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Frauenfußball international

Historischer Sieg für den palästinensischen Frauenfußball

Palästina implementiert die erste eigene Frauenfußball-Liga

Text von Marion Kehren, Fotos von Antoine Tardy/UNOSDP


04. April 2011 - Manche mögen es ein Wunder nennen, aber das was vor 1,5 Monaten in Palästina geschah grenzt fast an ein Wunder! Nach vielen Jahren der Entbehrungen und Rückschläge in diesem doch recht heiklen und politischen Landstreifen, hat man es nun endlich geschafft und die erste eigene Frauenfußball-Liga ins Leben gerufen.

Ausgelassene Freude bei der SG Essen-Schönebeck nach dem Klassenerhalt

Ein Traum wird wahr - Vor mehr als 11.000 Zuschauern findet das erste Frauenfußballspiel im Ligabetrieb in Palästina statt.

Für manch einen mag dieses Ereignis nichts Besonderes sein, aber in einem Land, welches durchweg immer mit zu den größten Unruheherden im Mittleren Osten gilt, ist dieses schon ein Quantensprung. Während die Nationalmannschaft der Frauen sich bereits, ebenfalls nach vielen Jahren Arbeit, einen festen Stammplatz ergattert hat, führten die Kickerinnen im Ligabetrieb ein eher tristes Fußballerleben in Indoorhallen und spielten dort 5 gegen 5. Dank einiger verwegener Spielerinnen, dem palästinensischen Fußballverband, der FIFA und nicht zuletzt durch die Bemühungen von Dr. Willi Lemke (Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport im Dienste von Frieden und Entwicklung) konnte nun ein weiterer Schritt in die Frauenfußball- Normalität unternommen werden.

Vor gut 11.000 (!!!) Zuschauern wurde am 10. Februar 2011 im Feisal Al Husseini Stadium in Al Ram in den West Banks eine neue Form des Frauenfußballs eingeweiht. Von nun an wird es nicht nur eine Frauenliga geben, sondern die Spiele werden alle in Stadien und auf Rasen ausgetragen. Zwar wird der Übergang von Indoor auf Outdoor nicht ganz reibungslos verlaufen, zumal jetzt auch 11 gegen 11 gespielt werden wird, aber die Spielerinnen sind zuversichtlich und wollen ihre Chancen nutzen. Die Ehre das Eröffnungsspiel zu bestreiten hatten dabei die erst- und zweitplatzierten Teams der Hallensaison 2010: Sareiat YMCA Ramallah und Deyara Bethlehem. Bethlehem siegte in dieser Partie übrigens mit 2:0, aber am Ende gab es nicht wirklich traurige Gesichter, ganz im Gegenteil. Alle Verantwortlichen sind sich sicher: Das ist ein riesiger Schritt in der Entwicklung des palästinensischen Frauenfußballs!

Natürlich gibt es, genau wie in anderen arabischen Ländern, auch hier den Konflikt zwischen religiösen Ansichten und der Erziehung. In vielen Familien ist Frauenfußball immer noch ein Tabuthema, aber auch die politischen Umstände erschweren ein Leben unter „normalen“ Umständen und mit diesen muss sich auch der Männerfußball herum schlagen. Dennoch sind alle froh und glücklich über diesen riesigen historischen Schritt. Der Chef des palästinensischen Fußballverbandes Jibril Rajub beschreibt diese aktuelle Situation als eine soziale, politische und sportliche Revolution für Frauen!

Die neue Liga beinhaltet im ersten Jahr 6 Vereine, die ihren Meister innerhalb von 10 Partien ausspielen werden. Dabei schüttet der palästinensische Fußballverband eine Sonderförderung von 10.000US$ aus. Aber auch die Teams (insgesamt 10), die weiterhin in der Hallenliga spielen gehen dabei nicht leer aus, sie erhalten immerhin noch 5.000US$ pro Mannschaft. Neben den beiden bereits genannten Teams Sareiat YMCA Ramallah und Deyara Bethlehem sind noch Al Rouha Beit Jala-Beit Sarour, Shabat Al Hasimyia Jerusalem, Al Assawayia Jerusalem and Baladana Jericho /Ariha mit in der neugeschaffenen Liga.

Das was die nationale Liga jetzt erlebt hat die die Frauen-Nationalmannschaft schon längere Zeit hinter sich. Immer häufiger nimmt diese inzwischen an regionalen Wettbewerben und Turnieren auf kontinentaler Ebene teil. Das Ziel einmal an einem großen FIFA Turnier teilzunehmen rückt immer näher, da sich die Qualität des A-Kaders in den letzten Jahren deutlich verbessert hat. Nächster großer Schritt ist die Austragung von Spielen im eigenen Land und das wird nicht mehr lange auf sich warten lassen; denn bald steht die Olympiaqualifikation an und Thailand wird der erste Gegner auf heimischem Boden sein.



Bild 1:
Frenetische Anfeuerung der Fans und gute Stimmung sorgten für einen tollen Rahmen dieses historischen Events.

Bild 2:
Nach Ende der Partie gab es riesigen Jubel bei den Spielerinnen, die sich kaum vor der Presse retten konnten.



Weitere Informationen zur Arbeit der UN findet ihr unter: www.un.org/sport



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