| Text von Bilder von Julia Arnold
01.06.2011
Der Einladung der deutschen Botschaft in Taschkent folgte der Bundesligist FF USV Jena prompt. Zur Förderung des Frauen- und Mädchenfußballs in Usbekistan reisten die Thüringer für eine Woche in den nahen Osten an den Ort, an dem im kommenden Jahr die U20 Weltmeisterschaft stattfinden wird; ein für uns noch weitgehend unbekanntes Land zwischen Kasachstan, Tadschikistan und Turkmenistan, über 7.000 Kilometer von Jena entfernt. Julia Arnold (Foto USV Jena) hat für FanSoccer ein packendes, ausführliches und spannendes Reisetagebuch geschrieben.
1. Tag, Montag, 23.05.2011 Fast pünktlich sechs Uhr morgens hieß es für uns Spielerinnen des FF USV Jena Abfahrt aus Jena in Richtung Frankfurt. Dort sollte unsere von der Botschaft organisierte Promotion- und Entwicklungshilfe-Reise mit dem Flug nach Taschkent, der Hauptstadt Usbekistans, beginnen. In Erwartung vieler neuer, interessanter, aufschlussreicher und bereichernder Erfahrungen und Begegnungen konnte man trotz der frühen Tageszeit zum Teil zwar auch in müde, aber vor allem in fröhlich gespannte Gesichter schauen. Was uns wohl in den kommenden Tagen erwarten würde? Wir sollten es bald erfahren. Nach geplant dreistündiger, wohl aufgrund einiger Staus dann doch etwas länger dauernder Fahrt kamen wir mit etwas Verspätung am Frankfurter Flughafen an, checkten dort schnell ein, tauschten etwas Geld um und schon waren wir bereit für den Flug. Und dann ging es auch schon los. Nachdem wir Deutschland noch einmal gewunken hatten, verließen wir es in Richtung Naher Osten, für die meisten von uns wohl die erste Reise in ein asiatisches Land. Nach knapp sechs Stunden und tausenden Meilen später landeten wir sicher in Taschkent. Wir hatten gerade unsere Plätze im Airport-Shuttle eingenommen, als einige Polizisten zustiegen und zu unserer aller Verwunderung unsere Namen riefen, zum Teil sehr lustig ausgesprochen. Schließlich spricht man hier Usbekisch und Russisch und so wurde zum Beispiel aus "Höfer" kurzerhand ein "Chofer". Die Ordnungskräfte teilten uns mit, dass wir bitte den Bus verlassen sollten, um separat zusammen mit den Business-Class-Reisenden zur Passkontrolle und Gepäckausgabe zu gelangen. Ob wir dadurch schneller an unsere Koffer kamen, ist fraglich, jedoch ist eine derartige Sonderbehandlung auch mal kein schlechtes Gefühl, wir sollten in den nächsten Tagen des Öfteren diese Ehre haben. So wurden auch unsere Koffer zum Bus gebracht, sodass wir in Ruhe und ohne Ziehen der schweren Sachen beim Austritt aus dem Flughafen in die Taschkenter Nacht die neue Atmosphäre genießen konnten. Warm und schwül war es; und trotz der späten Stunde war viel Leben am Flughafen. Herzlich wurden wir von den Vertretern der deutschen Botschaft in Empfang genommen, die uns fortan tagtäglich begleiten sollten. Mit dem Bus des PFC Sevinch, des Meisters der usbekischen ersten Frauenfußballliga, fuhren wir dann gemeinsam ins Hotel. Ein derart komfortabler Bus könnte gut und gerne auch Gewohnheit in Jena werden. Im Hotel "Radisson", einem der wohl schönsten Hotels Usbekistans, wie wir uns sagen ließen, angekommen, fielen wir zufrieden und müde in unsere Betten, so ein Flug zehrt dann doch ganz schön an den Kräften.
