Von Christian Heidler 6.10.2005
Island, das ist das Land der Gletscher und Geysire, die Heimat von Sängerin Björk und Literaturnobelpreisträger Halldor Laxness und - soweit man daran glaubt – das Reich der Kobolde und Elfen. Fußball dagegen wird nicht so schnell mit der großen Insel im Nordatlantik in Verbindung gebracht. Kein Wunder, konnte Island doch bisher keine großen internationalen Erfolge ver- buchen. Dabei ist Fußball durchaus ein beliebter Volks- sport bei den etwa 293.000 Einwohnern und kann auf eine lange Geschichte verweisen.
Der erste Fußballklub wurde bereits 1899 auf der damals noch zu Dänemark gehörenden Insel gegründet und schlicht KR benannt, was soviel wie Fußballverein Reykjavik bedeutet. Zum Ausspielen einer Meisterschaft bedurfte es freilich noch der Gegner, was etwas auf sich warten ließ. Erst 1912 gab es zwei Konkurrenten in Reykjavik, so daß KR gegen Fram den ersten Titel gewinnen konnte. Drei Jahre nach der Unabhängigkeit wurde 1947 der Isländische Fußball- verband gegründet und sogleich Mitglied der FIFA. Auch wenn es die Landesauswahl der Nordmänner nie zu einem großen Turnier schaffte, brachte der Fußballzwerg doch über die Jahre den ein oder anderen guten Spieler hervor. Atli Etvaldsson, Eyjólfur „Jolli“ Sverrisson und der aktuelle Trainer der Männernationalmannschaft Ásgeir Sigurvinsson sind sicherlich noch aus der deutschen Bundesliga bekannt. Das große Vorbild der isländischen Jugend ist derzeit aber Eidur Gudjohnson vom englischen Starklub FC Chelsea.
Das Nationalteam: Nr. 17 in der Welt
Ähnlich wie in den anderen nordischen Staaten schafften die Frauen Ende der 70er Jahre den Sprung zur Anerkennung im Fußball. Seit 1981 gibt es eine Frauennationalmannschaft, die bis heute annähernd 100 Länderspiele ausgetragen hat. In der 124 Nationen umfassenden Weltrang- liste von September 2005 belegen die Frauen aus Island Rang 17 und verbesserten sich dabei um einen Tabellenplatz. Gleichzeitig ist Island damit die Nr. 10 in Europa. Für große internationale Turniere vermochte sich das Land bisher jedoch noch nicht zu qualifizieren. Auch bei der EM in England 2005 waren die isländischen Frauen nicht dabei. In der Qualifikationsgruppe 3 landete die seinerzeit von Helena Olafsdottir betreute Auswahl auf Platz drei hinter Frankreich und Rußland und vor Ungarn und Polen. Dieser dritte Rang berechtigte aber immerhin zu zwei Play Off-Spielen gegen Norwegen. Im November 2004 folgte nach der 2:7-Schlappe im Heimspiel dann in Oslo eine moderate 1:2-Niederlage unter der Leitung der deutschen Schieds- richterin Christine Frei.
Zuvor war Island zweifacher Gegner der USA auf deren nacholympischen Abschiedstournee für Mia Hamm & Co. Dabei konnte insbesondere mit der 3:4-Niederlage in Rochester am 25.09.04 ein achtbares Ergebnis verzeichnet werden. Vier Tage später in Pittsburgh unterlagen die Wikingerinnen dann aber klar mit 0:3. Das Jahr 2005 wurde mit zwei Freundschaftsspielen in der Fremde eingeläutet. Zunächst konnte Island im Mai mit seinem neuen Auswahltrainer Jörundur Aki Sveinsson 2:0 über Schottland obsiegen um dann im Juli erneut gegen die USA zu verlieren (0:3). Sveinsson, der bereits 2001-2002 für die Frauenauswahl verant- wortlich war und auch Erfahrung als Trainer von Männerteams besitzt, konnte nach dieser Vorbereitung in die Qualifikation zur Weltmeister- schaft 2007 in China einsteigen. Am 21.08. wurde der Auftakt gegen Weißrußland mit 3:0 deutlich gewonnen, ehe es eine Woche später zum Gruppenfavoriten nach Schweden ging. Die Partie in Karlskoga war das Debüt von Thomas Dennerby auf der schwedischen Trainerbank. Seine Vorgängerein Marika Domanski- Lyfors hatte bereits nach der Auslosung der Gruppe 2 gewarnt, Island würde der schärfste Konkurrent für das Drei - Kronen - Team sein. Tatsächlich reichte eine zweimalige Führung nicht zum Sieg des Vizeweltmeisters, da Asthildur Helgadottir und Margret Lara Vidarsdottir in dem von Bibiana Steinhaus geleiteten Spiel jeweils ausgleichen konnten. Nach diesem überraschenden 2:2 wurde das isländische Team einen Monat später im tschechischen Kovare wieder auf den Boden der Tatsachen geholt, als man sich mit 0:1 den Gastgebern geschlagen geben mußte. Punktgleich hinter Schweden und vor Tschechien rangiert Island derzeit auf Position zwei der Qualifikationsgruppe,
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Asthildur Helgadottir freut sich über ein Tor für Malmö. Genauso gern jubelt die Isländerin über Tore im Nationaltrikot
Bild: Urszula Striner
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die durch Weißrußland und das bisher noch spielfreie Portugal vervoll- ständigt wird. Erst im Mai 2006 steht das nächste Pflichtspiel für Island an.
