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Frauenfußball international

Die Grande Dame des niederländischen Frauenfußballes tritt ab

Zum Rücktritt von Vera Pauw als Nationaltrainerin der Niederlande

Text von Marion Kehren
Bilder von Katrin Müller

29.03.2010   Zugegeben, für Insider war die Reaktion von Vera Pauw nicht ganz überraschend, als sie Mitte der Woche ihren Rücktritt als Cheftrainerin der niederländischen Frauennationalmannschaft verkündete. Schlussendlich zog die Grande Dame und Fußball-Pionierin des niederländischen Frauenfußballes die Konsequenzen aus einem intensiven Streit mit dem KNVB - Koninklijke Nederlandse Voetbal Bond. Für Außenstehende scheint der Rücktritt völlig unverständlich. Doch was genau steckte wirklich dahinter?

Vera Pauw war und ist das Aushängeschild des niederländischen Frauenfußballes und mit dafür verantwortlich, dass 2007 in den Niederlanden eine eigene Frauen-Ehrendivision gründete wurde. Ihre Karriere startete die 1963 in Amsterdam geborene Pauw als Abwehrspielerin bei SV Brederodes und VV Vreeswijk. 1996 wechselte sie als erste niederländische Fußballspielerin, mit einem Profivertrag ausgestattet, ins europäische Ausland zum italienischen Erstligisten CF Modena. Nach ihrer Rückkehr spielte sie noch einige Jahre für Puck Deventer und Saestum. In den 15 Jahren ihrer Spielerinnentätigkeit bestritt Pauw 89 Länderspiele. Während dieser Zeit arbeitete sie außerdem schon für den niederländischen Fußballverband im Mädchen- und Frauenfußball.

Nach dem Ende ihrer aktiven Karriere übernahm die rastlose Pauw den Trainerposten bei der schottischen Frauen-Nationalmannschaft und führte das damals zweitklassige Team immerhin bis in die Hauptqualifikationsphase zur Europameisterschaft 2005. 2004 wechselte sie aus Schottland zurück in ihr Heimatland und übernahm den Chefposten als Bondscoach der niederländischen Frauen. Die Erfolge, die sie bis dato mit dem Team erzielte, sind weitgehend bekannt. Highlight ist mit Sicherheit das Erreichen des Halbfinales bei der Europameisterschaft 2009 in Finnland, als man sich letztendlich erst gegen England geschlagen geben musste. Pauw lebt und liebt den Frauenfußball und ist seit 2003 Mitglied der FIFA und zuständig für Technik und Entwicklung und zudem seit 2007 im UEFA-Frauenausschuß.


Nach der erfolgreichen EM-Teilnahme und der Zusicherung des Halbprofitums für die Spielerinnen folgte, aus Sicht von Vera Pauw, der erste Dämpfer. Der KNVB entzog ihr einige Kompetenzen, die auf die Marketingabteilung delegiert werden sollten, die Situation drohte zu eskalieren. So berichtete Pauw im Februar dieses Jahres in einem Interview mit der niederländischen Zeitung NRC Handelsblad über die z. T. unbefriedigenden Zustände innerhalb des Verbandes und forderte mehr Einfluss auf den Frauenfußball. „Ich bin verzweifelt. Mein Lebenswerk droht auseinander zu fallen", so Pauw in diesem sehr persönlichen Interview. Sie hatte schlichtweg Angst, dass mit der Einführung neuer Strukturen im KNVB der Frauenfußball nicht weiter vorangetrieben werden würde, sondern die Entwicklung aufgrund Unerfahrener zum Erliegen kommen würde. Durch die Zwischenschaltung verschiedener Hierarchiestufen befürchtete Pauw, dass eine reibungslose Kommunikation nicht mehr gewährleistet werden könnte. Ruud Bruijnis, Direktor des KNVB Amateur-Fußballes, reagierte äußerst aufgebracht über den Schritt Pauws, an die Öffentlichkeit zu gehen, und war zu keiner weiteren Aussage bereit ... daraufhin drohte die Trainerin mit Rücktritt.

Nach der Teilnahme ihres Teams am „Cyprus-Cup” schien es zuerst, als hätten sich die Wogen geglättet, doch war dies wohl eine Fehleinschätzung; denn hinter den Kulissen brodelte es kräftig weiter. Auf der eigens zum WM-Qualifikationsspiel gegen die Slowakei einberufenen Pressekonferenz ließ Pauw am 25. März 2010 die Bombe platzen. „Die Slowakei ist ein wichtiger Gegner. Es mag seltsam klingen, aber für mich ist es ein besonderer Gegner. Dies wird das letzte Spiel sein, das ich als Trainerin der Niederlande bestreiten werde. Ich nutze die Option der einmonatigen Kündigungsfrist in meinem Vertrag und werde mein Traineramt niederlegen. Für manche mag es unerwartet kommen, aber in den letzten Wochen hat sich mein Eindruck verstärkt, dass der Verband und ich uns in verschiedene Richtungen entwickelt haben. Ich muss akzeptieren, dass ich nicht immer mein Recht bekommen werde und ziehe daher meine Konsequenzen, das Team hat es verdient, dass man mit vollem Engagement hinter ihnen steht und dies kann ich zurzeit nicht erfüllen,” so eine gefasste Vera Pauw.

Ihr letztes Spiel als Trainerin der niederländischen Frauen-Nationalmannschaft wird die Pionierin also am 1. April 2010 im Rückspiel gegen die Slowakei bestreiten. Fansoccer wünscht Vera Pauw für die Zukunft alles Gute!



Zum FanSoccer-Interview mit Vera Pauw vom 12.06.2006

Zum FanSoccer-Interview mit Vera Pauw vom 11.08.2009

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