Interview mit Louise Hansen

Von China total begeistert

Die dänische Nationalspielerin im Gespräch

Von Volker Lieberum

27.2.2005    Die Dänin Louise Hansen, Mittelfeldspielerin des 1. FFC Frankfurt, gehört mit 71 Länderspielen zu den erfahreren Spielerinnen des dänischen Teams. Anfang Februar war sie mit der Nationalmannschaft zu zwei Testspielen in China.
FanSoccer sprach mit ihr nicht nur über ihre Eindrücke in Fernost.
FanSoccer: Hej Louise, mit der dänischen Mannschaft wirst du ja noch zur Weltenbummlerin. War es dein erster Aufenthalt in China?

Louise: Ja, es war mein erstes Mal in China… und ganz ehrlich - es war großartig!

Wie bis du mit dem Ausgang der Testspiele, zweimal Unentschieden, zufrieden?

Wir sind mit den Ergebnissen sehr zufrieden, obwohl wir – finde ich - zumindest im zweiten Spiel einen Sieg verdient hätten. Es waren zwei sehr spannende Spiele, die unsere guten Ergebnisse und die positive Entwicklung der Mannschaft vom letzten Halbjahr noch mal untermauerten.

Erzähle uns ein paar Eindrücke von Fernost.

China ist wirklich ein mysteriöses Land und obwohl wir aufgrund der vielen Trainingseinheiten wenig Freizeit zur Verfügung hatten, konnte ich einige interessante Eindrücke sammeln. Ich habe mir viele Dinge ganz anders vorgestellt und bin wirklich dankbar, dass ich für eine kurze Zeit in die geheimnisvolle Welt der Asiaten reinschnuppern durfte.

Mein allererster Eindruck ….
Als wir nach ca. 25 Stunden Reise - mit Wartezeit - endlich in Shanghai ankamen, wurden wir vom kleinsten Bus, den ich je gesehen habe, abgeholt. Wir hatten noch eine 3-stündige Busreise vor uns, waren alle total kaputt und hatten uns eigentlich darauf gefreut, im Bus ein bisschen Schlaf nachholen zu können … keine Chance – wir saßen wie die Hühner auf der Stange, und waren alle erleichtert als die Tür zugemacht wurde, und wir niemanden aus der Mannschaft am Flughafen zurücklassen mussten… übrigens – hier ein kleiner Tipp … wer sich mit Stoßdämpfern auskennt, sollte überlegen den Firmensitz nach China zu verlegen … das wäre, glaube ich, eine Goldgrube - eine echte Marktlücke!

Wir sind ca. 300 km mit ca. 20 Personen in einem „PKW-ähnlichen“ Bus gefahren, und haben uns bei jedem Hubbel die Köpfe an der Decke des „Busses“ gestoßen …

Selbst wenn die Transport- bedingungen besser gewesen wären, hätte mit Sicherheit keiner ein Auge zugemacht, denn jeder hatte irgendwie an diesem ersten Tag das Bedürfnis dem „Bus“fahrer bei seiner Arbeit zu helfen … Wer behauptet, dass in Paris ein Verkehrschaos herrscht, sollte mal China erleben … UNGLAUBLICH! Aber aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass man sich daran gewöhnt.

Nach drei Tagen haben wir den „Bus“fahrer seinen Job ganz alleine ausführen lassen, und wir fühlten uns einigermaßen sicher.

Mir ist auch aufgefallen, dass die meisten Chinesen, zumindest diejenigen, denen ich in der Stadt begegnet bin, überhaupt keine Geduld haben – es wird ständig

Louise Hansen in Aktion für den FFC Frankfurt

Bild: Volker Lieberum

gehupt, es wird in einer sehr hohen Tonlage miteinander kommuniziert und man bekommt ein bisschen das Gefühl, dass der Alltag in China sehr stressig ist.

Sollte man jetzt das Gefühl bekommen haben, dass ich die Chinareise nicht genossen habe und meine Empfindungen und Eindrücke vielleicht bisher eher negativer Art waren, dann ist dies falsch rüber gekommen!

Die Kultur und das Land an sich haben mich wissbegierig gemacht und ich würde auf jeden Fall – sollte sich eine Gelegenheit ergeben – wieder nach China fahren. Die Chinesen sind unglaublich freundlich gewesen, - sie haben alles getan, was in ihrer Macht stand, um unseren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Man hat von Anfang an das Gefühl gehabt, dass sie stolz waren, uns als Gäste zu haben – Eine ähnliche Gastfreundlichkeit habe ich selten erlebt.

Ich glaube, dass es wichtig ist, offen für fremde Kulturen zu sein und die Eindrücke anderer Länder schätzen zu lernen. Die Wertvorstellungen oder auch der Lebensstandard sind sicherlich anders als in Europa, aber die acht Tage in Asien haben mich wirklich beeindruckt.

Hatte ihr Kontakt zu der chinesischen Mannschaft?

Ja, ein bisschen !
Einen Tag nach dem ersten Länderspiel wurde für die Ersatzspielerinnen ein inoffizielles 7 gegen 7 Länderspiel organisiert.


(Endergebnis übrigens 2:2, also wieder ein Unentschieden). Ich habe mir an der Seitenlinie mit ein paar Mitspielerinnen die Lungen aus dem Hals geschrien, um die chinesische „Anfeuerungsgarde“ zu übertreffen.

Am letzten Abend haben wir gemeinsam mit der chinesischen Mannschaft zu Abend gegessen – allerdings natürlich auch sprachlich bedingt, ohne größer mit ihnen in Kontakt zu kommen. Die chinesischen Spielerinnen sind relativ schnell verschwunden – sie wollten wohl nach Hause! (Kein Wunder bei nur 20 freien Tagen im Jahr – dies wurde uns aus offizieller Seite anvertraut … unglaublich !!!!!!!

Alice, unsere Korrespondentin aus China, möchte gerne wissen, welche chinesische Spielerin dich während der beiden Spiele gegen China am meisten beeindruckt hat?

Ich fand die Spielerin mit der Nummer 10 (Tong Zhang) die stärkste. Schnell, technisch versiert, laufstark, torgefährlich. sie hat übrigens im 2. Spiel auch den Anschlusstreffer zum 1:1 gemacht.

Wie unterschied sich das Essen dort vom Chinesen hier in Deutschland?

Ich bin ein absoluter Fan der chinesischen Küche … in Deutschland. Ich habe mir viele Dinge anders vorgestellt – muss gestehen, dass mir die chinesische Küche in Deutschland wesentlich besser gefällt – weiß immer noch nicht genau woran das lag.

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