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Jugendnationalmannschaften und Mädchenfußball"Wir sind in der glücklichen Rolle, schon seit vier Jahren eine U-15 zu haben"Interview mit Jugendbundestrainer Ralf Peter - Teil 3 | ||
05.03.2006 Der DFB hat mittlerweile seit etwa anderthalb Jahren einen Kooperationsvertrag mit dem kanadischen Verband, der von der A-Natio bis zu den Jugendnatios reicht. Im letzten Jahr waren Sie ja auch mit Ihren beiden Mannschaften für Lehrgänge und Länderspiele dort. Wie wichtig sind die internationalen Vergleiche in dieser Altersstufe?
Grundsätzlich sind diese internationalen Vergleiche – gegen welche Nation auch immer – sehr, sehr wichtig. Wir suchen natürlich Spielpartner, die uns auch fordern. Wenn man jetzt in Europa schaut, dann gibt es, glaube ich, - ohne dass das jetzt überheblich klingt – nur zwei, drei Nationen, gegen die wir spielen können und dann sagen können, dass wir richtig gefordert werden. Wenn man gegen Ungarn oder Österreich spielen würde, im letzten Jahr haben wir bei einem Turnier gegen die Schweiz gespielt, dann sind das einfach Spiele, die uns sehr leicht fallen. Die müssen auch sein, aber ich denke, dass die Spiele, in denen die Mädels auch gefordert werden, sehr wichtig sind. Von der Kooperation mit dem kanadischen Verband profitiert nicht nur die A-Natio - wie hier in Hildesheim im April 2005. Für die Jugendnationalmannschaften sind sie ein wichtiger, weil fordernder regelmäßiger Gegner. Gegner für uns. Da sind wir natürlich froh, dass wir sie als Gegner gewonnen haben. Vor allem natürlich für unsere U-15, weil es ja leider in Europa noch nicht allzu viele Nationen gibt, die eine U-15 haben und die auch eine U-15 haben, die gegen uns spielen will. Viele Nationen sagen, dass sie wohl mit der U-15 spielen, aber nicht gegen Deutschland... ...weil sie eine Klatsche kriegen... ...ja, weil sie vielleicht eine Klatsche kriegen. Das ist natürlich ein Problem, weswegen es auch sehr wichtig ist und wir froh sind, dass wir die Kanadier als Spielpartner haben.
Im letzten Herbst war es Ihnen erstmals gelungen, ein Vier-Nationen-Turnier im U15-Bereich auszurichten, was vorher immer an einem Mangel an Gegnern gescheitert war. Ist für dieses Jahr wieder ein solches Turnier vorgesehen? Damit haben Sie mir meine nächste Frage schon vorweg genommen. Sie sprachen beim Vier-Nationen-Turnier an, dass Sie davon ausgehen, dass nun viele Länder mit dem Aufbau von U-15-Natios nachziehen werden. Hat sich da mittlerweile schon etwas getan? Kam über den "zweiten Bildungsweg": Melanie Behringer vom SC Freiburg Ja, da hat sich schon was ergeben. Wir haben Anfragen aus Wales, aus Nordirland, auch die Belgier haben sich gemeldet, um gegen uns zu spielen. Die Franzosen haben sich gemeldet, haben das dann aber leider aus Etatgründen canceln müssen. Sie hatten erst zugesagt und dann doch wieder abgesagt, haben allerdings eine U-15. Da passiert schon einiges. Auch die Italiener haben angefragt und ich denke, das geht in diese Richtung, dass |
"Ich habe nicht jedes Jahr eine Anja Mittag oder eine Celia Okoyino da Mbabi", sagt Ralf Peter. Hier da Mbabi (l.) und Mittag (M.), die den Sprung ins A-Team geschafft haben, im Kampf um den Ball mit der Schottin Stacey Cook beim WM-Qualifikationsspiel im Oktober 2005 in Bayreuth. | |
es immer mehr U-15-Nationalmannschaften geben wird. Das ist auch gut so, denn die braucht man dann ja auch, wenn man eine U-17 hat, die auch irgendwann eine Weltmeisterschaft spielen soll. Da muss man sich dann auch zwei, drei Jahre vorbereiten, und da ist die U-15 die ideale Vorbereitungsplattform für die Mädels. Sie haben berichtet, dass Sie sich bei der U-15 im ersten Halbjahr vorwiegend auf die Sichtung konzentrieren und dann mit einem ausgewählten Kader im zweiten Halbjahr die Länderspiele bestreiten. Mit der U-17 stehen bis zum Nordic-Cup jetzt noch die Spiele gegen die USA in der nächsten Woche, ein Länderspiel gegen Dänemark und