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Jugendnationalmannschaften und Mädchenfußball"Die U-17-Nationalspielerinnen sind heiß umworben"Interview mit Jugendbundestrainer Ralf Peter - Teil 2 | ||
04.03.2006 Die Spielerinnen im Alter Ihrer Mannschaften spielen überwiegend in gemischten Mannschaften. Wie beurteilen sie gemischte Mannschaften und bis zu welchem Alter halten sie diese für angebracht? Die Frage möchte ich jetzt weder in die eine noch in die andere Richtung beantworten. Ich denke, man muss es unter zwei Aspekten sehen. Wenn wir über Leistungsfußball und Nationalmannschaft reden, dann ist es meiner Ansicht nach ganz wichtig, dass die jungen Spielerinnen so lange wie möglich bei den Jungs spielen. Das ist einfach ein ganz anderes Niveau, ein ganz anderes Zweikampfverhalten – sie entwickeln sich da absolut besser. Von den Spielerinnen, die hier sind, sind es ganz wenige, die über die Mädchenmannschaft hier reingestoßen sind. Die meisten spielen ganz lange bei den Jungs. Hier in dem Lehrgang haben wir 70%, die derzeit auch noch in einer Juniorenmannschaft spielen. Teilweise gebe ich ihnen auch die Empfehlung, möglichst lange bei den Jungs zu spielen und danach vielleicht gar nicht erst in der Mädchenmannschaft, sondern gleich zu den Frauen und dann vielleicht gleich in die 1. oder 2. Liga. Aber das ist wirklich die absolute Spitze. Da sieht man das ja auch bei unseren Frauen-Nationalspielerinnen, die auch von Zeit zu Zeit die Order bekommen – vor allem vor großen Turnieren -, bei Herrenmannschaften oder A-Jugend-Bundesligateams mitzutrainieren. Birgit Prinz trainiert regelmäßig bei der A-Jugend von Eintracht Frankfurt mit, Bettina Wiegmann war in Leverkusen, Kerstin Stegemann bei FC Eintracht Rheine (Oberliga Herren) - das ist der klarste Beweis. Wenn wir also über Leistungsfußball reden, dann gibt es nur eines: so lange wie möglich bei den Jungs mitspielen Wenn wir über die andere Schiene kommen – Breitensport klingt etwas abwertend, „Freude am Spiel“ trifft es vielleicht besser -, dann ist es meiner Ansicht nach schon wichtig und günstig, wenn die Mädels relativ früh bei den Mädels spielen. Denn bei den Jungs ist es eben häufig nicht so ganz unproblematisch. Meistens selektiert sich das von alleine – wenn die Mädels gut sind, sind sie akzeptiert und spielen dann auch lange bei den Jungs. Wenn sie nicht gut genug sind, dann sind sie häufig nicht akzeptiert. Da ist es dann für die Mädchen besser, in reinen Mädchenmannschaften zu spielen. Denn diese breite Basis brauchen wir ja auch. > Und vielleicht sind wir auch irgendwann mal so weit, dass wir irgendwo landesweit eine Staffel haben, wie es jetzt in einigen Regionen schon der Fall ist. Eine Landesstaffel, wo die Mädels dann auch spielen können und dann auch starke Gegner haben. Aber im Moment ist es leider in vielen Landesverbänden noch nicht so. Man sieht das auch an Turbine Potsdam, deren Mädchenmannschaft bei den Jungs in der Staffel spielt. Und das ist auch gut so. Das ist, denke ich, der klarste Beweis. Die B-Juniorinnen von Turbine Potsdam spielen in der C-Junioren-Kreisliga mit, um gefordert zu werden. Hier feiern sie die Deutsche Meisterschaft bei den B-Juniorinnen im letzten Jahr in Gütersloh
Wie kann man sich dann die Sichtung bei den gemischten Mannschaften vorstellen? Kooperieren Sie da mit den Sichtern des männlichen Nachwuchses? Es ist also so, dass wir uns auf diese Landesstrukturen verlassen. Die Mädels kommen in die Landesauswahl und spielen dann ihre Regionalturniere. Diese Turniere schaue ich mir dann an und bekomme dort dann auch die Sichtungslisten. Dann setze ich mich auf die Tribüne und mache meine Notizen – das ist also quasi meine erste Vorsichtung. Dann kommen die Landesverbände im Zeitraum Ende Mai nach Duisburg zum Mädchen-Länderpokal, das ist schwerpunktmäßig