2. Tag, Dienstag, 24.05.2011 Und Kraft sollten wir brauchen für die Reise, die uns am nächsten Morgen erwarten würde. Die 420 Kilometer von Taschkent bis in die Provinzstadt Karschi, für die man in Deutschland max. fünf Stunden benötigen würde, waren für acht Stunden eingeplant und das hatte auch einen guten Grund. Währenddessen die städtischen Straßen allesamt von guter Qualität waren, entsprachen die Überlandstraßen wohl eher dem, was man unter Huckelpiste verstehen würde. So wurden wir immer mal wieder kurz vor dem Einschlafen wach gerüttelt oder fielen sogar manchmal fast vom Platz. Lustig war es irgendwie trotzdem und mit der Zeit gewöhnte man sich an die "abwechslungsreiche" Fahrt. An das Gewackel gewöhnen konnte sich aber nicht die erste eingelegte DVD, die dann leider kurz vor Filmende dem Geschüttel zum Opfer fiel. Beim nächsten Film hatten wir dann aber mehr Glück.
Während unserer Fahrt durch Usbekistan konnten wir, sofern wir nicht schliefen, sehr gut die ländliche Umgebung beobachten und die zum Teil äußerst ärmlichen Behausungen und Lebensumstände der Provinzbevölkerung. So sahen wir weite, verlassene Landstriche und dann mit großer Verwunderung vereinzelt kleine baufällige Häuser, wir sahen große Kuhherden auf der Fahrbahn und im weiten Land, scheinbar niemandem gehörend, kleine Dörfer mit weit auseinanderstehenden, grauen Häusern ohne erkennbare Straßenzufuhr und wir machten während eines kurzen Zwischenhaltes das erste mal die Begegnung mit den hier so üblichen Toiletten, mit denen wir uns die ganze Reise wohl nicht wirklich anfreunden sollten.
Schließlich bestanden sie aus "einem wenig hygienischem Loch im Boden", um es vorsichtig auszudrücken und so zogen wir zunächst die Natur vor. Im Vergleich zu den Eindrücken, die wir von der sehr fortschrittlich-erscheinenden Hauptstadt hatten, waren diese neuen Beobachtungen ein starker Kontrast und wir bemerkten vielleicht zum ersten Mal in Usbekistan so richtig, wie froh wir sein können, in einem so hochentwickeltem und perspektivreichen Land wie Deutschland aufgewachsen zu sein. So waren wir nun gespannt, was uns nun in Karschi erwarten würde. Nach der aufregenden Fahrt besuchten wir später gegen Abend das in Karschi stattfindende Asiencup-Achtelfinalspiel zwischen dem ansässigen FC NASAF und dem jordanischen Al Faisaly. Trotz akribischer Suche konnten wir keine Frau unter den Zuschauern erkennen - mit Ausnahme unserer Mannschaft natürlich, was uns schon ein wenig irritierte. Vielleicht war es aus mangelndem Interesse am Männerfußball, vielleicht aber auch teilweise deswegen, weil in Usbekistan muslimische, unverheiratete Frauen nach 19 Uhr eher nicht mehr in der Öffentlichkeit verkehren sollten. Wir waren quasi eine Rarität im Stadion und so wurden wir nicht nur mit vielen neugierigen Blicken eingedeckt, sondern auch mit zahlreichen blau-weißen Fähnchen, die gut und gerne auch kleine USV-Fähnchen hätten sein können. In die Fangemeinde integriert, konnte es nun losgehen und glücklicher weiße konnten wir auch ein 2:1 bejubeln. Auf dem Weg zurück ins Hotel wurden wir kurzerhand zum Bowlen und Billard-Spielen im Vereinshaus des PFC Sevinch eingeladen und trotz Müdigkeit und der Gewissheit des anstehenden Spieles am nächsten Tag beschlossen wir zu bleiben. Wir sollten diese Entscheidung nicht bereuen, es wurde noch ein langer, schöner Abend.