ein Turnier in der Schweiz im Juni an. Täuscht der Eindruck, dass die Sichtung bei der U-15 noch mehr im Vordergrund steht, während es bei der U-17 schon mehr um Spielpraxis geht? Na gut, die Sichtung steht immer im Vordergrund. Wenn ich irgendwo eine talentierte Spielerin sehe oder mitbekomme, dass es da noch ein Talent gibt, dann fahre ich da auch mal hin und schau’ sie mir an. Denn es gibt ja auch Spielerinnen, die ihren Leistungsschub erst mit 17, 18 bekommen. Das kommt zwar mittlerweile selten vor, aber wir haben auch in der U-19 Spielerinnen, die sich spät entwickeln. Ich denke da jetzt an die Josephine Schlanke, eine ganz hochgeschossene Innenverteidigerin von Turbine Potsdam – die hat bei mir kein Spiel gemacht. "Spätzünderin" aus Potsdam: Josephine Schlanke Sie war auch absolut kein Thema, das sagen auch die Potsdamer selbst, aber sie hat sich im letzten Jahr enorm entwickelt und spielt jetzt U-19. Wenn ich an die U-19-WM zurückdenke, dann war da nur eine Spielerin dabei, die nicht bei mir gespielt hat: Melanie Behringer. Die ist also auch über den „zweiten Bildungsweg“, wie wir immer so schön sagen, gekommen. Diese Beispiele gibt es immer. Es kann also keiner sagen, dass die 30, die wir jetzt hier haben, auch in dieser Zusammensetzung bleiben. Man entdeckt immer hier und da mal noch Talente oder man sieht halt Spielerinnen, die sich gewaltig entwickeln. Genau in dem Alter jetzt sind sie halt voll in der Entwicklung. Einige entwickeln sich eben positiv, einige negativ. Einige gehen in die Höhe und einige wachsen schnell und werden dann staksig, steif und langsam – dann ist das Thema durch. Einige wachsen schön kontinuierlich, bekommen dann auch noch Muskelzuwachs an den richtigen Stellen, werden dynamischer und erzielen damit auf einmal einen großen Leistungsfortschritt. Andere wachsen an den falschen Stellen, gehen nicht in die Höhe sondern in die Breite, dann ist auch Ende. Von daher ist der Sichtungsaspekt in der U-17 schon sehr wichtig. Allerdings ist er im U-15-Bereich natürlich noch etwas wichtiger, weil wir da wirklich erstmal den groben Kader bekommen wollen, während es in der U-17 eher eine Nachsichtung ist. Die wir aber auch sehr, sehr intensiv betreiben.
Wissen Sie schon, wer an dem U-17-Turnier im Mai/Juni in der Schweiz teilnimmt?
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wie im letzten Jahr, als wir das Turnier im süddeutschen Raum in Rheinfelden hatten. Das ist einfach eine schöne Sache, dass Spielerinnen da mal in einen Turniercharakter reinkommen. Und es ist natürlich eine wichtige Vorbereitung auf unseren Saisonhöhepunkt, den Nordic-Cup in Finnland. Für den Nordic-Cup ist wieder die Titelverteidigung das Ziel? Ralf Peter
Ja, ich meine, das würde mir auch keiner glauben, wenn ich etwas anderes sagen würde. Wir sind amtierender Nordic-Cup-Sieger, sind im U19-Bereich – auch wenn wir momentan nicht Europameister sind, aber das war wohl ein kleiner Unfall – amtierender Weltmeister, da glaube ich schon, dass wir im Nachwuchsbereich in Europa absolut Spitze sind. Da ist natürlich unser Anspruch auch da, den Titel auch zu verteidigen. Auch Fatmire Bajramaj, hier gegen die Schottin Ifeoma Dieke, gehört zum erweiterten Kreis der A-Natio und hat schon ein A-Länderspiel - eben gegen Schottland - absolviert. Der 89er, den ich im Moment habe, ist sicherlich auch gut, aber nicht in der Leistungsstärke wie der 88er. Aber wir haben trotzdem mit dem Jahrgang Schweden geschlagen, gegen Frankreich hatten wir einige Probleme. Die Franzosen haben aber auch gerade die beste U-17, die sie je gehabt haben, das war schon eine richtig starke Mannschaft. Wir waren auch nicht ganz komplett und hatten etliche verletzungsbedingte Ausfälle, aber klar, wir wollen natürlich den Nordic-Cup wieder gewinnen. Wenn ein zweiter Platz dabei rausspringt, ist es aber auch kein Beinbruch. Die Mädels sollen lernen, die sollen sich entwickeln, und das steht natürlich im Vordergrund. | |