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30.09.2011
Bericht von Marion Kehren
Eine schlagfertige Truppe schickt der Verein dieses Jahr ins Rennen, um vor allem in der UEFA Champions League möglichst weit zu kommen. (Foto: WFC Rossiyanka)
Fast könnte man meinen der WFC Rossiyanka wäre ein Retortenprodukt. In den letzten Jahren katapultierte sich der Club an die Spitze der russischen Frauenfußball-Liga, lediglich zwischenzeitlich gestoppt durch Zevzda 2005 Perm. Aber auch im internationalen Bereich marschiert der Verein munter weiter! Erst diese Woche spielte Rossiyanka das Hinspiel im Sechzehntelfinale der Champions League gegen Twente Enschede und gewann mit 0:2, das erreichen des Achtelfinals ist daher wohl nur noch Formsache.
Der dreifache Russische Meister und fünffache Pokalsieger, 50km vor den Toren von Moskau gelegen, schickt sich seit geraumer Zeit an, gute europäische Spielerinnen in den Osten zu locken. Angeblich bieten die Unterhändler aus Russland bis zu 5.000 € netto (!!!) pro Monat an die westlichen Spielerinnen, falls diese nach Russland wechseln. Man soll sogar WPS-Spielerinnen Angebote gemacht haben. Erst kürzlich wurde Nationalspielerin und Topstürmerin Inka Grings mit dem Club in Verbindung gebracht, entschied sich aber dann doch beim FC Zürich auf Torejagd zu gehen.
Erst vor wenigen Wochen gab der schwedische Erstligist Umeå IK den Wechsel von Nationalspielerin Sofia Jakobsson bekannt. Die 21-Jährige wechselte für eine horrende Ablösesumme zum russischen Meister und unterschrieb einen Vertrag bin Juni 2012. „Für uns ist die hohe Ablösesumme eine historische Angelegenheit. Meines Wissens nach hat es im Frauenfußball noch keine Ablösesumme dieser Art gegeben. Gleichzeitig ist es natürlich schade, dass wir eine so tolle Spielerin wie Sofia Jakobsson verlieren, aber Sofia wollte diese Chance nutzen und wir wollten sie in ihrer weiteren Entwicklung unterstützen, “ sagte Umeås Sportdirektor Niklas Westman.
„Es war eine sehr schwere Entscheidung und ich musste diese genau abwägen. Aber ich wollte unbedingt die Chance nutzen in der kommenden Saison in der Champions League zu spielen. Es ist eine große Herausforderung für mich, fußballerisch wie persönlich, “ äußerte sich Sofia Jakobsson der Homepage von Umeå IK. Neben Jakobsson ist auch seit einiger Zeit Charlotte Rohlin im Gespräch. Die Schwedin, zurzeit noch bei Linköpings FC unter Vertrag, muss sich bis spätestens zum Ende der schwedischen Liga entscheiden, ansonsten verlängert sich ihr Vertrag automatisch um ein weiteres Jahr beim Verein. Und Rossiyanka investiert weiter. Nicht weniger als drei Brasilianerinnen stehen bereits unter Vertrag.
Das Russland ein Abenteuer der besonderen Art ist, davon kann Duisburgs Neuzugang Petra Hogewoning ein Liedchen singen. Die Niederländerin spielte von Juli 2010 Juli 2011 beim russischen Club Zevzda 2005 Perm, entschied sich aber dann doch wieder in westliche Gefilde zu wechseln. „Die sportlichen Bedingungen sind klasse, aber ohne Sprachkenntnisse und ohne jegliche soziale Kontakte ist es schon schwer dort zu leben. Letztendlich fehlte mir auch mein persönliches Umfeld und darum habe ich letztendlich auch wieder gewechselt, “ so die niederländische Nationalspielerin. Trainerin Eli Landsem sollte und wollte eigentlich, nach dem unstrittenen Bjarne Berntsen, für einen neuen Führungsstil sorgen. Der unbestreitbare Erfolg aber hatte zuletzt Berntsen mit dem Erreichen des Halbfinals bei der EM 2009 in Finland, während Landsem lediglich mit dem schlechten Abschneiden bei der diesjährigen WM "glänzen" kann. Nun läuft man gar Gefahr das nächste Turnier in Schweden gänzlich zu verpassen.
Einer der größten Fürsprecher des Clubs ist kein geringerer als Boris Gromow, russischer Veteran und Gouverneur von Moskau. Er verfügt mit Sicherheit über die geschäftlichen Beziehungen, um genügend Geld in den Frauenfußball zu pumpen. Und noch ein alter Bekannter arbeitet seit Juli diesen Jahres bei Rossiyanka: Farid Benstiti! Der ehemalige Fußballspieler und Chefcoach des französischen Meisters Olympique Lyonais und neuer Nationaltrainer Russlands unterschrieb erst vor wenigen Wochen einen Vertag als Technischer Direktor. Benstiti soll die Belange und das Engagement von Rossiyanka mit seinem Know-How unterstützen und professionalisieren.
Aber auch andere russische Vereine haben längst den Westen für sich entdeckt. So spielt bei Zvezda 2005 Perm bereits mit María Ruiz eine spanische Stürmerin. Die Angreiferin wurde zuletzt mit einem Last-Minute-Wechsel zum Bundesligisten FCR 2001 Duisburg in Verbindung gebracht, aber der Transfer scheiterte aufgrund von diversen Unstimmigkeiten der Vereine im letzten Augenblick. Beim Ligakonkurrenten FC Energy Voronezh hat man die Zeichen der Zeit wohl etwas eher erkannt. Hier setzt man bereits seit einiger Zeit auf westliche Unterstützung. Neben Adriana Parente aus Brasilien spielen hier mit Amanda Baker, Emily Binn, Jenny Bell und Sherri Nishikawa gleich vier Amerikanerinnen in dem Team. Wenn man sich die Entwicklung der russischen Vereine anschaut könnte man fast glauben es würden die Geflogenheiten aus den Anfängen der WPS kopiert…
Aber die Russen können auch anders. Um Werbung für mehr männliche Zuschauer zu machen absolvierten die Kickerinnen von Rossiyanka Ende Juni ein ganz „besonders Foto-Shooting“. Auf dem Rasen ihres knapp 5.000 Zuschauern fassendem Stadions posierten die Spielerinnen in knappen Bikinis. Und erst kürzlich standen sie in schicker Abendgarderobe wieder vor der Kamera. Wenn man nach Russland wechselt, muss man anscheinend damit rechnen, dass nicht nur die Buchstaben anders aussehen. :-))))
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