3.Tag, Mittwoch, 25.05.2011 Am dritten Tag unserer Reise sollte am Abend das Spiel gegen den Frauenfußball-Meister PFC Sevinch stattfinden. Am Morgen hatten wir uns jedoch zunächst andere Herausforderung zu stellen. So stand der erste von drei "Girlsdays" an, bei dem wir mit den vielen fußballbegeisterten Mädchen und jungen Frauen im Stadion des PFC Sevinch ein wenig trainierten, zahlreiche Fotos machten und ein paar Gastgeschenke verteilten, die allesamt in Sekundenschnelle vergriffen waren. Wir waren sehr überrascht von der Frauenfußballbegeisterung und den vielen, zum Teil wirklich talentierten jungen Spielerinnen, sodass uns schon ein wenig mulmig vor dem abendlichen Spiel war. Schließlich war die Mannschaft des amtierenden usbekischen Meisters nicht umsonst auch Mittel-Asien-Meister und bestand aus 90 Prozent der usbekischen Nationalmannschaft. Verlieren wollte man schließlich nicht und ein Tag in der prallen Sonne schien wohl auch nicht die beste Vorbereitung zu sein. Diese Sorgen waren ganz schnell passe' als wir die Hallen, Umkleiden und den Rasen des Stadions betraten, in dem wir am vergangenen Abend den Männern zuschauen durften. Vorfreude machte sich breit, schließlich ist es nicht alltäglich, dass man die Chance hat unter diesen hervorragenden Umständen Fußball zu spielen, ganz abgesehen von der Live-Übertragung auf dem usbekischen Sportkanal. Etwa 1 Million Zuschauer(!) sollte das Spiel erreichen, kein schlechter Einstieg für die erste Live-Fernseh-Übertragung einer usbekischen Frauenmannschaft überhaupt. Und wir durften dabei sein, was für ein Gefühl! Interessanterweise waren auch die Fußballer des FC NASAF allesamt anwesend, denen wir gestern noch zugejubelt hatten. Und nicht nur die! In etwa 9000 Menschen, diesmal auch viele Frauen unter ihnen, hatten den Weg ins Stadion gefunden. Und sie sollten nicht enttäuscht werden.
Ein munteres Spiel mit vielen schönen Spielzügen entwickelte sich von der ersten Minute an, mit vielen Chancen vor allem auf Jenaer Seite, die jedoch sträflich unter anderem freistehend vor dem Tor vergeben wurden. Zum Glück rächte sich dies nicht bei dem ein oder anderen Vorstoß der Gastgeberinnen, die zunächst nur durch weitgeschlagene Bälle oder Ungenauigkeiten in unserem Passspiel zu Chancen kamen. Die Spielerinnen des PFC Sevinch wirkten zunächst ein wenig überrascht von der Jenaer Spielstärke. Immerhin waren sie Mittelasienmeister und seit Langem ungeschlagen. Anscheinend gab es für den PFC Sevinch in letzter Zeit keine Mannschaft, die ihnen Paroli bieten konnte, dies sollte sich heute ändern. Erst nach dem 1:0 Kopfballtor durch Saskia Lehnert nach Flanke von Laura Brosius fingen sich die Gastgeberinnen und das Spiel wurde ein wenig ausgeglichener, wenngleich wir weiterhin große Torchancen hatten, die leider ungenutzt blieben.
Ein ähnliches Bild bot sich in der zweiten Halbzeit, wobei die Sevincher Damen immer stärker worden und sogar ausgleichen hätten können. Am Ende hieß es dann aber 3:0 nach Toren von Lisa Seiler und Klara Muhle, die einen Foulelfmeter in der Nachspielzeit sicher verwandelte. Sichtlich enttäuscht von der Niederlage verließen die Gastgeberinnen das Stadion, während wir geschafft vom Spiel und dem anstrengenden Tag noch etwas im nun leeren Stadion verweilten, um auf dem schönen Rasen barfuß auszulaufen, währenddessen das Flutlicht langsam abgeschaltet wurde. Eine schöne Stimmung, die wir noch einmal genossen, denn morgen würden wir Kashi und somit auch das Stadion in Richtung Samarkand verlassen.
Doch zunächst stand eine Art "Gala-Diner" mit dem Präsidenten des usbekischen Frauenfußballs und einigen anderen Offiziellen an und so wählten wir für unsere Abendgarderobe entsprechend elegant. Nötig wäre dies nicht unbedingt gewesen, da die Spielerinnen des PFC Sevinch in einheitlicher Präsentations-Sport-Kleidung erschienen. So wurden wir bei unserer Ankunft ein wenig gemustert. Die Gesichter der noch etwas zermürbt von der Niederlage erscheinenden Sevincher Spielerinnen heiterten sich schnell auf und so wurde nach dem Essen sogar getanzt. Wir, zunächst etwas zögerlich, kamen auch immer mehr in Tanzlaune und probierten sogar usbekischen Wodka. Höhepunkt war dann sicherlich auch die Ausstattung der kompletten Mannschaft mit traditionell usbekischer Kleidung. Danach tanzten und lachten wir mit Trainern, Botschaftern und dem Präsidenten bis tief in die Nacht hinein.
