Interview mit Hedvig Lindahl

Beim Elfer kannst du nur gewinnen

Die schwedische Nationaltorhüterin im Gespräch

Von Volker Lieberum

28.4.2005    Beim Algarve Cup stand sie im Tor gegen Deutschland. In der Damallsvenska steht ihre Mannschaft Linköping FC nach zwei Spielen an der Spitze.
FanSoccer sprach mit Schwedens Nationaltorhüterin Hedvig Lindahl.

FanSoccer: Hejsan Hedvig, wie wichtig habt ihr die Spiele beim Algarve Cup genommen?
Hedvig: Wir haben die Spiele schon sehr ernst genommen. Der Algarve Cup bietet die große Gelegenheit unsere Fähigkeiten mit den besten Teams der Welt zu messen. Wir hatten die feste Absicht, möglichst jede Begegnung zu gewinnen.

War es nicht frustrierend vor so einer schwachen Kulisse zu spielen?
Ach natürlich macht es mehr Spaß vor vielen Zuschauern zu spielen, aber ich muss dir gestehen, wenn das Spiel beginnt, nehme ich die gar nicht mehr wirklich wahr. Gewöhnlich ist das so, aber dieses Mal war es für mich eine Herausforderung gegen so gute Gegner wie etwa Deutschland auf dem Platz zu stehen. Da war mir das gleich.

Was empfandet ihr es als ihr gegen Deutschland wieder knapp verloren habt?

Hedvig Lindahl

Bild: Beate Wolter

Na klar waren wir traurig, dass wir verloren haben. Da wir aber alle gefühlt haben, wir haben ein großartiges Spiel absolviert, konnten wir mit erhobenem Haupt vom Platz gehen. Tatsächlich haben wir uns nach der Niederlage wirklich gut gefühlt.

Welches Verhältnis habt ihr zu den deutschen Spielerinnen?
Ich glaube, dass ist unterschiedlich. Ich persönlich hatte bisher wenig Kontakt mit den deutschen Spielerinnen und kenne sie nur mal so vom Feld her. Andere von uns haben wirkliche freundschaftliche Beziehungen untereinander. Da wir aber schon oft gegeneinander gespielt haben, kennt man sich eben etwas besser. Ich denke es macht jedes Mal Spaß gegen Deutschland zu spielen. Ich denke, wenn wir mit der U19 und U21 gegeneinander angetreten sind, waren das oftmals großartige Spiele, besonders deshalb weil sie mit einem Sieg für Schweden endeten.

Hanna Marklund, Karolina Westberg, Hedvig Lindahl und Malin Moström

Bild: Beate Wolter

Frankreich wird immer wieder als heimlicher Mitfavorit für die EM genannt. Was ist deine Meinung dazu?
Ich meine momentan sind sie wirklich gut drauf. Wir hatten wirklich ziemliche Probleme mit der französischen Mannschaft. Sie sind schnell und haben viele gute technische Fähigkeiten. Ich glaube nicht, dass sie Europameister werden, aber ich denke, sie werden viele überraschen.


Hedvig klärt vor Sandra Smisek

Bild: Beate Wolter

Wie bereitet sich Schweden auf die EM vor?
Wir kommen diese Woche zusammen und werden zwei Freundschafsspiele absolvieren, eines gegen Dänemark, am Samstag in Växjö, das andere dann am 03. Mai gegen die Niederlande. Danach haben wir etwas feie Zeit und gehen zurück in unsere Clubs. Kurz bevor die EM beginnt, werden wir bei uns in Schweden noch einmal gegen Kanada antreten. Danach geht es dann rüber nach England.

Hedvig, was ist dein Tipp für das EM Endspiel?
Das kann ich dir nicht sagen, habe keine Ahnung. Ich hoffe nur, dass wir Schweden eines der Teams sind, das im Endspiel stehen wird.

Mit welcher Spielerin verstehst du dich in der Nationalmannschaft am besten?
Glaube, das ist Sofia Lundgren, die Torhüterin aus Umea.

