von Nora Kruse
19.11.2006
Egal ob Minimalistenfußball oder souveränes Auftreten, die drei französischen Top-Teams konnten auch am siebten Spieltag ihre Begegnungen gewinnen
und liefern sich weiter einen heißen Kampf um die Tabellenspitze. Doch in Rahmen dieses Dreikampfes machen drei junge Leute auf sich aufmerksam:
Elodie Thomis und Louisa Necib spielten Condé schwindelig und Sandrine Brétigny steht vor ihrem Debüt im Nationaldress.
Soyaux : Toulouse 2:0
In Soyaux trafen zwei Mannschaften mit einem absoluten Lauf aufeinander: Die Gastgeberinnen mit einem Siegeszug par excellence, Toulouse mit einer
beispiellosen Negativbilanz. Die Ausgangslage war also klar und für Überraschungen wurde nicht gesorgt. Ein 2:0 für Soyaux, das den vierten Tabellenrang
festigte. Festigen konnte auch Toulouse seinen Tabellenrang: den vorletzten.
Dabei begann die Partie für die Gäste sehenswert, denn sie beherrschten die erste Halbzeit. Zählbares kam dabei jedoch nicht heraus, denn sie scheiterten
alle: Céline Faure, Marie-Joelle Kramo und auch Julia Dany. Die Führung wäre verdient gewesen, denn Soyaux fand nicht ins Spiel. Auch Candie Herberts
Versuch, die Führung mit einem Weitschuss zu erzwingen, brachte nichts ein. So ging es mit einem 0:0 in die Halbzeit.
Nach dem Wiederanpfiff begann das Spiel jedoch erst für die Gastgeberinnen. Nach nur zehn Minuten kam Herbert in Ballbesitz, spielte ihre Gegenspielerinnen
aus und traf zum 1:0. Keine zehn Minuten später rappelte es auch schon zum 2:0 im Kasten von U19-Nationaltorhüterin Véronique Pons. Diesmal war es Coralie
Chanudet per Kopf.
Für Soyaux war es der dritte Sieg in Folge und in dieser Verfassung sollte ihnen vor dem Duell mit Meister Juvisy, der derzeit Minimalfußball zeigt, nicht
Bange sein.
Bei hohen Bällen ist Sarah Bouhaddi eine Bank - da verzweifeln selbst Amerikanerinnen.
Archivbild: Nora Kruse
Juvisy : Compiègne 1:0
Man muss nur ein Tor mehr schießen als der Gegner. Dieses einfache Prinzip versteht derzeit keiner so gut umzusetzen, wie Meister Juvisy. Die
Vorstadt-Pariserinnen haben einen – von der Papierform her – brillianten Sturm aus Marinette Pichon und Laetitia Tonazzi. Nur treffen will er nicht.
Sandrine Brétigny aus Lyon hat alleine mehr Tore auf dem Konto als der französische Nationalsturm. Aber am Ende geht es immer gut, denn ein Törchen gelingt
eben doch – Pichon sei Dank. Aber während der Sturm noch nicht so richtig in Gang gekommen ist, läuft die Defensive auf Hochtouren: bislang konnte nur
Montpellier den Weg an Soubeyrand, Casseleux, Provost und zuletzt Bouhaddi vorbei finden. Solange das gut geht, reicht auch die Magerkost von Pichon.
Dabei entwickelte sich zunächst ein Spiel, das nicht aussah, als wolle es nur ein einziges Törchen hergeben: die Mannschaften spielten munter drauflos, es
gab Chancen hüben wie drüben – die besseren hatte standesgemäß der Meister. Tonazzi hätte schon nach zehn Minuten für eine ansehnliche Führung sorgen
können, aber mit ihrem Schussglück steht es eben derzeit nicht zum besten. Auf der anderen Seite sorgte Ingrid Boyeldieu für Aufsehen, vergaß jedoch, dass
Sarah Bouhaddi im Tor von Juvisy bei hohen Bällen nahezu unbezwingbar ist, weswegen ihre beiden Hereingaben binnen drei Minuten jeweils von von der
Nationaltorhüterin abgefangen wurden.
