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Norwegen, Toppserien

Kolbotn gelang die Revanche

Kolbotn IL – Røa IL Oslo 3-0 (0-0)

Text und Bilder von Michael Geist

01.05.2010   Das Derby zwischen den alten Rivalen aus Oslo ist immer wieder eine besondere Angelegenheit. Im letzten Jahr konnte Røa IL Meisterschaft und Pokal erringen und Kolbotn auf den dritten Platz verweisen, der den langjährigen UEFA-Cup Teilnehmer am internationalen Wettbewerb vorbei gehen ließ. Doch nun startet Kolbotn deutlich besser in die Saison als Røa und unterstrich dies durch einen am Ende klaren 3:0 Derbysieg.

Beide Teams haben neue Gesichter bekommen. Nach dem Saisonende verließen drei Fußballerinnen Røa IL Oslo, gleich drei weitere starke Akteurinnen sind derzeit schwanger. Im Winter hatte aber auch Kolbotn IL acht hochkäratige Spielerinnen verloren, hatte aber viele junge, talentierte Spielerinnen (Durchschnitt 20,3 Jahre) gewonnen.

 Guro Knutsen Mienna (li.), Andrine Hegerberg

Guro Knutsen Mienna (li.) bewacht von Andrine Hegerberg, eine 16-jährige sehr talentierte Jugendspielerin von Kolbotn IL, die sich gut gegen die "alten Häsinnen" im Team von Røa behaupten konnte

Bei herrlichen Wetter in Kolbotn/Süd-Oslo war das Spiel zu Beginn recht ausgeglichen. Kolbotn wirkte schneller als der Gegner aus dem Westen Oslos, passte aber viel zu ungenau auf die mitgelaufenen Angriffsspielerinnen, während die Gäste nicht gefährlich vors gegnerische Tor kamen. Der amtierende Meister ist im momentan nicht so stark wie im vergangenen Herbst. Im Viertelfinale der Champions-Women-League 2009/2010 waren die hohen Niederlagen gegen den deutschen Meister 1. FFC Turbine Potsdam für Insider nicht überraschend. Es zeichnete sich bereits ab, dass der norwegische Meiter ohne die sechs fehlenden Stammspielerinnen Probleme bekommen würde.

Trotzdem dauerte es bis zur 20. Minute, bis die Gastgeber die erste richtige Chance hatten: Nach einer schönen Flanke von Ingvild Isaksen köpfte die englische Angriffsspielerin Rebecca Angus knapp am linken Toreck vorbei. Danach wogte das Spiel hin und her. Auch Røa kam nun zu Chancen, die beste hatte Elise Thorsnes, die mit einem Hammer-Schuss das Außennetz traf. Diese Gelegeneheit hatte sie selbst mit einem weiten Einwurf auf Anne Vikre vorbereitet, die den Ball clever auf die von der Seitenlinie in den linken Strafraumwinkel eilende Thorsnes zurückgab.

Line Smørsgåard vs. Runa Vikestad

Dieses Archivbild zeigt Line Smørsgåard (li.) noch im Trikot von Klepp, von wie sie diese Saison zu Kolbotn wechselte. Smørsgåard war an allen drei Toren beteiligt, zwei Treffer erzielte sie selbst und einen bereitete sie vor. Rechts im Bild, damals noch als Gegnerin, Kobotns Innenverteidigerin Runa Vikestad, übrigens eine vorbildliche Fußballerin, die mit ihrer Mannschaft vom norwegischen Fußballbund und der norwegischen National-Lottery mit dem Fair-Play-Preis 2009 geehrt wurde.

Auch an der nächsten großen Chance für Røa war Thorsnes beteiligt. Steil angespielt von Verteidigerin Hedda Strand Gardsjord ging sie im Strafraum an zwei Abwehrspielerinnen vorbei und flankte flach nach links auf die freistehende Emilie Haavi. Diese schoss aus sechs Metern, doch die Rechtverteidigerin Cecilie Liane blockte reaktionsschnell ab.

In den zehn Minuten vor der Pause schockierten dann gleich zwei Verletzungen den amtierten Meister. Als Anne Vikre das Leder von Mari Romstad Stavne erobern wollte, verdrehte sie sich ihr linkes Knie. Sie wird wahrscheinlich


Kolbotn Jubel

Die Spielerinnen von Kolbotn bejubeln hier den Treffer zum 2-0. Am Ende gab es im Oslo-Derby gegen den Meister Røa sogar ein 3-0 zu feiern

länger ausfallen. Für sie kam ein Neuzugang, Angriffsspielerin Kine Kvalsvik. Doch das Pech wollte es, dass auch sie bereits acht Minuten später verletzt ausscheiden musste, da die finnische Nationalkeeperin Tinja Riikka Korpela mit ihr extrem zusammengestoßen war - Keine Absicht von Korpela, aber Kvalsvik fällt mit einem Rippenbruch mindestens 4-6 Wochen aus. Nun sah der Kader aus West-Oslo sehr dünn aus.

