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Frauenfußball International

"Ich atme Fußball"

US-Nationaltrainerin Pia Sundhage im Gespräch

Von Nora Kruse

30.07.2008

Nach der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr wurde Pia Sundhage die erste ausländische Nationaltrainerin der Vereinigten Staaten. Das Team ist bereits in China, um sich auf das erste Spiel gegen Norwegen vorzubereiten. FanSoccer sprach in einem zweiteiligen Interview mit der Schwedin über ihre ersten Monate in den USA und Olympia.

Sie sind seit acht Monaten in den USA, was sind Ihre ersten Eindrücke?
Es gibt hier eine große Historie des Gewinnens. Jeder hat große Erwartungen hinsichtlich der Ergebnisse und spricht über Tore und Erfolg. Das spornt an.

Unterscheidet sich das von zuvor gemachten Erfahrungen?
Ja, denn hier geht es um eine Nationalmannschaft, die wirklich bei jedem Turnier erfolgreich abgeschnitten hat. Die Spielerinnen haben es quasi im Blut und denken, dass sie alles gemeinsam schaffen können.

Immer motiviert bis unter die Haarspitzen. Die US-Amerikanerinnen feiern jedes Tor wie einen Sieg.

Foto: Nora Kruse

Sie stießen wegen des Konflikts zwischen Torhüterin Hope Solo, Ex-Trainer Greg Ryan und der Mannschaft in einer schwierigen Situation zum Team. Wie haben Sie die Harmonie wieder hergestellt?
Ich war in der glücklichen Situation, nicht genau zu wissen, was vorgefallen war. Daher habe ich mir die Zeit genommen, vielleicht fünf verschiedenen Ansichten zuzuhören und habe Leuten die Chance gegeben, mir zu erzählen, was ihrer Meinung nach passiert und was wichtig war. Im Anschluss habe ich zwei Fragen gestellt. ‚Wollt Ihr gewinnen?’ Jeder beantwortete dies mit ‚ja’. Also habe ich erklärt, dass wir dafür zwei gute Torhüterinnen bräuchten und gefragt, ob sie mir zustimmen würden, dass wir die hätten. Als auch hier Zustimmung kam, meinte ich, dass ich nicht erwarte, dass sie vergessen, was vorgefallen war. Es sei aber an der Zeit, weiterzumachen, damit umzugehen und aus den Erfahrungen zu lernen.

Was haben Sie im Anschluss im Spiel umgestellt?
Wir haben über Veränderungen


Jillian Ellis, Pia Sundhage

Mit akribischer Arbeit zum Erfolg. Seit acht Monaten sind Pia Sundhage (r.) und Jillian Ellis beim US-Team in der Verantwortung.

Foto: Nora Kruse

gesprochen. Zum einen im Angriff. Jede hat versucht, den Ball möglichst schnell zu Abby Wambach zu spielen. Ich wollte einen Rhythmus finden und das Tempo im Angriff diktieren. Sicherlich sollten wir irgendwann Abby finden, aber doch auch unvorhersehbarer spielen und verschiedene Angriffswege finden.
Es ging auch um die Defensive. Das Mittelfeld sollte mehr mit einbezogen werden, sodass wir kollektiv verteidigen, anstatt 1:1-Situationen ausgeliefert zu sein. Ich habe der Mannschaft dabei aber nie gesagt, dass irgendwas noch nicht gut genug sei und sie das doch besser könnten. Vielmehr wollte ich sie inspirieren und Feedback geben, um allen bewusst zu machen, wie sie spielen.
Von Anfang an habe ich betont, Spiele auf zwei verschiedene Weisen gewinnen zu wollen. In diesem Land geht es immer um Tore und Ergebnisse. Das ist gut, aber ich möchte auch den Respekt des Gegners und den der Zuschauer gewinnen.

Denken Sie, auch etwas „Schwedisches“ eingebracht zu haben?
Das ist vielleicht die Ruhe. Ich bin sehr organisiert, weiß, was ich will und bin geduldig – auf und neben dem Spielfeld. Typisch europäisch mag es sein, mir viele Spiele anzuschauen. Ich atme Fußball. Ich war in der ganzen Welt und schaue mir nicht nur den amerikanischen Fußball an.

Verglichen mit Europa, ist das System in den Vereinigten Staaten sehr unterschiedlich, es gibt keine Liga, keinen Pokal. Vor- oder Nachteil?
Zunächst denke ich, dass es im Fußball nicht so sehr um richtig oder falsch geht, sondern mehr um Vorlieben und das eigene Spielsystem. Die Nationalmannschaft hier hat vielleicht mehr von einer Vereinsmannschaft.


Rückblickend war es gut, dass die Spielerinnen zwischen 2001 und 2003 Vereine mit Teamkolleginnen hatten. Aber anschließend mussten sie ihr Denkweise verändern, genau wie ihre Erwartungen hinsichtlich ihres Spiels. Das ist schon ein Vorteil.
Auf der anderen Seite gibt es in Europa wöchentlich Spiele, es herrscht Wettbewerb. Das ist hier ein Schwachpunkt; wir brauchen regelmäßiger Spiele auf hohem Niveau. Es ist aber ein tolles Gefühl zu sehen, wie die Spielerinnen mit der Situation umgehen und versuchen, das Beste aus sich herauszuholen.

Ist die Arbeit in den Vereinigten Staaten denn eine größere Herausforderung? Sie waren zu Zeiten der Profiliga dort, jetzt trainieren Sie die Nationalmannschaft.
Ich war auch in China und habe in Schweden eine Mannschaft trainiert, die nicht zur Spitze gehörte. Solange es ein Team gibt, einen großen grünen Rasen und eine Mannschaft, die ein Ziel vor Augen hat und sich herausfordert, fühle ich mich wohl. Es ist eher zufällig, dass ich schon mal drei Jahre hier war und nun zurückgekehrt bin.

Also gehen Sie dorthin, wo Fußball und Herausforderung sind?
Ja, so würde ich das ausdrücken. Fußball ist mein Zuhause. Sicherlich fühlt es sich immer wieder gut an, nach Schweden zurück zu kehren, zu relaxen und den Fußball hinter sich zu lassen, um sich anderen Dingen zu widmen. Aber am Ende des Tages bin ich doch froh, den Fußball um mich zu haben.

Teil zwei: Olympia

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