In der zweiten Hälfte ging es ebenso munter weiter und die Gäste hätten durchaus Möglichkeiten zur Führung gehabt. In Abwesenheit der Nationalspielerinnen
Anne-Laure Casseleux und Peggy Provost fanden sie des öfteren den Weg durch die Abwehr – nur musste halt am Ende noch Bouhaddi überwunden werden, was nicht
gelingen wollte. Allein in den letzten zehn Minuten hielt die 20Jährige diversen Gäste-Angriffen stand, die größte Glanztat vollbrachte sie in der 90.
Minute, als sie einen Schuss der frei vor ihr stehenden Gaétane Thiney zur Ecke klären konnte. Es hätte ein Last-Minute-Tor werden können,
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Elodie Thomis (l.) setzt sich durch. So wie hier Maria Bergkvist das Nachsehen hat, musste am vergangenen Wochenende auch der Gegner aus Condé zwei
Tore der Jungnationalspielerin zulassen.
Archivbild: Nora Kruse
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aber Juvisy versteht sich darauf zur Zeit einfach besser. Am letzten Spieltag hat Pichon in der 87. Minute das Spiel entschieden, nun machte sie es gar noch
spannender. Drei Minuten lief die Nachspielzeit bereits, als Elise Bussaglias Hereingabe Pichons Kopf erreichte und in den Kasten sprang.
CNFE : St. Brieuc 1:2
St. Brieuc: Aufsteiger und Überraschung. Allerdings überzeugte der Liga-Neuling bislang in erster Linie auf heimischem Boden, auswärts konnten sie noch
nicht allzu viele Punkte einfahren. Umso wichtiger waren die vier Zähler, die sie von ihrem Ausflug nach Clairefontaine mit in die Bretagne brachten.
Nach fünf Minuten gingen die Gäste durch Marine Masson in Führung. Keine zwei Minuten später erreichte der Ball Amandine Henry, die sich durchdribbelte und
ausglich. Ja, und noch mal fünf Minuten später fiel auch schon die erneute Führung für St. Brieuc. Wieder war es Masson, die den Jubel auslöste. Aus 25
Metern lobbte sie Emmeline Mainguy im Tor von Clairefontaine. Wer nun dachte, dass ein munteres Spielchen begonnen habe, sah sich getäuscht – nach zwölf
Minuten war das Spiel vorbei, es passierte nichts mehr.
Lyon : Paris SG 4:1
In Lyon läuft es derzeit perfekt und eine Spielerin macht dabei besonders auf sich aufmerksam: Sandrine Brétigny. Acht Tore hat die 22jährige Stürmerin in
den ersten sechs Spielen erzielt und lag damit, gemeinsam mit Vereinskollegin Hoda Lattaf, auf Rang eins der Torjägerliste. Nun sind jedoch sieben Spiele
absolviert und die erfahre Lattaf wurde deutlich überholt.
In der 14. Minute eröffnete Brétigny Lyons erneuten Siegeszug, indem sie die Vorarbeit von Camille Abily erfolgreich abschloss. Noch vor dem Halbzeitpfiff
konnte sie auf 2:0 erhöhen. Ein Abschlag von Aurore Pégaz erreichte Brétigny, die Abwehrspielerin Sabrina Delannoy und Ersatztorhüterin Cécilie
Quatredeniers keine Chance ließ.
Die zweite Hälfte begann, wie die erste aufgehört hatte: mit einem Tor von Brétigny. Diesmal kam die Vorarbeit von Frankreichs Nationalspielführerin Sonia
Bompastor, und zehn Minuten nach Wiederanpfiff hieß es schon 3:0. Die Vorarbeit genügte Bompastor jedoch nicht, in der 86. Minute schrieb sie sich selbst
in die Torschützenliste, als sie nach Vorarbeit von Abily auch noch das 4:0 für ihre Mannschaft erzielte. Paris blieb lediglich eine Schönheitskorrektur:
In der Nachspielzeit erzielte Aurélie Pfeiffer noch den Ehrentreffer.