4.Tag, Donnerstag, 26.05.2011 Sicherlich der langen Nacht geschuldet, sah man am Morgen beim Frühstück vor allem in müde Gesichter, einige ließen es vorsorglich sogar lieber aus. Sich erholen und schlafen konnte man dann während der dreistündigen Busfahrt von Karschi nach Samarkand und die meisten nahmen dies auch dankend an. An der anschließenden Stadtführung durch Samarkand konnten leider drei unserer Spielerinnen nicht teilnehmen - der Grund: Magen-Darm-Beschwerden. Laut Frau Kortemeyer, der Botschaftsverantwortlichen für Kultur, die uns die ganze Woche über bergleitete, leiden 80 Prozent der Usbekistan-Reisenden an derartigen Beschwerden. "Da sind wir ja mit unserer Quote noch ganz gut", fügte sie mit einem Schmunzeln hinzu. Zum Glück sollte es den drei Betroffenen aber am nächsten Tag schon wieder besser gehen. Während diese im Bett neue Kraft tanken konnten, besuchte der Rest der Mannschaft die beiden größten Samarkander Moscheen. Bei einer der beiden Moscheen, auf einem Berg gelegen und Wallfahrtsort, ist es eine Art Brauch die Stufen beim Hinauf- und Heruntergehen zu zählen. Kommt man dabei zweimal auf die gleiche Summe, so sei man sündenfrei. "Ich zähle nicht, da komme ich nicht in Versuchung!", war dazu das Statement unseres Trainers. Wer richtig gezählt hatte, der kam auf 40 Stufen...oder je nachdem auf 39...oder 41=) Den restlichen Abend genoss man dann noch bei Tee und Kirschen auf der hoteleigenen Terrasse, beobachtete die untergehende Sonne, unterhielt sich angeregt oder lauschte den Geräuschen der 500.000 Einwohnern fassenden Stadt...
5. Tag, Freitag, 27.05.2011 Ein weiterer Girlsday sollte uns am Freitag erwarten. Nicht schlecht staunten wir bei der Einfahrt in das 20.000 Mann fassende Stadion; volle Ränge!!! Dabei sollten wir doch nur mit den interessierten Frauen und Mädchen ein paar Übungen machen, ein bisschen Fußball spielen und in die Kameras lächeln. Da zusätzlich jedoch auch noch der Gouverneur anwesend war, wurde die für uns wohl eher in die Kategorie Spaß-Training fallende Veranstaltung kurzerhand zur Pflichtveranstaltung für alle StudentInnen und SchülerInnen der Umgebung Samarkand erklärt. Etwas eigenwillige Maßnahmen sicherlich, jedoch hatten wir so die Chance, das erste Mal seit dem Pokalfinale 2010 vor einer fünfstelligen Zuschauerkulisse zu spielen. Und die zahlreich-anwesenden Jugendlichen und Erwachsenen in ihren Schul- und Studienuniformen hatten allem Anschein auch nichts gegen einen gemütlichen Fußball-Vormittag, anstatt die Schulbank zu drücken und so wurden wir beim Betreten des Fußballplatzes euphorisch bejubelt, was in uns schon das ein oder andere ungläubige Lächeln auslöste; ist eine derartige Kulisse wohl eher die Seltenheit im deutschen Frauenfußball - aber dort kommen die Zuschauer ja auch freiwillig :-). Eine gute Stunde lang versuchten wir fortan an verschieden Stationen den in etwa gleichalten Fußballerinnen noch ein paar Tricks oder Übungen zu zeigen, wurden aber gegen Ende hin immer häufiger von den Kameras und "Autogrammjägern" in Beschlag genommen. Nach den anschließenden Reden konnten wir dann endlich selbst aktiv werden. So spielten wir eine Halbzeit a' 15 Minuten gegen den ansässigen Samarkander Frauenfußballclub, der in der abgelaufenen Spielzeit der 1. usbekischen Frauenliga den vierten Platz belegte. Bejubeln konnten die etwa 17.000 Zuschauer trotz des offensichtlichen Klassenunterschiedes lediglich den 1:0-Treffer durch Saskia Lehnert kurz vor Ende der 1. Halbzeit.