unsere große Sichtung. Es ist aber trotzdem wichtig, dass ich sie vorher auch in den Landesturnieren gesehen habe, denn es ist immer besser, wenn man sie zwei- oder dreimal sieht, dann kann man sie auch besser einschätzen. Bei dem großen Länderpokal haben wir dann einen Sichterstab, der alle Spiele beobachtet. Da entgeht uns so schnell kein Talent. Aus dem Länderpokal filtere ich dann die 90 besten Spielerinnen, teile sie danach auf in drei regionale Lehrgänge – Süd, Nord, Nordost. Später wird das dann reduziert auf einen 30er Kader und aus diesem schöpfe ich dann die Spielerinnen für die ersten Länderspiele der U-15. Sie hatten die Option für Spitzenspielerinnen angesprochen, von den gemischten Mannschaften gleich in den Frauenbereich zu wechseln. Ab wann halten Sie es denn für geboten, auf Angebote von Erst- oder Zweitligisten einzugehen? Zuletzt hat Heike Rheine mit Lena Wermelt eine 15-Jährige |
Im Spitzenbereich ist der Vergleich mit männlichen Jugendmannschaften sehr wichtig - hier die deutsche A-Nationalmannschaft bei der EM-Vorbereitung in einem Spiel gegen die A-Jugend der Frankfurter Eintracht. Auf dem Bild Ariane Hingst, Renate Lingor, Conny Pohlers und Inka Grings (v.l.n.r.) | |
schon mit Perspektive Bundesliga verpflichtet. Kommen die Spielerinnen dann auch zu Ihnen, um sich Rat einzuholen? Ralf Peter Ja, selbstverständlich kommen die zu mir. Da wäre ich auch ein bisschen böse, wenn ich nicht informiert wäre, und das wissen die auch. Sie suchen ja auch den Rat und fragen, was sie machen sollen, wenn sie ein Angebot haben. Die U-17er vor allem, die U-15er noch nicht so, weil die noch nicht bei den Frauen spielen dürfen. Aber die U-17-Nationalspielerinnen sind natürlich heiß umworben. Es ist klar, da gibt es immer einen Run der Bundesligavereine. Da bekommen die Spielerinnen dann plötzlich mehrere Anfragen und wissen dann nicht, was sie machen sollen. Ich muss natürlich auch aufpassen, weil ich in meiner Stellung vereinsneutral sein muss. Ich versuche dann natürlich schon Rat zu geben, aber so pauschal kann man das nicht sagen. Es sind so viele Faktoren, die da zusammen kommen: Schule, berufliche Perspektive, wie weit ist der Verein vom Wohnort weg? Vielleicht ein Wohnortwechsel usw. Das sind alles Faktoren, die neben den sportlichen Faktoren auch sehr wichtig sind. Sportlich ist entscheidend, ob die Spielerin eine Chance hat, bei ihrem neuen Verein zu spielen oder nicht. Wenn man weiß, sie haben sechs gute Innenverteidiger, vielleicht davon noch drei A-Nationalspielerinnen, und sie ist nur Nr.7, dann kann man sagen: du hast da noch keine Chance, da kommst du noch nicht dran vorbei. Bei Lena Wermelt machte der Schritt Sinn, weil sie noch bei den Jungs in einer B-Jugend-Mannschaft gespielt hat, es da aber innerhalb der Mannschaft ein bisschen Probleme gegeben hat. Die Lena ist eben ein recht hübsches Mädchen, da kann man sich dann alles weitere denken. Das war zu problematisch, das ging dann nicht mehr. Deswegen hat dann Heike Rheine, die ja nur 20 Kilometer entfernt sind, als naheliegender Bundesligaverein mit ihr gesprochen – sie standen auch vorher schon in Kontakt – und sie sich dann für diesen Schritt entschlossen, der meiner Meinung nach auch Sinn macht. Ich glaube, dass sie da auch in der ersten Mannschaft sehr schnell zum Einsatz kommt. So stark ist sie, das packt sie.
Wie intensiv erfolgt die Sichtung der Vereine? Kommen vor allem die Erstligisten oder auch Zweitligisten? Wird eher regional im eigenen Umkreis gesichtet oder auch bundesweit?
In welchem Alter das sinnvoll ist, hängt auch davon ab, wie die Spielerin körperlich entwickelt ist, ob sie schon die Reife für die erste oder zweite Liga hat. Aber ich wäre als Verein da sehr rührig, denn das sind unsere besten Nachwuchsspielerinnen. Da macht es sicher Sinn, sich die mal anzuschauen.