Lyon konnte seine tadellose Bilanz – von der Niederlage gegen Meister Juvisy abgesehen – fortsetzen und Brétigny führt nun allein mit elf Toren die
Torschützenliste an. Und da durch den Nationalmannschaftsrücktritt von Marinette Pichon im Sturm der ‚Équipe Tricolore’ ein Plätzchen frei geworden ist,
hat Nationaltrainerin Elisabeth Loisel die Leistung der jungen Stürmerin nun belohnt: im Spiel gegen Belgien am Mittwoch steht Brétigny erstmals im Kader.
Festen Schrittes in Richtung Nationalmannschaft: Sandrine Brétigny durfte sich nicht nur über drei Tore gegen Paris freuen, sondern auch über eine
Einladung ins Nationalteam.
Archivbild: Nicole Tischhauser
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Condé : Montpellier 0:4
Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist das erfolgreichste Jungtalent im Land? Antwort unentschieden. Elodie Thomis und Louisa Necib sind ja irgendwie
recht ähnlich: gut befreundet, hoch talentiert, technisch genial und etwas ballverliebt. Seit dieser Saison spielen sie auch noch im gleichen Verein und
langsam werden beide richtig torgefährlich, während sie in der Vergangenheit häufig an ihrer Ballverliebtheit gescheitert waren. An diesem Spieltag dann
die nächste Gemeinsamkeit: die Nationalspielerinnen haben Condé quasi im Alleingang besiegt. Traf die eine, zog die andere binnen drei Minuten nach.
Den Auftakt machte Necib in der 47. Minute. Nach Vorarbeit der eingewechselten Ludivine Diguelman ließ sie es aus gut zwanzig Metern so richtig krachen.
Drei Minuten waren vergangen, da bediente Diguelman den anderen Joungster per Ecke (freundlich unterstützt durch einen Abwehrfehler der Gastgeberinnen) –
und auch Thomis war erfolgreich. Für den zweiten Doppelpack wurde das Spielchen dann umgedreht, nun durfte Thomis beginnen. In der 73. Minute spielte
sie – diesmal ganz ohne Diguelman – alle aus und erzielte das 3:0 für Montpellier. Damit wieder Gleichstand herrschte, dribbelte auch Necib zwei
Gegenspielerinnen aus und erhöhte auf 4:0. Jetzt wäre wieder Necib an der Reihe gewesen, wurde jedoch ausgewechselt, und so konnte Thomis auch nicht mehr
nachziehen. Es blieb beim 4:0, was Montpellier weiter auf dem ersten Tabellenrang hält.
Nicht mehr nur technisch genial: Louisa Necib ist für Montpellier gleich in ihrer ersten Saison zur torgefährlichen und unverzichtbaren
Mittelfeldakteurin geworden.
Archivbild: Nora Kruse
Hénin-Beaumont : La Roche 2:3
Wichtige Punkte im Kampf gegen den Abstieg hätte Hénin einfahren können, denn Toulouse verlor zeitgleich in Soyaux. Die Gunst der Stunde konnten die
Gastgeberinnen jedoch nicht nutzen, obwohl sie gleich zweimal in Führung gingen. Zwei Minuten nach Beginn der zweiten Halbzeit erzielte Christelle Berdin
per Foulelfmeter die Führung. Diese hielt jedoch nur bis zur 66. Minute, als Adama Doumbouya aus sechs Metern den Ausgleich erzielte. Erneut konnte Hénin
sich befreien und durch Aurélie Desmaretz in Führung gehen, doch auch dieses Mal machte Doumbouya den Gastgeberinnen einen Strich durch die Rechnung. Ihre
Antwort dauerte hier gar nur drei Minuten, denn in der 76. Minute durchkreuzte sie einen Rückpass für Hénins Torhüterin Célin Musin und glich aus. Für ihr
drittes Tor des Tages wartete sie nun gar nicht erst eine Führung der Gastgeberinnen ab, stattdessen verwandelte sie in der 81. Minute einen Eckball direkt.
Frankreich
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