Interview von Marion Kehren
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29.01.2010
Die 22-jährige Stephanie Mazen Al Naber ist der Stolz eines ganzen Landes. Die Nummer 8 im Nationaltrikot ist die erste und bis dato einzige jordanische Spielerin, die in einer ausländischen Liga kickt und zudem über einen Profivertrag verfügt. Seit knapp einem Jahr steht die Mittelfeldspielerin in den Diensten des dänischen Meisters und Pokalsiegers Fortuna Hjørring. Trainer Flemming Nielsen war voll des Lobes und glücklich, als es seinem Verein 2009 gelungen war, das junge Talent vertraglich zu binden.
„Seitdem ich mit dem Fußballspielen anfing, war es immer mein Traum, in Europa als Profispielerin kicken zu können. Ich habe extrem hart für diesen Traum gearbeitet, desto glücklicher bin ich jetzt, dass ich es geschafft habe,” so die sympathische Jordanierin.
 Das Offizielle Spielerinnenfoto von Stephanie Mazen Al Naber
Bild: Fortuna Hjørring
Wie wurde Fortuna Hjørring auf dich aufmerksam? Und wie ist es zu diesem Wechsel gekommen?
Das war purer Zufall! Letztes Jahr haben wir mit der Nationalmannschaft an einem Turnier in den Emiraten teilgenommen. Im Team der Emiratis spielte zu diesem Zeitpunkt eine Australierin namens Heather, die früher bei Hjørring gekickt hatte. Sie fragte mich, ob ich daran interessiert wäre, im europäischen Ausland zu spielen. Natürlich habe ich nicht nein gesagt, schließlich habe ich lange auf so eine Chance gewartet. In diesem Augenblick war mir auch völlig egal, wohin es mich verschlagen würde, ich wollte auf diese Erfahrung nicht verzichten.
 Stephanie freute sich riesig auf den Auftritt beim Turnier in Jöllenbeck
Bild: Tom Schlimme
Wie ging die Geschichte weiter?
Im November 2008 absolvierte ich einen Probemonat in Dänemark, das war ganz witzig und spannend. Danach flog ich unverhoffter Dinge wieder nach Hause. Im Februar 2009 wurde ich vom Verein eingeladen, mit dem Team in die Türkei ins Trainingslager zu reisen. Hier erhielt ich dann auch vom Trainer Flemming Nielsen die Nachricht, dass Fortuna Hjørring an mir interessiert wäre und sie boten mir einen Jahresvertrag an. Ich konnte mein Glück kaum fassen! Das Trainingslager selber war sehr anstrengend. In einer Woche absolvierten wir 7 Trainingseinheiten plus diverse Spiele gegen hiesige Vereine und gegen die Schweiz.
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Haben sichtlich Spaß beim Weltklasseturnier 2010 in Jöllenbeck, Stephanie mit Teamkollegin Chi Igbo (Nigerianische Nationalspielerin)
Bild: Tom Schlimme
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 Stephanie (oben dritte von rechts mit der 8) mit der Nationalmannschaft Jordaniens. Einen Bericht über den Frauenfußball in Jordanien haben wir - u.a. mit der Unterstützung von Stephanie - vor kurzem veröffentlicht: >> Jordanien, die Nummer eins im arabischen Raum
Bild: Privatarchiv Stephanie Mazen Al Naber
Bis dato hattest du wenige Einsätze in der höchsten Spielklasse bei Fortuna. Wie hältst du dich fit und wie bekommst du mehr Spielpraxis?
Ich trainiere bei der ersten Mannschaft und falls ich am Spieltag nicht zum Einsatz komme, spiele ich auf jeden Fall in der zweiten Mannschaft. So ist auf jeden Fall gewährleistet, dass ich weiter Spielpraxis sammeln kann.
 Stephanie im Nationaltrikot während der letzten Indoorspiele
Bild: Privatarchiv Stephanie Mazen Al Naber
Was machst du eigentlich wenn du nicht mit dem Fußball beschäftigt bist? Studierst du, gehst du einer beruflichen Tätigkeit nach oder ist das ein Fulltimejob bei Fortuna?
Nein, ich studiere an der Universität Aalborg Betriebswirtschaft. Normalerweise bin ich von 9 – 14 Uhr an der Uni und nach einer kurzen Pause geht es dann zum Training, außer Mittwochs, da haben wir frei. An den Wochenenden haben wir unsere Ligaspiele und in meiner Freizeit bin ich viel in der Stadt unterwegs und treffe mich mit Freunden.
Gibt es einen Unterschied zwischen dem dänischen und dem jordanischen Fußballspielen?
Oh ja, eine ganze Menge! Fortuna Hjørring ist nun einmal ein Spitzenclub und das merkt man schon ziemlich deutlich. Angefangen mit den intensiven Trainingseinheiten für Kraft und Ausdauer, dazu noch Spielpraxis und natürlich die dänische Liga nicht zu vergessen. In Jordanien trainieren wir zwar auch 5-6 in der Woche, aber die Qualität ist eine andere. Man darf aber nicht vergessen, dass in Jordanien der Frauenfußball erst 2005 etabliert wurde und damit noch ziemlich am Anfang steht, die Anforderungen sind noch ganz andere, obwohl wir im arabischen Raum bereits die Nummer 1 sind.
Und was hat deine Familie dazu gesagt? Schließlich kommst du aus einem moslemischen Land oder gab es keine Probleme?
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Meine Familie ist der Grund, dass ich so weit gekommen bin. Ohne ihre Unterstützung hätte ich dies nie erreichen können. Natürlich war es schwer für sie und auch für mich, so weit weg zu gehen, schließlich war ich das erste Mal so richtig lange von meiner Familie getrennt. Es ist für uns alle eine Herausforderung und ich lebe diesen Traum seitdem ich klein war. Meine Familie unterstützt mich wo sie nur kann.
 Die quirlige Mittelfeldspielerin läßt sich so leicht von keinem aufhalten
Bild: Privatarchiv Stephanie Mazen Al Naber
Was sind jetzt deine nächsten Ziele?
Nun, ich werde versuchen weiter hart an mir zu arbeiten und nach Möglichkeit ein weiteres Jahr beim Verein zu bleiben. Mein Vertrag läuft am 13. Juni aus, bis dato haben wir noch nicht über eine Verlängerung gesprochen. Auf jeden Fall will ich in Europa bleiben. Hier kann ich viel mehr lernen und solange es mir möglich ist will ich dies auch nutzen. Das, was ich hier in dem einen Jahr in Dänemark erlernt habe, ist weit mehr als das, was sie mir in Jordanien beibringen können. Wenn ich irgendwann einmal aufhören sollte, werde ich versuchen eine Anstellung in der Sportindustrie zu bekommen, oder als Trainerin zu arbeiten, aber ich hoffe, dass dies noch ein paar Jahre dauern wird.

 Noch zwei Bilder vom Hallenturnier in Jöllenbeck: Oben Stephanie im Zweikampf mit Lena Goeßling vom SC 07 Bad Neuenahr, unten gegen Aneta Malinova von Sparta Prag
Bilder: Tom Schlimme
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