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Jugendnationalmannschaften und Mädchenfußball

"Eine U-17-EM in Deutschland wäre ein lohnenswertes Ziel"

Interview mit Jugendbundestrainer Ralf Peter - Teil 4

06.03.2006
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In der überregionalen Presse kann man ja leider kaum etwas bis nichts zu den Jugendnationalmannschaften lesen. Wie ist das mit der regionalen Presse, wird dort über die Spielerinnen berichtet?

Ja, jede Menge. Ich weiß das, wenn ich nominiere. Dann bekomme ich jede Menge Anrufe der Regionalzeitungen, die dann Informationen über die Spielerin haben wollen. Wie sie einzuordnen ist, ob sie einen Stammplatz hat und solche Dinge. Regional passiert da einiges, aber überregional natürlich viel zu wenig. Da ist die Berichterstattung schon sehr dürftig. Wenn ich sehe, dass die U-19 Weltmeister wird und darüber dann im Kicker so eine Seite drin ist, die vielleicht 10x10 cm groß ist, bei so einem Ereignis, dann ist das schon nicht so nett. Ich denke schon, dass man da die Berichterstattung noch intensivieren kann. Das ist auch ein Punkt, an dem die Tina (Theune-Meyer, Anm.) noch arbeitet, das weiß ich. Dass auch in der Öffentlichkeit mehr rauskommt, wenn die U-15- und U-17-Nationalmannschaften mal ein Länderspiel spielen. Dann sollte das auch mal irgendwo erwähnt werden. Das ist aber leider noch nicht so, das stimmt. Aber regional ist das natürlich für die kleinen Zeitungen ein Highlight.

Ralf Peter

Ralf Peter

Foto: Katja Öhlschläger

Mittlerweile engagiert sich zunehmend Eurosport bei den TV-Übertragungen vom Frauenfußball, hat die U-19-Turniere übertragen und sendet jetzt auch ausgiebig vom Algarve-Cup. Ist das eine Perspektive und ein Anreiz, dass auch die U-15 und U-17 mal über Eurosport mehr Aufmerksamkeit bekommen könnten?

Ich denke schon, dass das ein Anreiz ist und ich hoffe auch, dass das irgendwann mal kommt. Wir waren letztes Jahr mit der U-15 in Kanada, da wurden zwei Spiele live im Fernsehen gezeigt. Mit Live-Interviews und allem. Das fand ich auch ganz witzig, dass man dann nach dem Spiel Interviews geben musste, auf Englisch, auch einige Spielerinnen – das war natürlich auch eine schöne Erfahrung. Da war auch volles Haus, 3000 Zuschauer in Halifax. Das waren tolle Spiele. Das wäre schon wünschenswert, dass auch da mal – und wenn es nur eine Zusammenfassung ist - berichtet wird. Im männlichen Juniorenbereich ist es ja auch so, dass hier und da mal ein Länderspiel übertragen wird. Ich glaube, wenn es in Richtung Weltmeisterschaft geht. Und wir müssen uns ja zur U-17-Weltmeisterschaft auch qualifizieren. Da gehe ich jetzt einfach mal fest davon aus, dass die Qualifikation eine Europameisterschaft sein wird. Spätestens dann, hoffe ich, werden Fernsehanstalten wie Eurosport geweckt, dass sie dann auch mal ein Spiel der U-17 zeigen. Das wäre mal eine wichtige und schöne Sache.

Jetzt steht in der nächsten Woche erst einmal der Lehrgang der U-17 in den USA an, für den auch vier Testspiele gegen den Gastgeber eingeplant sind. Steht da mehr das Training oder die Spielpraxis im Vordergrund?

Wir haben da mehrere Schwerpunkte. Zum einen wollen wir natürlich was in Richtung Teambuilding machen. Die Mädels sind dann mal knapp zwei Wochen zusammen, können sich da als Mannschaft finden. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Sicherlich geht es darum, in diesem Trainingslager, in dem wir auf fast zehn Trainingseinheiten kommen, auch an unserem Spielsystem zu arbeiten. Da können wir dann auch mal größere Sachen im mannschaftstaktischen Bereich trainieren – unser Pressing


U-19 Deutschland Norwegen in Wetzlar

Die Jugendnatios ziehen mittlerweile regelmäßig mehrere tausend Zuschauer in die Stadien. Hier ein Bild vom U-19-Spiel Deutschland - Norwegen im vergangenen Juni in Wetzlar.

Bild: Volker Lieberum

verfeinern, das Forechecking einstudieren, die Abwehrkette besser abstimmen etc. Solche Dinge also, die man hier in dieser Jahreszeit sowieso nicht machen kann, weil das ja auch mal mit Stehen und Erklären verbunden ist. Da sind die Temperaturen dort perfekt. Und man hat eben die Möglichkeit, wirklich mal über zwei Wochen was zu entwickeln, was sonst bei den kurzen Länderspielmaßnahmen, die wir hier haben – man trifft sich, trainiert zwei Tage und hat ein Spiel -, natürlich so in der Form nicht möglich ist.

Was jetzt ansteht, ist unsere wichtigste Vorbereitung für das gesamte zweite Halbjahr. Da legen wir die Basis, studieren viele Dinge ein, die man dann auch in den Spielen danach hoffentlich wieder sieht. In den vergangenen Jahren hat das eigentlich immer sehr gut geklappt. Und dann natürlich auch die sportliche Herausforderung, gegen die stärkste Nation der Welt, das kann man ohne Übertreibung noch sagen, viermal spielen zu können. Das ist für die Mädels dann ein wichtiger Lernprozess.