Die heiße Mittagszone zollte sicherlich auch ihren Tribut an der Konzentration im Abschluss, denn Chancen hatte man einmal mehr für drei Spiele. In der zweiten Halbzeit wurden die Teams dann durchgemischt. Allgemein stand der Spaß an diesem Vormittag im Vordergrund. Danach hieß es für uns fünf Stunden Busfahrt zurück nach Taschkent. Es wurde die bereits schon gewohnte unruhige Angelegenheit. Belohnt wurden wir nach der Fahrt mit italienischem Essen. Die Pizzen in verschiedenen Variationen und der Schokoladenkuchen zum Dessert waren für viele eine gelungene Abwechslung nach 5 Tagen einheimischem Essen. Der weitere Abend wurde erneut gemütlich gestaltet, so traf man sich zum Entspannen und Quatschen in der Lobby oder im Hotelinnenhof oder erkundigte noch kurz das ein oder andere Café. Am nächsten Tag sollte schließlich das nächste und damit letzte Freundschaftsspiel gegen die Frauen der usbekischen Olympischen Frauenfußballnationalmannschaft an, die sicherlich die Niederlage vom vergangenem Mittwoch nicht auf sich beruhen lassen wollen, wird doch die nahezu komplette Mannschaft des FC Sevinch auf dem Platz stehen.
6. Tag, Samstag, 28.05.2011 Der Morgen vor dem Spiel wurde erneut gefüllt mit einem Girlsday bei nahezu unerträglicher Hitze. Währenddessen unserer Trainer die etwa 14 bis 24 Jahre alten Spielerinnen bei einer Art Probetraining über den Kunstrasen rennen ließ, hatten wir ein wenig Zeit, um die lange Busreise vom vergangenen Nachmittag aus den Knochen zu bekommen, indem wir ein wenig jonglierten oder locker über den Platz trabten. Wie bei den beiden anderen Girlsday-Veranstaltungen zuvor, war auch diesmal das Torwand- bzw. Elfmeterschießen, dass nach Daniel Kraus' Training stattfand, sehr beliebt. Es wurde aber auch Kleinfeld-Fußball gespielt, wobei da einige Spielerinnen der Taschkenter Mannschaften durch technische Versiertheit auffielen, nicht umsonst war hier Futsal sehr beliebt.
Vor Beginn des Girlsdays hatten wir bereits das anliegende Fußballmuseum des usbekischen Fußballverbandes UFF besichtigt, das neben zahlreichen Portraits bekannter Spieler und Funktionären auch alle gesammelten, internationalen Auszeichnungen und Pokale usbekischer Club- und Nationalmannschaften enthielt. Auch das Büro des Präsidenten durften wir besuchen, bevor wir dann zu einem Mannschaftsfoto zusammen kamen. Gut möglich, dass dort, wo jetzt zahlreiche Fotos von usbekischen Fußballidolen, von europäischen Fußballgrößen wie Lionel Messi, David Villa, Christiano Ronaldo bis hin zu Sepp Blatter hängen, auch bald ein kleiner Platz für die Frauenmannschaft des USV Jena gefunden wird; es wäre uns eine Ehre. Doch nun hieß es erst einmal, sich schick zu machen für das Mittagessen in der Residenz des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland in Usbekistan, Wolfgang Neuen. Die zahlreich anwesenden Diplomaten, Funktionäre und Gäste staunten sicherlich nicht schlecht, als wir nahezu ohne Ausnahme in Kleidern vor ihnen standen. Und überraschen wollten wir sie auch am Abend mit unserer Spielweise. So wurde unter anderem bei Pasta mit Tomatensoße Energie für das Spiel getankt, währenddessen man mit Botschaftern, dem usbekischen Frauenfußball-Vize-Präsidenten oder anderen das Gespräch suchte.
