Text: Rainer Fußgänger
Fotos: Anders Henrikson
28.8.2007
In Schweden hat immer einer der beiden Finalisten Heimrecht und per Los war schon vor dem Halbfinale entschieden worden, dass AIK das Endspiel im heimischen Solna austragen durfte.
Es kamen knapp 1300 Zuschauer, eine recht gute Kulisse, auch wenn ich mit mehr gerechnet hatte, aber das Fernsehen übertrug live auf TV4+.
AIK hatte sich etwas vorgenommen, zum ersten Mal seit über 20 Jahren stand das Team im Finale, hat in der Meisterschaft bislang eher enttäuscht - die einzige Chance war nun das Pokalendspiel.
Zeigen hier Jessica Julin und Elaine Fußballbalett?
Aber der Tabellenführer aus Umeå sorgte schon sehr schnell für klare Verhältnisse. Zwar hatte AIK nach sieben Minuten die erste Torchance als Carola Söberg im Tor von UIK sich verschätzte und ein Ball von Anna Bohlin leicht an die Latte klatschte, aber fast im Gegenzug brachte ein individueller Fehler ausgerechnet Umeås Nummer 60 in eine gute Position: Die trägt niemand anders als Marta und die Brasilianerin bedankte sich mit dem 1:0 für die Gäste. Alles schien seinen normalen Lauf zu nehmen und das bestätigte sich in der 14. Minute als die in Topform spielende Lisa Dahlqvist per Kopf abermals Marta im Strafraum frei spielte und diese mit einem Heber bereits das 2:0 markierte.
Ramona Bachmann versucht die stürmende Kacey White zu halten
Ein Rückstand dieser Art nach einer Viertelstunde war natürlich enttäuschend für die Zuschauer. Umeå dominierte auch den Rest der ersten Halbzeit. Die Gastgeber bekamen Marta nicht in den Griff, Ramona Bachmann sorgte auf der rechten Seite für ständige Unruhe und in der 40. Minute kam dann noch Madelaine Edlund hinzu. AIK bekam den Ball nicht aus dem Strafraum heraus, und schließlich landete er bei "Madde" Edlund und die erst tags zuvor für die WM nominierte Stürmerin besorgte das 3:0.
In der Halbzeit gab niemand mehr einen Cent bzw. eine Öre für AIK und Nationaltrainer Thomas Dennerby klang diplomatisch, als er dem schwedischen Rundfunk auf die Frage, ob AIK noch eine Chance hätte, sagte,. "wenn AIK ein schnelles Tor schießen kann, dann kann man noch einmal ins Spiel kommen, aber das wird schwer gegen Umeå".
Dennerby hatte so Recht. Nur 70 Sekunden nach dem Wiederanpfiff Ecke für AIK.
|
Der strahlende schwedische Pokalsieger 2007, Umeå IK
|
Alle Standardsituationen erledigt Linda Lekander. Sie schlug den Ball von rechts in den Strafraum und irgendwie landete das Leder im Torraum vor den Füßen der Finnin Laura Kalmari, die früher für Djurgården und Umeå gespielt hat: 1:3.
Das Tor setzte eine gehörige Portion Adrenalin bei den Gastgeberinnen frei, die auf einmal nicht mehr wiederzuerkennen waren. Sie wendeten nun die Rudeltaktik an, wie eine schwedische Zeitung bemerkte: sie verteidigten im Rudel und griffen im Rudel an und boten in der Folgezeit die beste Saisonleistung.
52. Minute: Freistoß für AIK. Wieder von rechts spielte Linda Lekander einen hohen Ball in den Strafraum, den die Abwehrspielerin Frida Höglund ins Tor beförderte: 2:3. Jetzt schnappte man sich den Ball aus dem Netz und lief mit ihm schnell zur Mittellinie. Die Startruppe aus Umeå wurde sichtlich nervös und versuchte ihr Pensum herunterzuspielen und war doch völlig verunsichert. Wo sonst von den Offensivkräften Marta und Bachmann die Rede ist, musste man jetzt zur Kenntnis nehmen, dass UIK mit Anna Paulson eine exzellente Verteidigerin hat. Auch Elaine, deren Vertrag 2006 zuerst eigentlich gar nicht verlängert werden sollte, ist aus der Defensive kaum noch wegzudenken. Das Ergebnis schien aber Bestand zu haben.
Zehn Minuten vor Schluss dann abermals Ecke AIK. Abermals flankte Linda Lekander den Ball in den Strafraum und fand den Kopf von Frida Höglund, die das Leder mit der Stirn in den Winkel wuchtete - keine Chance für Carola Söberg: 3:3. Das Unmögliche war möglich geworden, die AIK Spielerinnen lagen in einem fröhlichen Haufen auf Lekander und Höglund und den Gesichtern der Gegnerinnen sah man die Ratlosigkeit und Frustration an. Ein Meister und Tabellenführer darf sich einen 3:0-Vorsprung eigentlich nicht nehmen lassen.
Nun zitterte man vor der nächsten Standardsituation für AIK. Dreimal hatte Linda Lekander Vorlagen geliefert, dreimal war das gesamte Team aufgerückt und hatte die Abwehr Umeås überlistet.
Wenn ein Spiel dermaßen auf der Kippe steht, braucht man eine ungewöhnliche Aktion, eine Spielerin, die durch eine Einzelaktion, durch ein wenig Zauber alles verändern kann.
Alle schienen sich mit der Verlängerung anzufreunden im Pokalfinale, nur eine hatte keine Lust auf Verlängerung.
In der 86. Minute schnappte sich die weltbeste Fußballerin, Marta Vieira da Silva, auf der linken Seite den Ball, setzte zu einem ihrer unnachahmlichen Sprints an, umspielte 2-3 Gegenspielerinnen und jagte den Ball dann mit einem Schuss aus spitzem Winkel unhaltbar für Sofia Lundgren zum 3:4 ins Netz.
|
Frustration jetzt bei AIK und Riesenjubel bei Umeå. Der erste Pokalsieg seit vier Jahren für die Nordschwedinnen und dieses Mal hatten sie sich wieder einmal bei Marta zu bedanken, deren Extraklasse und auch nervliche Gelassenheit und Ehrgeiz am Ende das Spiel entschieden hatten.
Marta zeigte eine Klasseleistung und schoss drei Tore
AIK konnte trotz der verständlichen Enttäuschung das Spiel mit gehobenem Haupt verlassen, der Aufsteiger hat UIK einen großartigen Kampf geliefert.
AIK:
Sofia Lundgren - Anna Bohlin, Frida Höglund, Sanna Valkonen, Linda Lekander - Sofia Simonsson (Nazanin Vaseghpanah 66.'), Jessica Julin, Camilla Ulander Nilsson, Kacey White, Ingrid Bohlin - Laura Kalmari
Umeå:
Carola Söberg - Anna Paulson, Karolina Westberg, Emma Berglund, Maria Bergkvist - Lisa Dahlqvist, Elaine, Lise Klaveness - Ramona Bachmann (Erika Karlsson, 74.'), Madeleine Edlund, Marta
Referee:
Marie-Louise Svanström, Trollhättan
Zuschauer: 1310
Tore:
0:1 Marta 10.'
0:2 Marta 14.'
0:3 Madeleine Edlund 40.'
1:3 Laura Kalmari 47.'
2:3 Frida Höglund 53.'
3:3 Frida Höglund 80.'
3:4 Marta 87.'
Gelb:
Ingrid Bohlin, AIK; Ramona Bachmann, Umeå
Zur Schwedenseite
Zur FanSoccer-Startseite
|