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Text und Bilder von Marion Kehren
27.02.2011 Zwei Jahre nach meiner letzen Begegnung mit der australischen Trainerin und FIFA Beauftragten Connie Shelby, habe ich die Mittfünfzigerin nun in Abu Dhabi wieder getroffen und einmal nachgefragt, was aus den großen Plänen des Emirates geworden ist.
Flöhe hüten ist einfacher, aber Assistenztrainerin Hourya Taher bringt nichts so schnell aus der Ruhe. Die Mädchen haben Spaß am Fußball und besonders cool finden sie die Trikots ... auch wenn sie manchmal doch noch etwas groß sind ;-D
Abu Dhabi Country Club - die Wiedersehensfreude ist riesengroß. Connie wirkt müde und ein wenig traurig; denn es dauert doch alles länger als gedacht. Die Bedeutung des Wortes „Insallah“ hat nun auch sie lernen müssen. „Die Ideen waren und sind immer noch groß, aber die Probleme sind nach wie vor die Umsetzung und die Akzeptanz in dem muslimisch geprägten Land. „An Geld mangelt es nicht, ganz im Gegenteil - aber solange der Fußball nicht aus dem Herzen kommt kann ich machen was ich will, die Spielerinnen werden sich nicht mehr anstrengen als sie müssen,“ so ihr nüchternes Statement.
Gewünscht hatte Connie sich, dass sie mit Hilfe der „Pseudo-Nationalmannschaft“ die Frauen und Mädchen des Landes für den Frauenfußball begeistern könnte. Ihre Vorstellung, dass die Spielerinnen die Schule zu besuchen um für den Frauen- und Mädchenfußball Werbung zu machen verlief aber ebenso im Sande, wie die Idee eine eigene Liga zu implementieren. „Wir müssen mit der Jugendarbeit anfangen und die Mädchen behutsam aufbauen.“ Die Implementierung einer A-Nationalmannschaft war viel zu hoch gegriffen, denn die Mannschaft besteht nach wie vor zu Hälfte aus Ausländerinnen und gemäß den FIFA-Statuten ist dies mitnichten eine Nationalmannschaft. Das Gesicht des Teams hat sich einwenig verändert. Einige Spielerinnen haben den Verein wieder verlassen und sind in ihr Heimatland zurück gegangen, aber das Groß der Mannschaft trainiert weiter und hat bereits einige sehr gute Ergebnisse in diversen inoffiziellen Wettbewerben erzielt. Junge Spielerinnen werden implementiert, aber Shelby ist sich sicher, der Weg ist noch lang.
„Wir bewegen uns immer noch in einem Zwiespalt zwischen der Moderne und der Vergangenheit. Nicht die Väter habe das Problem ihre Töchter in Sportkleidung zu sehen, es sind die Mütter die immer wieder Bedenken anmelden. Mir ist wirklich egal in welcher Kleidung die Mädchen Fußball spielen, da bin ich flexibel. Aber die Krux an der Sache ist wirklich, wenn der Sheikh nur ein einziges Mal aussprechen würde, dass Frauen und Mädchen Fußball spielen sollten…sie würden mir schlichtweg die Türe einlaufen. Aber solange das nicht passiert betreiben wir hier weiter Sisyphusarbeit,“ so Shelby weiter.
Heute ist Sonntag und ein Sichtungstraining steht an. Knapp 25 Mädchen zwischen 8-12 Jahren sollen getestet und beobachtet werden. Eine Horde wilder Flöhe rennt ausgelassen über den Kunstrasenplatz und die Australierin hat alle Mühe die Rasselbande unter Kontrolle zu bekommen. Mit Hilfe zweier ihrer Spielerinnen, Mariam Al Omaira und Hourya Taher, die als Assistenztrainerinnen agieren, versucht sie Herr der Lage zu werden, Spielanweisungen zu geben und die Mädchen über die Freude am Spiel für den Frauenfußball zu gewinnen. Es sieht schon witzig aus den Kindern zuzuschauen, denn Schulsport wird im arabischen Land nur wenig betrieben daher sehen ihre Bewegungen auch teilweise recht unbeholfen aus. Aber Shelby sieht mit ihrem geschulten Auge relativ schnell, wer Talent hat und wer nicht.
Nach wie vor schwebt dem Emirat Abu Dhabi die Idee vor im Jahr 2014 die U17 FIFA Frauenfußball-Weltmeisterschaft auszutragen, aber Connie sieht das Ganze mit recht gemischten Gefühlen. „Das ist eine große Herausforderung! Das Land und die Infras truktur sind noch nicht so weit, als das sie so einen großen Event stemmen könnten. Ich denke man braucht hier noch ca. 10 Jahre bis dieses Land soweit ist. Überall möchte man mitmischen, aber oftmals fehlt es an ganz einfachen Sachen, an der Organisation und vor allem an der Struktur.
Am Abend ist das Training der 1. Mannschaft angesetzt und wir fahren in ein kleines Stadion am Rande der Stadt. Während die Männermannschaft zeitgleich im großen Stadion trainiert, bleibt für die Frauenmannschaft nur der Nebenplatz übrig. Ich bin ziemlich erschrocken als ich die dortigen Trainingsbedingungen sehe. Nichts erinnert an die Glamourwelt des Abu Dhabi Country Clubs. Unter einfachsten Bedingungen trainieren die jungen Frauen auf dem Spielfeld (immerhin ein Rasenplatz!), die Umkleidekabine sind alte Wohncontainer mit defekten Duschen und Toiletten.
Während der Muezzin zum Abendgebet ruft, absolvieren die Kickerinnen ihre Trainingseinheiten. Erfreulich dabei, dass die damalige Torwartanfängerin Nora El Mazouri mittlerweile fester Bestandteil des Teams ist und kürzlich erst zu Asiens bester Torhüterin gekürt wurde. Zu gerne würde die junge Frau mal ein paar Wochen in Deutschland oder Europa das Tor eines Spitzenclubs hüten um weiter Erfahrungen sammeln zu können. Sie bekommt an diesem Abend eine extra Trainingseinheit.
Im Januar wurde eine Frauen-Futsal-Liga ins Leben gerufen. Mit Unterstützung der UAE Football Association, privaten Sponsoren und Förderern ist man diesen Winter in der Lange einen regelmäßigen Spielbetrieb in der Halle zu gestalten. Acht Mannschaften kämpfen im „The Dome“ auf der Airport Road, gegeneinander und ermitteln, in diesem 3-monatigen Event, den Sieger. Shelby sieht es mit gemischten Gefühlen: “Das ist zwar ein Fortschritt, aber dies ist nicht der Fußball wie ich ihn gerne spielen würde, meine Philosophie sieht etwas anders aus. Was nützen 2x20 Minuten in einer Sporthalle? Gut, besser als gar nichts, aber wenn man professioneller arbeiten will und ein funktionierendes System aufbauen möchte, muss man konsequent weiter arbeiten und auch die Unterstützung dafür bekommen. Wir benötigen Konkurrenz, die auf demselben Level spielt wie wir.“
Bilder:
Zwei: Connie Shelby mit dem hoffnungsvollen Fußballnachwuchs. Seit mehr als drei Jahren kämpft sie für den Frauenfußball in den Emiraten.
Drei: Die kleine Moschee liegt direkt neben dem Trainingsgelände der "Großen".
Vier: Allabentliches Training unter erschwerten Bedingungen.
Fünf: Torwarttalent Nora El Mazouri wird seit einiger Zeit von einem professionellen Torwart-Trainer ausgebildet.
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