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Das Frauenfußball-Magazin



Schweizer Nationalmannschaft und Nationalligen

Neue Qualifikation, neues Glück

Die Schweiz und ihre Entwicklung

Text und Bilder (soweit nicht anders gekennzeichnet) von ViolA

04. November 2009 In aller Regel- mäßigkeit treffen die Schweiz und Deutschland in der EM- oder WM-Qualifikation aufeinander und jedesmal war damit Endstation für die Schweizer. Zuletzt vor gut einem Jahr in Basel. Mittlerweile steht die nächste Qualifikation vor der Tür, diesmal für die Welt- meisterschaft 2011 in Deutschland. Doch wie sieht die Situation und Entwicklung in unserem Nachbar- land aus?

Die Schweiz gehört nicht nur zu den kleinsten Ländern Europas, sondern auch der Welt. Mit ca. acht Millionen Einwohnern ist unser kleines Nachbarland jedoch relativ gut besiedelt und auch wenn es um die neusten Techniken geht, sind die Eidgenossen nicht selten mit an erster Front. Doch beim Fußball, speziell beim Frauenfußball, haben sie noch viel aufzuholen. Mit knapp 22.000 weiblichen Mitgliedern liegt der Verband zwar noch deutlich über Italien (12.000), aber im Vergleich zum Bundesland Baden-Württemberg mit 44.000 fußballspielenden Frauen und 22.000 Mädchen wird deutlich, dass noch viel Luft nach oben ist.

Trotzdem geht die Entwicklung auch hier stetig weiter. Die oberste Klasse, die Nationalliga A, wird immer ausgeglichener: Bis zum letzten Spieltag der abgelaufenen Saison kämpfte der FC Schlieren um den Klassenerhalt. Mit einem Punkt Vorsprung auf den FC Concordia Basel fuhr die Mannschaft von Trainer Roger Gutweninger zu dem bereits fest- stehenden Absteiger LUwin.ch, siegte mit 7:1 und stieg am Ende auf Grund der schlechteren Tordifferenz in die Nationalliga B ab, da Basel ein 0:0-Unentschieden gegen die BSC Young Boys gelang. Im Gegensatz dazu stand der Gewinn der 14. Meisterschaft für den FC Zürich Frauen bereits drei Spieltage vor Saisonende fest.

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Jubel bei den Frauen des FC Zürich: Zum 14. Mal gewannen sie die Meisterschaft und feierten anschließend auf dem Balkon des Volkshauses

Bild: FC Zürich Frauen

In dieser Saison sieht es jedoch schon etwas anders aus. Beide Aufsteiger, der FC Staad und Rapperswil-Jona, sind dicht am ausgeglichenen Mittelfeld dran. Trotzdem gibt es auch diesmal wieder eine Spitzengruppe, zu der sich auch wieder der FC Zürich gesellt. Diesmal jedoch überraschender Weise, denn der Schweizer Rekordmeister erlebte in der Sommerpause einen Umbruch seiner ersten Mannschaft: Insgesamt sechs Spielerinnen verließen den Verein, zwei davon Stamm- spielerinnen. Unter ihnen auch die Rekordnationalspielerin und Züricher Mannschaftskapitänin Prisca Stein- egger. Für sie kamen sechs U-Nationalspielerinnen aus der eigenen Jugend nach, so dass der aktuelle Altersdurchschnitt der Mannschaft bei 19,5 Jahren liegt. Trotzdem hatte das Team bis zum neunten Spieltage acht seiner Partien gewonnen und nur gegen den Stadtkonkurrenten Grass- hopper Club beim 2:2 Punkte liegen gelassen. "Wir haben nicht erwartet, dass es so kommen würde," bemerkte die Präsidentin Tatjana Haenni. "Wir hatten mehr mit den Plätzen zwei bis vier gerechnet." Genau dort steht die Mannschaft von Trainerin Susanne Gubler jetzt nach der ersten Saisonniederlage gegen die BSC Young Boys. Die Tabellenführung haben indes die Grasshopper übernommen, die in der letzten Saison als GC Schwerzenbach abgeschlagen von der Spitzengruppe das obere Mittelfeld erreichten.


Schweiz

Immer wieder lief die Schweiz den Deutschen Auswahlen hinterher und hatte ihnen wenig entgegen zu setzen: 13 der insgesamt 14 Begegnungen gewannen die Deutschen. Nur einmal trennten sich beide Mannschaften mit einem Unentschieden voneinander - das war 1988 und auch die Tordifferenz von 67:2 Toren spricht eine deutliche Sprache zugunsten des amtierenden Welt- und Europameisters.

