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Frauenfußball International

"So viel mehr als eine Goldmedaille"

US-Nationaltrainerin Pia Sundhage im Gespräch

Von Nora Kruse

02.08.2008

Zum ersten Teil

Die nächste Herausforderung sind die Olympischen Spiele. Sie haben kürzlich zweimal gegen Brasilien gespielt. Welche Stärken, aber auch Schwächen, haben die Partien aufgezeigt?
Stark war, dass wir mit dem technischen Fußball der Brasilianerinnen umgehen konnten. Die Mannschaft hat geduldig gespielt und nicht ein Tor zugelassen. In der Verteidigung, insbesondere in der Viererkette, standen wir sehr gut, und schließlich haben wir gegen einen wirklich starken Gegner Tore geschossen.
Unsere Schwäche war allerdings, dass wir noch unvorhersehbarer spielen sowie Tempo und Richtung häufiger wechseln müssen. Auch ist die Bewegung ohne Ball entscheidend, und ich denke, dass wir das besser können.

Auf Abby Wambachs Soloaktionen müssen die USA bei Olympia verzichten. Die Ausnahmestürmerin erlitt vor zwei Wochen einen doppelten Beinbruch.

Foto: Nora Kruse

Im zweiten Spiel erlitt Abby Wambach einen Beinbruch und fällt für Olympia aus. Inwiefern verändert das die Vorbereitung?
Zunächst tut es mir für Abby unendlich leid. Sie ist auf und neben dem Feld immens wichtig für die Mannschaft, aber sie hat auf dem Weg zu Olympia eine entscheidende Rolle gespielt. Ich denke, dass jeder sie vermissen wird, selbst die Zuschauer im Stadion. Aber die Mannschaft wird eine Antwort finden – und es geht um die Mannschaft. Ich habe von Anfang an gesagt, dass es in unserem Spiel nicht um eine einzelne Spielerin gehen kann. Wir haben keine Mia Hamm, Kristine Lilly und Julie Foudy mehr. Daher steht das Team im Mittelpunkt, und jetzt bin ich sehr froh, diesen Ansatz gewählt und keine Spielerin herausgehoben zu haben. Stattdessen haben wir an unterschiedlichen Dingen im Angriff gearbeitet.

Die Olympischen Spiele in Peking sind ein sehr politisches Thema. Wird das in der Mannschaft diskutiert?
Am Anfang, als wir uns in Mexiko qualifizierten, wurden uns viele Fragen gestellt. Nicht nur über unsere Leistung, sondern auch


US-Nationalmannschaft

Siegerfotos gehören bei der US-Nationalmannschaft schon fast dazu - auch in Peking soll ein solches für die Fotoalben entstehen.

Foto: Nora Kruse

über die Politik. Es wird diskutiert, jeder hat sich seine Gedanken gemacht, dann aber beschlossen, teilzunehmen und der Kultur zu begegnen. Ich persönlich habe diese Entscheidung im vergangenen Jahr gefällt, als ich nach China zog, um die Nationalmannschaft zu trainieren. Es geht nicht nur um Politik, sondern auch um die Umwelt, die Verschmutzung und so weiter. Und das ist gut, die Menschen müssen darüber reden.

Denken Sie, die Erfahrungen aus Ihrer Zeit in China helfen in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele?
Absolut. Ich bin mit dem Umfeld vertraut und weiß, wie die Menschen denken und reden. Für mich ist das ein großer Vorteil. Die Spielerinnen waren bislang jedes Jahr in China. Es ist gut, diese Erfahrungen zu haben, aber es gibt so viele Faktoren, die zusammen kommen. Ich freue mich wahnsinnig darauf.

Glauben Sie, dass Olympia hinsichtlich der politischen Situation und der Menschenrechte helfen können?
Ich denke schon. Alle Welt schaut auf das Land und man bekommt mit, wie die Menschen über China und die Politik reden. Die Olympischen Spiele bringen die Menschen zusammen, was auch ein Vorteil des Fußballs ist, da er auf der ganzen Welt gespielt wird. Es ist eine großartige Möglichkeit, über und mit den Menschen zu reden.

Pia Sundhage

Pia Sundhage fühlt sich nicht nur wohl in den Vereinigten Staaten, sondern blickt voller Vorfreude auf die Olympischen Spiele.

Foto: Nora Kruse


Wie erwarten Sie die Umwelteinflüsse? Insbesondere die Luftverschmutzung um Peking ist ein großes Diskussionsthema.
Wir beginnen außerhalb Pekings, was gut für uns ist. Die Verschmutzung ist definitiv ein Problem, aber mehr für die Menschen als für die Olympischen Spiele. Die dauern nur einige Wochen. Es ist eine Chance, sich die Umweltverschmutzung ins Bewusstsein zu rufen und darüber zu sprechen, denn schließlich ist die nicht nur in China, sondern auf der ganzen Welt. Ich wohne in Los Angeles, hier geht es vor allem um Energie. Es ist überall wichtig, sorgfältiger mit Wasser und Elektrizität umzugehen. Auch wenn die Bedingungen in Peking ein bisschen härter sein werden, so sind sie dieselben für alle Mannschaften. Wir reisen nach einem Monat ab, die Menschen in China sind ihnen ihr ganzes Leben ausgesetzt. Olympia macht dies jetzt deutlich und unterstreicht es als ein weltweites Problem.

Am 6. August geht es in Qinhuangdao gegen Norwegen, es folgen Japan und Neuseeland. Was denken Sie über die Gruppe?
Ich liebe sie wegen der unterschiedlichen Stile. Norwegen spielt sehr körperbetont, direkt und gut organisiert. Japan ist technisch sehr begabt. Dann kommt Neuseeland, ein junges Team, das gerne das erste Tor vorlegt. Ganz ehrlich, Fußball ist so viel mehr als eine Goldmedaille, es geht darum Spaß zu haben. Und auch wenn der Druck enorm hoch ist, kann man rausgehen und es genießen, gegen verschiedene Mannschaften und Stile zu spielen, was eine großartige Erfahrung bedeutet. Das ist Fußball.

Vorstellung der US-Gruppe

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