Werden Sie sich auf die U17-Premieren-WM dann auch ganz gezielt vorbereiten?

Die Vorbereitung hat hier eigentlich mit dem Lehrgang begonnen. Die jetzige U-15 ist in zwei Jahren dann die U-17. Das habe ich den Mädels auch schon gesagt. Da geht die ganze Vorbereitung natürlich drauf hin. Natürlich möchte ich parallel, das ist auch immer so in erster Linie meine persönliche Philosophie im Nachwuchsbereich, möglichst viele Spielerinnen ausbilden. Ich möchte möglichst viele Spielerinnen in die U-19 bringen und über die U-19 dann möglichst viele Spielerinnen oben wieder in der A-Mannschaft treffen. Aber sicherlich werden wir jetzt, wenn wir so ein Event wie die WM haben, auch gezielter vorbereiten. Das fängt jetzt schon an, läuft aber eigentlich so ab, wie es immer abgelaufen ist, da ändert sich nicht viel.

Maren Meinert

Ralf Peter bereitet seine Spielerinnen für die U-19 und U-20 von Maren Meinert (Foto) vor

Foto: Volker Lieberum

Aber im Jahr davor wird dann schon einiges dazu gemacht oder ergänzend dazukommen. Da werden wir sicher mit den Sportinstituten zusammenarbeiten und Leistungstests machen und den Spielerinnen noch individuellere Trainingsprogramme geben, damit sie sich noch mehr individuell verbessern. Aber im Moment ist das Programm, was wir machen, das gleiche, was wir immer machen. Das ist in dieser Altersstufe durch unseren roten Faden klar abgesteckt. Im taktisch-technischen Bereich, dann bekommen die Spielerinnen


ihre Programme, ihre Athletik- und Thera-Band-Programme usw. Das wird dann auch von Lehrgang zu Lehrgang abgeprüft, ob sie was gemacht haben – das wissen die auch. Das steht jetzt im Vordergrund, aber je näher es ans Turnier geht, desto konkreter wird dann die Vorbereitung.

Für die U-17-WM haben sich bisher Chile, Equador und Neuseeland beworben – haben Sie da Favoriten?

Neuseeland ist mir neu, ich hatte Australien gehört. Ich hatte auch noch was von Japan gehört. Aber in letzter Zeit ist so viel in Asien gewesen – die U-19-WM war in Thailand, die nächste Frauen-WM und die Olympischen Spiele sind in China -, sodass ich glaube, dass nach Asien nichts gelegt wird. Die Nordamerikaner sind auch in den letzten Jahren gut bestückt gewesen, sodass für mich eigentlich klar war, dass es entweder Südamerika oder Ozeanien wird. Da habe ich Australien gehört, Neuseeland wäre aber natürlich auch nicht schlecht, das sind interessante Ziele. Equador wäre problematisch, weil wir da dann vorher ein Höhentrainingslager machen müssten, sonst funktioniert das nicht. Ich weiß von einem Kollegen, der in Equador mal eine Juniorenmeisterschaft spielen musste. Die waren vorher zwei Wochen zur Höhenanpassung in den USA und das wäre natürlich ein Riesenaufwand für uns. Chile wäre sicherlich auch interessant, aber wenn ich das so höre, wäre sicherlich Neuseeland oder Australien die attraktivste Variante. Wir können das natürlich eh nicht beeinflussen, aber es ist ein zusätzlicher Anreiz für die Mädels, ein Turnier in dieser Kategorie zu spielen. Und dann Neuseeland – das wäre natürlich klasse.

Der DFB bewirbt sich um die Frauen-WM 2011, die letzte Jugendmeisterschaft liegt mit der U-19-EM 2003 auch schon drei Jahre zurück. Kann man in naher Zukunft auch mit Bewerbungen im Nachwuchsbereich rechnen?

Ich habe das auch schon mal forciert. Es wird jetzt diskutiert, ob es im Zusammenhang mit der U-17-Weltmeisterschaft zur Qualifikation eine Europameisterschaft geben wird. Irgend eine Qualifikation muss es geben, weil ja nur vier oder fünf europäische Länder teilnehmen können. Möglich ist da eine Europameisterschaft oder man macht es nur mit Qualifikationsrunden. Aber ich denke, es läuft auf eine Europameisterschaft hinaus. So eine Europameisterschaft im U-17-Bereich wäre dann sicher ein lohnenswertes Ziel. Ich weiß auch, dass unsere Vorsitzende im Mädchenausschuss, Gisela Gattringer, das im Hinterkopf hat. Sobald es da grünes Licht gibt und feststeht, dass es eine Euro gibt, wird sich der DFB da sicherlich mal bewerben. Bei der U-17-WM würden wir sicherlich wenig Erfolg haben, wir haben ja in diesem Jahr schon eine WM, und die Bewerbung für 2011 kommt auch noch hinzu. Aber auf europäischer Ebene kann man sicherlich was machen. Wenn man das intern diskutiert, dann hört man auch, dass viele Nationen eine Europameisterschaft gar nicht ausrichten wollen, weil das finanziell für viele nicht so lukrativ ist. Da kommt es dann ganz häufig vor, dass der DFB, wenn er sich bewirbt, auch den Zuschlag bekommt.

Vielen Dank für das Interview!


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