Die Saison (Allsvenskan) in Schweden hat gerade begonnen, welche Chancen hat dein Verein Linköpings FC?
Ich glaube wir haben eine große Chance, denn wir haben ein sehr gutes Team. Viele von uns haben schon etliche Erfahrungen in der Damallsvenskan machen können. Ich schätze, wir werden am Ende unter den ersten vier Mannschaften sein.

Ihr habt euch mit schwedischen Spielerinnen, z.B. Sara Larsson/ Malmö FF und Josefine Öqvist/ Bälinge IF dieses Jahr verstärkt. War es kein Anreiz für Linköping eine Spielerin aus dem Ausland (Brasilien oder Amerika) zu verpflichten? Ich denke nicht, dass die Nationalität der Spieler da sehr wichtig ist. Linköping FC möchte jemanden haben, der ins Team passt und zwar als Fußballerin aber auch als Mensch. Deshalb glaube ich, dass wir mit einer Schwedin auf der sicheren Seite sind. Meiner Meinung nach werden die ausländischen Spielerinnen nur für kurze Zeit in den Vereinen zur Verfügung stehen, denn die schwedischen Vereine haben nicht so viel Geld zusammen, sie längere Zeit als Profis beschäftigen zu können. Linköping möchte sich eine Mannschaft für die Zukunft aufbauen und denkt nicht daran nur an eine kurzzeitige Verpflichtung an Land zu ziehen.

Hedvig klärt vor Birgit Prinz

Bild: Beate Wolter

Wie kommt es das drei Mannschaften (Djurgården, Umeå und Malmö) die schwedische Liga dominieren?
In der Vergangenheit kamen der Großteil der Nationalspielerinnen nur aus diesen drei Vereinen und die anderen hatte keine oder nur wenige gute Spielerinnen. Das führte dazu, dass sie nicht in der Lage waren über die gesamte,


lange Saison eine gleich bleibende gute Leistung zu bringen. Dieses Jahr hat sich da einiges geändert. Viele schwedische Nationalspielerinnen haben die Vereine gewechselt und viele ausländische Spielerinnen sind jetzt auch in den Clubs angestellt, nicht nur zu den drei Toppteams gehören. Lasst euch überraschen, dieses Jahr wird es in der Damallsenska anders ablaufen als in den Jahren zuvor.

Welche Chancen gibst du Djurgården im UEFA Cup?
Sie stehen im Finale gegen Turbine Potsdam, für mich sind beide gleich stark. Ich hoffe natürlich, dass es DIF/ Älvsjö gewinnt, doch eure deutschen Mädchen sind auch sehr gut. So wird es ziemlich sehr werden.

Hättest du Interesse im Ausland zu spielen?
Könnte sein, aber wie es im Moment aussieht, habe ich nicht das Verlangen dazu. Ich fühle mich in Schweden sehr wohl und es gefällt mir hier. Unsere Liga gehört momentan zu den besten in der Welt, was soll ich da in ein anders Land wechseln.

Hedvig ein sicherer Halt im schwedischen Tor

Bild: Beate Wolter

Hedvig gibt es in Schweden genügend nachwachsende Mädchen die Fußball spielen möchten? Oder werdet ihr in Zukunft Probleme bekommen?
Viele Mädchen spielen heute Fußball und die Zahl die jedes Jahr damit beginnt wird immer größer. Damit bin ich um die Zukunft nicht besorgt.

Könnten die schwedischen Spielerinnen vom Fußball leben oder müsst ihr nebenbei arbeiten gehen? Wenn ja, was ist dein Beruf?
Ich kann da nur für mich sprechen. Die Hälfte der Zeit verbringe ich mit dem Fußball die andere Hälfte arbeite ich in der Telefonvermittlung bei Manpower Soulutions.

Hast du Angst vor Elfmetern?
Warum sollte ich Angst haben? Als Torhüter kannst du doch nur gewinnen. Jeder rechnet doch damit, dass der Ball reingeht. Doch wenn du den hältst, bist du der Held des Tages. Der Schütze hat es doch da viel schwerer, er kann versagen.

Hedvig, tack så mycket och lycka till.

Das Gespräch führte Volker Lieberum


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