Ein wichtiger Pfeiler in Sveinssons Team wird weiterhin (Ersatz-)Kapitän Erla Hendriks- dottir sein. Sie hat schon mehr als 50 Länderspiele bestritten und steht seit September 2004 beim dänischen Erstligisten Skovlunde IF unter Vertrag. Große Hoffnungen weckt die junge Stürmerin Margret Lara Vidarsdottir von Valur Reykjavik, 2004 (noch für IBV) und 2005 jeweils Torschützenkönigin in der isländischen Liga. Auch in der Nationalmannschaft stellte sie schon ihr Können unter Beweis. Von besonderer Wichtigkeit ist die routinierteste Auswahlspielerin Islands, Asthildur Helgadottir. Nach einer langwierigen Verletzung stürmt „Asta“ wieder erfolgreich für den schwedischen Erstligisten Malmö FF und nun auch wieder mit der Kapitänsbinde in der Nationalelf.
Die Vereine: Höhenflug der „Falken“
Aufgrund des frühen Winter- einbruchs dauert die Freiluftsaison bei den Frauen, die nach dem Kalenderjahr ausgetragen wird, nur von Mitte Mai bis Anfang September. Das letzte bedeutende Vereinsmatch wurde mit dem Pokalendspiel zwischen Breiðablik und KR am 10.09. bestritten. Breiðablik sicherte sich den Titel durch ein 4:1 und errang damit auch das Double. Denn in der nur acht Mannschaften umfassenden ersten Liga hatten die Vorjahres- vierten aus Kopavogur zuvor ungeschlagen mit nur einer Punkteteilung gegen KR die Meisterschaft gewonnen. Sie entthronten damit den Meister Valur aus der Hauptstadt. Der Titelverteidiger besaß zwar den besten Sturm der Liga, mußte sich aber zweimal dem neuen Champion geschlagen geben. Somit reichte es sowohl für die Frauen wie für die Männer von Valur 2005 nur zur Vizemeisterschaft. Dritter wurden die Pokalsiegerinnen von 2004, das Team IBV von den Westmännerinseln.
International konnten die isländischen Meister lange nicht überzeugen. Im UEFA Womens Cup kamen Islands Meisterinnen von KR oder Breiðablik nie über die Gruppenphase hinaus. Doch Valur Reykjavik machte es diese Saison besser. In der ersten Qualifi- kationsrunde schlugen die „Falken“ im August nicht nur die Konkurrenten FC United Jakobstad/ Pietarsaari (Finnland) und Pärnu JK (Estland), sondern gleich zum Auftakt überraschend auch Norwegens Meister Røa Idrettslag Oslo mit 4:1. Als Gruppensieger für die 2. Runde qualifiziert schlug sich Valur auch in Stockholm achtbar. Gegen Schwedens Meister Djurgården/Alvsjö wurde knapp mit 1:2 verloren, doch die Gruppenspiele gegen ZFK Masinac – Classic Nis aus Serbien und KTZH Alma Ata aus Kasachstan konnten mit 3:0 bzw. 8:0 deutlich für sich entschieden werden. Mit insgesamt 10 Treffern aus beiden Qualifikationsrunden war Margret Lara Vidarsdottir maßgeblich am Erfolg ihrer jungen Mannschaft beteiligt.
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Im Viertelfinale empfängt das mit Nationalspielerinnen gut bestückte Team am 9.10. Turbine Potsdam. Gegen den Titelverteidiger aus Deutschland sind die Isländerinnen natürlich krasser Außenseiter. Nach dem Rückspiel im Babelsberger Karl - Liebknecht - Stadion am 16.10. dürfte für Valur das schöne Erlebnis UEFA-Cup sein Ende gefunden haben. Doch schon jetzt wurde eine Marke gesetzt, die für den neuen Meister Breiðablik in der UEFA-Cup-Saison 2006/2007 nur schwer zu überbieten sein wird.
Turbine und Valur sind zwar bislang noch nicht aufeinander getroffen, dennoch haben einige Spielerinnen der beiden Vereine schon die Klingen miteinander gekreuzt. Bei den letzten beiden Ländervergleichen im Rahmen der EM-Qualifikation 2001 stand auf deutscher Seite mit Ariane Hingst auch eine Spielerin aus Potsdam auf dem Feld. Beim 6:0 in Kopavogur steuerte Ari den Treffer zum 2:0 bei, während auf der Gegenseite Rakel Logadóttir spielte.
Turbine Potsdams Jennifer Zietz wird im Uefa-Cup einige isländische Spielerinnen wiedertreffen, denen sie bereits mit der U21 Nationalmannschaft gegenüber- stand.
Bild: Tom Schlimme
Insbesondere mit den U 21-Mannschaften begegneten sich schon Spielerinnen beider Klubs. Als Ende Juli 2004 im Norden der Insel der Nordic-Cup, die inoffizielle U 21 Weltmeisterschaft, ausgetragen wurde, standen sich beide Nationalteams im Spiel um Platz 5 gegenüber. Bei der 5:6 Niederlage im Elfmeterschießen waren von Potsdamer Seite Jennifer Zietz und Annelie Brendel mit von der Partie. Auf isländischer Seite spielten sieben Spielerinnen, die derzeit bei Valur aktiv sind. Beim diesjährigen Nordic Cup in Schweden siegte dagegen Deutschland klar mit 4:1, woran auch die Turbine-Spielerinnen Jennifer Zietz und Karolin Thomas Anteil hatten. Valurs Stürmerin Vidarsdottir hatte für den zwischenzeitlichen Ausgleich gesorgt.
Wenn Island es schafft seine gute Position im internationalen Frauenfußball zu halten, werden wir bestimmt noch öfter von isländischen Spielerinnen und Mannschaften hören.
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