Nach einer leider viel zu kurzen Mittagspause von nur 45 Minuten ging es auf den Weg zum Stadion. Das Glück war uns an diesem Tag wohl nicht so hold und so mussten einige Spielerinnen angeschlagen aufgrund von Magen-Darm-Problemen ins Spiel gehen, auf Carolin Schiewe musste sogar ganz verzichtet werden. Dies sollte jedoch kein Grund sein, um dieses Spiel verloren zu geben. Das frühe 1:0 durch Lisa Seiler nach vier Minuten lies mehr hoffen, jedoch sollte eine Anknüpfung an die Leistung vom vergangenen Spiel nicht gelingen. Die im Vergleich zum letzten Mal wesentlich besser taktisch eingestellten Usbekinnen hatten sogar die höheren Spielanteile, dennoch sollte ihnen ein Treffer, der durchaus verdient und vor allem mehr als nur einmal möglich gewesen wäre, nicht gelingen. Das Kopfballtor durch meine Schwester Sylvia in der Mitte der zweiten Halbzeit markierte dann den Endstand zum 2:0. Sichtlich enttäuscht über die für unsere Möglichkeiten schlechte Leistung saßen wir nach dem Spiel noch ein wenig auf dem Rasen. Unser kleiner Fanblock freute sich trotzdem über das gewonnene Spiel, dass wieder viele Menschen live vor dem Fernseher verfolgen konnten. In der Halbzeitpause des am Abend stattfindenden Champions League Finales wurde beim usbekischen Sportkanal sogar noch einmal ein Spielbericht gezeigt.
Wahnsinn, wie viele Menschen dieses Projekt der deutschen Botschaft erreichen konnte, wenn man bedenkt, dass sonst im Schnitt circa 500 Menschen bei den von der deutschen Botschaft durchgeführten Projekten erreicht wird. Da erkennt man einmal mehr die Faszination und die völkerverbindende Kraft, die von Fußball ausgehen kann. Es ist schön, ein Teil dessen zu sein und so vergaßen wir unseren Ärger und genossen den Abend gemeinsam mit den usbekischen Spielerinnen und zahlreichen weiteren Gästen bei köstlichem Buffet auf Einladung von Frau Kortemeyer. Und Daniel Kraus hatte recht, als er sagte, dass man sich mit den zwei Siegen stolz aus Usbekistan verabschieden kann.
7 . Tag, Sonntag, 29.05.2011 Am siebten und so gut wie letzten Tag in Taschkent konnten wir zunächst ausschlafen und uns von den "Strapazen" der letzten Tage erholen, bevor wir dann zur Stadttour aufbrachen. Neben dem Besuch einer ca. 120 Studenten umfassenden Iman-Ausbildungsstätte, stand auch das Schlendern über den taschkenter Lebensmittel- und Kunsthandwerkmarkt auf der Tagesordnung. Andere Länder, andere Sitten, und so konnten wir so einiges für uns Skurriles bestaunen: in Bergen gehäufte, gekochte Nudeln, die mit der Hand abgepackt wurden (oder auch nur hochgehoben, wenn keine Kundschaft in Sicht war), in Papier eingewickelte riesige, rohe Fleischstücke, die mit dem Leiterwagen durch die pralle Sonne geschoben wurden, Stapel mit Hühnereiern unbestimmbaren Alters, aus dem Automaten tropfendes Softeis inklusive einiger Fliegen; Früchte, Gemüse und Getreideprodukte im Übermaß. Für den europäischen Magen wäre das ein oder andere wohl nicht ohne Folgen gewesen, hier jedoch ist man allem Anschein nach so einiges gewöhnt. Wir entschieden uns dann aber trotz des durchaus auch schmackhaften Aussehens der Lebensmittel dafür, mit Ausnahme von ein paar Gewürzen, auf jegliche weitere Kaufhandlung zu verzichten.
Weiter ging es dann zum Kunsthandwerksmarkt. Dort wurde gerade in aller Öffentlichkeit ein usbekisches Musikvideo gedreht. Die Klänge waren eingängig, die Tänzerinnen in ihren bunt-schrillen Kostümen wirkten jedoch noch nicht ganz eingespielt, amüsant war es für uns aber allemal. Mit dem ein oder anderen Geschenk für Familie und Freunde verließen wir dann den Markt und fanden uns nach dem Mittagessen wieder bei Frau Kortemeyer ein, die zu Kaffee und Kuchen zusammen mit usbekischen Deutsch-Studentinnen einlud. Erstaunt waren wir von den guten Deutschkenntnissen der Studentinnen - einer lockeren Runde ohne größere Verständnisschwierigkeiten stand nichts im Wege. So nutzten einige die Chance, mehr über das usbekische Jugend-, Alltags- und Familienleben, Glaubensfragen und nicht zuletzt etwas über die jungen Frauen selbst zu erfahren. Es war eine sehr gemütliche und interessante Runde, bei der auch viel gelacht wurde. Und an den Deutschliteraturkenntnissen der jungen Usbekinnen, die Thomas Mann, Goethe und Heine zu ihren Lieblingsschriftstellern zählten, kann sich sicherlich die ein oder andere ein Beispiel nehmen :-). Zum Abschluss wurden natürlich noch ein paar Fotos geschossen und E-Mail-Adressen ausgetauscht. Und eben das ist es, worum es nicht zuletzt bei dieser Reise ging - um internationale Freundschaft, den kulturellen Austausch über Landes- und Glaubensgrenzen hinweg und den offenen und toleranten Umgang miteinander, denn nur so können wir lernen, andere zu verstehen und Vorurteile abzubauen.