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Anne Vikre erlitt eine schwere Knieverletzung. Stine Andreassen (rechts) tröstete sie

Es ging torlos in die Pause, doch schon drei Minuten nach dem Seitenwechsel gelang den nun drückenden Spielerinnen aus Kolbotn der erste Treffer: Line Smørsgård nahm die Kugel von der wohl noch im Halbzeit-Tiefschlaf befindlichen Røa-Mittelfeldspielerin Marthe B. Johansen weg, dribbelte sich von links durch das Mittelfeld und passte auf die vorbeigelaufene Hanna Haanes. Die setzte sich rechts außen durch und flankte flach in die Mitte auf die freigelaufene Smørsgård zruück, und diese schoss volley in den linken Gäste-Torwinkel.

Danach war die Heimmannschaft spielerisch besser als in der ersten Halbzeit und gab es noch ein paar Möglichkeiten, um auf 2-0 zu erhöhen, aber man vergab die Chancen mal wieder leichtfertig. Die Spielerinnen von Røa wurden gegen die geschlossene Mannschaftsleistung von Kolbotn von Minute zu Minute unsicherer. Einzig Nationalspielerin Guro Knutsen Mienna machte noch Druck nach vorn und hätte sogar fast das Ausgleichstor vorbereiten können: Die 25-Jährige zog auf der rechten Seite vorbei und flankte in den Strafraum, doch Celine Pettersen scheiterte mit einem Volleyschuss aus fünf Metern an der finnischen Keeperin.

Røa wechselte Pettersen aus und warf alles nach vorne. Elise Thorsnes rückte auf Pettersens Position in den Angriff, Emilie Haavi und Guro Knutsen Mienna gingen ebenfalls in die Spitze. Doch Kolbotns Abwehr stand gut, wobei besonders die Zweikampfstärke der erst 17-jährigen Anja Sønstevold ein Extralob verdient hat.

Anja Sønstevold

Kolbotn gewann das Spiel mit Hilfe einer starken Abwehr, woran die 17-jährige Anja Sønstevold mit ihrer Zweikampfstärke großen Anteil hatte


In der 74. Minute machte Kolbotn den Sack zu. Nach einer Flanke von Isaken wehrte eine Abwehrspielerin mit dem Kopf schlecht ab, Smørsgård kam an den Ball und schoss ihn knallhart aus zehn Metern unter die Latte. Røas Keeperin Caroline Knutsen hatte keine Chance.

Kolbotn drückte weiter und erspielte sich einige gute Torraumszenen. Schon kurz nach dem zweite Tor von Smørsgård hätte diese sogar noch ein drittes schießen können, doch die junge Linksverteidigerin Martine Minge Olsen köpfte erst einen Eckball von Isaksen von der Torlinie und blockte dann den Nachschuss der wieder am schnellsten reagierenden Smørsgård noch ab.

Hedda Strand Gardsjord vs. Rebecca Angus

Røas Rechtverteidigerin Hedda Strand Gardsjord (li.) im Laufduell mit Kolbotns englischer Angriffsspielerin Rebecca Angus, die zum 3-0 für ihren Klub traf

In den letzten Minuten versuchten die Meisterinnen, das Spiel noch einmal zu drehen und die erste Saisonniederlage abzuwenden. Doch alles Anrennen war vergebens, die Kolbotn-Abwehrkette stand noch stabil. Es kam sogar noch schlimmer für Røa. Smørsgård eroberte noch einmal das Leder von der wieder patzenden Marthe B. Johansen, bediente ihre englische Angriffskollegin Rebecca Angus, die an der ihr entgegen kommenden Keeperin vorbei zum 3-0 einschoss.
Nach dem Schlusspfiff jubelten also die Süd-Osloerinnen, denen die Revanche für die unglückliche Meisterschaftsniederlage vom vergangenen Herbst gelang.



Kolbotn IL:
Tinja Rikka Korpela – Cecilie Liane, Runa Vikestad, Anja Sønstevold, Mari Romstad Stavne – Ingvild Isaksen, Camilla Christensen, Andrine Hegerberg (Heidi Valø, 89.Min), Hanna Haanes (Ann Mari Dovland, 70.Min.) – Rebecca Angus, Line Smørsgåard

Røa IL Oslo:
Caroline Knutsen – Hedda Strand Gardsjord, Siri Nordby, Elise Thorsnes, Martine Minge Olsen – Guro Knutsen Mienna, Marthe B. Johansen, Stine Andreassen – Anne Vikre (Kine Kvalsvik, 39.Min., Ada Finskud, 46.Min.), Celine Pettersen (Ingrid Sødenø, 62.Min.), Emilie Bosshard Haavi

Tore:
1-0 Line Smørsgåard 48.Min
2-0 Line Smørsgåard 74.Min
3-0 Rebecca Angus 88.Min.

Gelbe Karten: keine

Schiedsrichterin: wird nachgereicht

Zuschauer: 356


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