In der Champions League trafen die Frauen vom FC Zürich in der ersten Runde auf den derzeitigen schwedischen Tabellenführer FC Linköping. "Das ist natürlich eine riesige Herausforderung für uns," erklärte Haenni. "Sie sind viel zu stark für uns. Trotzdem freuen wir uns auf die Begegnungen und wollen uns so gut wie möglich verkaufen." Ein besonderer Ansporn war dabei sicherlich auch, dass das Heimspiel nach Winterthur in das 8.000 zuschauerfassende Stadion Schützenwiese verlegt wurde und die Partie vom Schweizer Sport Fernsehen SSF übertragen wurde. Für die Schweiz war dies ein Novum: Noch nie war ein Frauenfußballspiel auf Vereinsebene live und in voller Länge ausgetrahlt worden.

Ein großes Fragezeichen setzte Haenni im Vorfeld bei dem Zuschauerzuspruch: "Leider findet an diesem Abend auch die Champions League-Begegnung der Männer statt. Wir hoffen aber trotzdem auf mindestens 200-300 Zuschauer die uns unterstützen." Zu niedrig gegriffen ist diese Erwartung nicht, stehen bei den Spielen der Nationalliga A im Schnitt 117 Zuschauer am Spielfeldrand, wovon die meisten sicherlich Verwandte und Bekannte der Spielerinnen sind. "Schön wäre es, wenn um die 500 bis 800 Zuschauer kämen. Das wäre ein toller Erfolg für uns," bemerkte sie und wurde am Ende in ihren Erwartungen sogar noch übertroffen: 1050 Zuschauer unterstützten die Mannschaft bei der 0:2-Heimniederlage. Auch auswärts unterlagen die Züricherinnen mit 0:3. Trotzdem sind Mannschaft und Verein zufrieden: "Wir haben uns nicht vor dem übermächtigen Gegner versteckt, sondern offensiv und frech mitgespielt," so Haenni. Und so gab es auch von den Schwedinnen ein positives Feedback.

FC Zürich vs FC Linköping

Gegen den schwedischen FC Linköping spielten die Züricher Frauen gut mit, verloren am Ende jedoch mit 0:5 Toren (total) in beiden Spielen

Bild: FC Zürich Frauen

Am kommenden Wochenende steht die nächste Runde des Schweizer Cups auf dem Terminplan. Im Achtelfinale trifft der FC Zürich auf den Zweitligisten CS Chênois. Eine lösbare Aufgabe für den Schweizer Meister. Danach haben die vier Nationalspielerinnen des FC Zürich bis März Pause. Natürlich auch die


Anderen, die in den Schweizer Vereinen Grasshopper Club ZH (vier), dem FC Thun, FY Yverdon Féminin, FC Thun und SC Kriens (jeweils drei), BSC Young Boys (zwei) und FC Basel (eine) spielen. Für die immer größer werdende Anzahl derer, die sich im Ausland weiterentwickeln wollen, stehen noch weitere Spiele an. Ramona Bachmann, die seit 2007 in Schweden bei Umea IK spielt, hat ihr letztes Spiel zwar schon am Wochenende, Martina Moser, Danique Stein und Marisa Brunner vom SC Freiburg, Vanessa Bürki (FCB), Ana Maria Crnogorcevic und Gaëlle Thal- mann (HSV) spielen jedoch noch bis Mitte Dezember und beginnen bereits im Januar wieder mit der Vorbereitung. Auch Lara Dickenmann, die vor einem Jahr vom FC Zürich zu Olympique Lyon wechselte, hat nur von Ende Dezember bis Ende Januar Winterpause.

Für die Zeit dazwischen hat der Schweizer Verband für seine Vereine die Winter-Challenges organisiert. Das sind kleine Turniere, an denen alle Erstligisten sowie die beiden besten Zweitligisten teilnehmen. Gespielt wird vom 21. November bis 24. Januar auf Kunstrasen.

Das bietet immerhin den Vorteil, dass die Spielerinnen für das Rückspiel in Israel noch bzw. wieder eingespielt sein dürften, zumal der Ligabetrieb eine Woche vor dem wichtigen Qualifikationsspiel wieder beginnt. Im Hinspiel vor einer Woche gewannen die Eidgenossinnen mit 2:1 und bleiben dem Tabellenführer aus Russland, gegen den sie mit 1:2 verloren, damit dicht im Nacken (-> Spielbericht).

Qualitabelle

Die Schweiz steht bei der WM-Qualifikation hinter Russland auf dem zweiten Tabelleplatz der Gruppe sechs

Und so dürfte es diesmal vielleicht erfolgreicher für die Schweizerinnen verlaufen, als noch vor einem Jahr in Basel, als sie im letzten EM-Qualifikationsspiel mit 0:3 wieder einmal den Deutschen unterlagen. Damals bedeutete diese Niederlage das Aus für die Europameisterschaft in Finnland, und eigentlich verschenkten die Eidgenossinnen ihr EM-Ticket schon knapp vier Wochen zuvor, als die Mannschaft beim 1:1 gegen die Niederländerinnen zwei wichtige Punkte liegen ließ. Doch der Rückblick macht auch Hoffnung auf die Zukunft. Immerhin waren sie einer Endrunde noch nie so nahe gekommen: Am Ende fehlten nur (diese) zwei Punkte um in die Play-Offs zu kommen.


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