Sie haben im Trainerstab ein Konzept für die A-Natio bis zur U-15 entwickelt, das alle Nationalteams – abgestuft nach Altersklassen - spielen. Stimmen Sie sich da regelmäßig mit ihren Kolleginnen Maren Meinert und Silvia Neid ab? Tina Theune-Meyer hat das Spielsystem geprägt, das nun von der A-Natio bis zur U-15 umgesetzt wird. Regelmäßig müssen wir uns da nicht abstimmen. Wir haben unsere klare Philosophie, die ist ganz klar. Die Philosophie ist die der A-Nationalmannschaft. Wir spielen die gleiche Grundordnung, wir spielen durchweg mit Viererabwehrkette. Eine gewisse Flexibilität haben wir – wie auch die A-Mannschaft – in Mittelfeld und Angriff. Da muss man von Jahrgang zu Jahrgang schauen, was man für Spielertypen hat. Wenn man beispielsweise mit drei Spitzen spielen will, hat aber die Außenstürmertypen nicht, dann
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macht es auch keinen Sinn, mit drei Spitzen zu spielen. Aber im großen und ganzen haben wir da eine einheitliche Philosophie.
Wir haben vor vier Jahren einen roten Faden entwickelt – mit Tina Theune-Meyer federführend, mit Silvia Neid und meiner Wenigkeit, die Maren (Meinert, Anm.) ist da ja jetzt dazugestoßen - und diese Philosophie ziehen wir auch durch. Wir haben festgelegt, was in welchen Altersklassen schwerpunktmäßig trainiert wird. Die Spielerinnen bekommen ihre Hausaufgaben mit und bekommen Programme im Bereich Athletik, Technik und Taktik mit nach Hause. Basierend auf dem System der Frauen-Nationalmannschaft ist da ganz klar abgestimmt, was in welchen Altersstufen gemacht wird. Ich denke, das ist auch ein Geheimnis unseres Erfolgs, dass wir so eine einheitliche Linie fahren. Babett Peter konnte u.a. deshalb so schnell in die U-19 und jetzt in die A-Natio aufsteigen, weil sie das Spielsystem von Beginn an kennt Ich denke, dass wir mit dieser einheitlichen Philosophie auch dem männlichen Bereich noch ein bisschen voraus sind. Die versuchen ja jetzt auch, bestimmte Leitlinien vorzugeben, aber wir setzen das eigentlich schon seit Jahren um. Wir stimmen uns dann natürlich schon regelmäßig ab. Einmal im Monat trifft sich der ganze Trainerstab, wo wir dann einzelne Spielerinnen und deren Entwicklung besprechen, schauen, wo noch Perspektivspielerinnen sind, wo man vielleicht noch mit zusätzlichen Trainingseinheiten helfen müsste und wie man das organisieren kann. Auch die physiotherapeutische Betreuung für die Nationalspielerinnen muss abgestimmt werden.
Welche Rolle spielt in diesem Konzept Tina Theune-Meyer, die das einheitliche System stark geprägt hat und jetzt eher koordinierende Aufgaben übernommen hat?
Mittlerweile gibt Silvia Neid als A-Nationaltrainerin die Linie vor Aber sie versucht jetzt vor allem, Bereiche zu entwickeln und verbessern, die vorher noch so ein bisschen brach gelegen haben. Beispielsweise die Geschichte mit den Schulen – da reist sie quer durch Deutschland und versucht, sportbetonte Schulen zu fördern und diese auszubauen. Sie setzt sich auch hier in den neuen Bundesländern ein - sie war jetzt zuletzt in Potsdam, in Jena, in Neubrandenburg, hat sich alles angeschaut und untersucht, was man dann auf ganz Deutschland übertragen kann. Dann arbeitet sie auch ganz eng mit uns Trainern zusammen und versucht auch da, wo wir noch Defizite haben, diese dann abzubauen. Was wir machen, ist gut, aber die Qualität kann man natürlich immer mehr steigern. Wenn ich mal ein Beispiel erzählen kann: als ich anfing, hatte ich einen Lehrgang mit 35-38 Mädels und ich hatte nicht einmal einen Co-Trainer dabei. Wenn wir ins Ausland gefahren sind, hatten wir einen Teambetreuer, Physiotherapeuten, den Trainer und einen Delegationsleiter – Ende. Heute haben wir schon einen Mannschaftsarzt und auch die Möglichkeit, mal einen Torwarttrainer mitzunehmen, und, und, und. Das wird von Jahr zu Jahr verbessert und das sind auch wichtige Anhaltspunkte, wo die Tina sehr stark versucht, für uns den Weg zu öffnen. Das ist sehr wichtig, denn sie hat ja den entsprechend großen Namen. Da öffnet sie natürlich für uns Türen, die für uns sehr wichtig sind, dass sie geöffnet werden.
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