8. Tag, Montag, 30.05.2011 Nachdem wir den letzten Abend noch gemütlich in der Shisha-Bar ausklingen lassen, alle Koffer mehr oder weniger hektisch zusammengepackt und uns vielleicht noch ein Stündchen Schlaf gegönnt hatten, trafen wir uns gegen halb vier in der Nacht zur Abfahrt zum Flughafen. Auch wenn wir Usbekistan sehr ins Herz geschlossen hatten, freuten wir uns sehr darauf, endlich wieder im eigenen Bett zu schlafen und die gewohnten Orte unseres alltäglichen Lebens zu besuchen. So weit weg von zuhause erkennt man manchmal vielleicht umso deutlicher, wie schön es in der Heimat ist und wie gut es einem dort geht und wie nichtig die Problemchen eigentlich sind, die uns manchmal so groß erscheinen. Während des sechsstündigen Fluges hatten wir genügend Zeit, all die neuen Eindrücke und Erkenntnisse zu verarbeiten und uns vorzubereiten auf den ganz normalen "Wahnsinn", der uns zurück in Deutschland erwarten würde nach unserer Ankunft auf dem Flughafen in Frankfurt traten wir in strahlenden Sonnenschein, den wir nur allzu gut von Usbekistan gewohnt waren. Und dieser kann auch gerne bleiben...
Angekommen sind wir nun wieder in Deutschland, bei Studium, Schule und Beruf. Usbekistan liegt nun wieder in weiter Ferne, aber nicht so schnell loslassen werden uns die dort gemachten Erfahrungen und Begegnungen und vielleicht haben wir sogar nun etwas veränderte, offenere Denk- und Sichtweisen auf die muslimische Welt und die Menschen, die in ihr leben. Denn sicherlich haben wir aus Usbekistan mehr mitgenommen als nur Fotos und Souvenirs. Am Ende steht das gute sportliche Ergebnis von zwei Siegen, die für den USV Jena als großer Erfolg verbucht werden können, die aber für Usbekistan sicherlich schmerzlich waren. Vielleicht aber waren sie das richtige Signal zur richtigen Zeit. Im nächsten Jahr findet die U20 Weltmeisterschaft in Usbekistan statt, vielleicht der ideale Zeitpunkt für das usbekische Team zu sehen, dass noch einiges an Arbeit vor ihnen liegt, um im internationalen Vergleich zu bestehen. Es bleibt zu hoffen, dass die usbekischen Fußballfrauen die beiden Spiele als Anreiz sehen, sich weiter zu verbessern, sodass die Juniorinnen-WM sogar möglicherweise der erste richtig große Erfolg auf internationaler Ebene wird. Wir wünschen an dieser Stelle viel Glück. An vielen jungen und talentierten Spielerinnen mangelte es im Lande ja nicht, wie wir sehen konnten. Und auch die Begeisterung der Bevölkerung ist deutlich zu spüren. Es war schön, Teil dieser wunderbaren Reise zu sein. In diesem Sinne einen herzlichen Dank an die deutsche Botschaft Usbekistan, an den usbekischen Fußballverband und an alle, die diese Reise für uns erst möglich gemacht haben. Wir hoffen, dass wir durch unseren Aufenthalt nicht nur zur weiteren Entwicklung und Förderung des Frauenfußballs beitragen können, sondern auch dazu, dass vor allem Frauen und Mädchen über den Sport und auch generell die Möglichkeit haben, in eine noch perspektivenreichere Zukunft zu blicken als es vielleicht jetzt (noch) der Fall ist. (Gruppenfoto Deutsche Botschaft Taschkent)
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