wurden in Schottland im letzten Jahr ausgebaut, in sechs regionalen Akademien haben die U15-Mannschaften die Möglichkeit, täglich zu arbeiten. Mit Spannung wird jedoch auch der Start der Frauenfußballakademie an der Universität Stirling erwartet, wo in der nächsten Woche die ersten Fußballerinnen aktiv werden und durch Stipendien ein intensiveres Training bekommen sollen. Hamill hat die Möglichkeit, sich in Vollzeit für die


Akademie und die Ausbildung der Jugend zu engagieren. „Mein ganzes Leben besteht aus Fußball“, lacht die Trainerin, die darüber hinaus mit ihren 37 Jahren noch immer eine feste Stütze im Sturm der Nationalmannschaft ist.

122 Länderspiele hat Pauline Hamill für Schottland absolviert, in Duisburg betreute sie mit Michael Jolley die U15-Auswahl.

Statistik

Deutschland
Kämper (57. Koch), Urbas, Weiss, Giehl, Leiding (45. Kallmeier), Magull, Romert (36. Petermann), Jäger (45. Heep), Toporski (36. de Backer), Chojnowski (49. Einfeldt), Wein (36. Leupolz)

Schottland
Cunningham, Hutchison, Douglas (47. Walkingshaw), Clarke, Taylor (50. Ridgeway), Emslie (62. Steele), Hunter (62. Halliday), Fulton, Ness (36. Nicol), Richards (36. Sloey), Weir

Tore
1:0 Romert (5.)
2:0 Chojnowski (20.)
2:1 Emslie (23.)
3:1 Chojnowski (28.)
4:1 Romert (30.)
5:1 de Backer (41.)

Gelb: Weir

Schiedsrichterin
Marina Wozniak (Herne)

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