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Frauenfußball International

Olympia wäre das Größte

Wales' Spielführerin Jayne Ludlow im Gespräch

Von Nora Kruse (Text u. Fotos)

09.03.2009

Kaum ein Thema erhitzt die Gemüter der Fußballwelt in Großbritannien derzeit so, wie ein mögliches gemeinsames Team der Verbände England, Schottland, Wales und Nordirland bei den Olympischen Spielen 2012 in London. Ginge es nach dem Englischen Fußballverband, so stünde einer Mannschaft nichts mehr im Wege – doch die drei kleineren Verbände fürchten um ihre Selbstständigkeit. Dabei es gehe nur um Politik und Arbeitsplätze, weniger um den Sport, sagt die walisische Nationalspielerin Jayne Ludlow, für die eine Olympiateilnahme die Krönung ihrer Karriere wäre.

„Wenn man die Spielerinnen fragt, so ist keine dagegen – für jede wäre es das Größte, in London dabei sein zu können“, sagt Ludlow. „Es ist schade, dass das Männer- und das Frauenturnier bei Olympia so eine unterschiedliche Bedeutung haben. Bei den Männern hat es kaum einen Stellenwert, für uns ist es ein Highlight. Bei der Entscheidung über eine gemeinsame Mannschaft ist es aber der Männerfußball, an den alle denken und der die Politik macht.“

Jayne Ludlow

Jayne Ludlow ist nicht nur Wales' erfahrenste Spielerin, auch in einer britischen Mannschaft käme der Mittelfeldspielerin wohl eine tragende Rolle zuteil.

Erst kürzlich kreiste durch die Medien, dass der Schottische Fußballverband seinen Spielern Strafen androhe, sollten sie in einem „Team GB“ mitspielen. „Ich würde die Bestrafung wählen“, antwortet Ludlow spontan. „Aber natürlich gilt das nur für mich. Meine Karriere neigt sich dem Ende, international werde ich nicht mehr allzu lange spielen. Eine Olympiateilnahme wäre der gelungene Abschluss.“

Lianne Sanderson, Jayne Ludlow

2007 war das "goldene Jahr" für Arsenal. Mittlerweile hat Lianne Sanderson (l.) den Verein verlassen, Jayne Ludlow will helfen, eine neue Spitzentruppe zu formen.


Die walisische Nationalspielerin

Die walisische Nationalmannschaft bleibt beim Algarve Cup unter ihren Möglichkeiten.

Doch einschätzen kann die 30-jährige Mittelfeldspielerin von Arsenal LFC nicht, auf welche Entscheidung es hinauslaufen wird. Im Raum steht auch ein Alleingang der Engländer, eine Mannschaft an den Start gehen zu lassen, die sie als britisch bezeichnen würden. „Ich bin Waliserin“, lacht Ludlow, „eine englische Mannschaft würde mir natürlich nicht gefallen, es wäre auch nicht fair gegenüber den anderen Verbänden.“ Doch über ein bisschen mehr Flexibilität und Bereitschaft der anderen würde sich die UEFA-Cup-Siegerin von 2007 dennoch freuen. „Der Sport sollte im Vordergrund stehen. Und wenn ich mich entscheiden müsste, ob ich ein britisches Team unterstütze, das gewinnt oder ein walisisches, das kaum Chancen hat – ich würde das britische wählen. Und ich bin mir sicher, dass wir als Auswahl vorne mitspielen würden.“

Ludlow, Kelly Smith, Julie Fleeting, Kim Little, Karen Carney – Spielerinnen aus England, Schottland und Wales, die in einem „Team GB“ mit Sicherheit dabei wären. Aus ihrer Zeit bei Arsenal kennen sich alle und schon der englische Vorzeigeverein hat mit dem Gewinn des UEFA-Cups 2007 gezeigt, wie erfolgreich der britische Frauenfußball international spielen kann. Doch für die Londonerinnen wird es zunehmend schwerer, sechs Nationalspielerinnen haben den Verein seit Sommer verlassen. „Persönlich finde ich das natürlich traurig – denn ich vermisse meine Freunde. Sportlich sehe ich es als absolute Herausforderung“, sagt Ludlow, die ihr Engagement bei Arsenal „genieße, wie vielleicht noch nie zuvor.“

Auf internationaler Ebene in der nächsten Saison mitzuspielen wird jedoch schwer für den amtierenden Englischen Meister. „Ich denke, dass wir noch ein Jahr brauchen, um wieder angreifen zu können. Selbst in der Liga wird es für uns in diesem Jahr schwer. Aber das ist doch auch spannend. Früher war alles leicht für uns, jetzt werden wir kämpfen müssen, um Meister zu werden“, ist sich Ludlow sicher, die mit Spannung auf die Duelle gegen Everton schaut. Durch Spielverlegungen stehen sowohl das Hin- als auch das Rückspiel gegen den Tabellenzweiten noch an, bislang haben beide alle ihre Spiele gewonnen.

Doch ganz im Gegensatz zur erfolgreichen Meisterschaftsrunde spielt Ludlow mit der Nationalmannschaft beim Algarve Cup weniger gut auf. Das erste Spiel gegen Österreich ging durch „zwei dumme Tore“ verloren und auch mit der Leistung gegen Portugal ist die Spielführerin unzufrieden. „Ganz ehrlich: was wir hier zeigen, kann uns nicht zufrieden stellen.“


Es ist aber auch das Niveau des Frauenfußballs in Wales, das Ludlow unglücklich macht. „Es ist so traurig. Überall entwickelt sich der Sport mit rasender Geschwindigkeit – nur bei uns nicht.“ Selbst vom Nachbarn Schottland fühlt sich die Waliserin abhängt. „Die treffen sich mehrfach im Monat, haben Unterstützung im Verband und mit den beiden Schwedinnen zwei erstklassige, hochmotivierte Trainerinnen, die in Vollzeit arbeiten können. Wir sind im Moment dort, wo Schottland vor sechs Jahren war.“

Jayne Ludlow

Jayne Ludlows Klasse wird in der neu geformten Mannschaft von Arsenal vielleicht wichtiger den je.

Während ihrer aktiven Zeit werde vermutlich nicht mehr viel geschehen, glaubt Ludlow und schielt zu einigen Teamkolleginnen, teils zehn Jahre jünger, ein paar Tische weiter. „Für sie würde ich mir wünschen, dass sie eine erfolgreichere Zukunft haben. Meine Karriere war von wesentlich mehr Tiefs als Hochs geprägt. Der Sport muss sich weiter entwickeln, es muss einfacher werden, Fußball und Beruf miteinander zu vereinbaren. Aber bei uns geht scheinbar alles etwas langsamer, es nicht allzu viel Geld vorhanden.“ Einer ihrer größten Wünsche sind Vollzeittrainer in allen Jahrgängen, aber eine Umsetzung dessen glaubt Ludlow auf absehbare Zeit nicht. Nach ihrer aktiven Karriere könne sie sich daher gut vorstellen, dem Verband erhalten zu bleiben. Konkrete Gespräche gebe es noch nicht, doch die erfahrene Nationalspielerin ist motiviert. „Ich will hier etwas aufbauen.“

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