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01. Dezember 2011
Text von Rainer Fußgänger
Wenn man sich für den internationalen Frauenfußball interessiert, dann weiß man mit welch hohen Erwartungen die Wiederauferstehung einer US-amerikanischen Profiliga WPS behaftet war. 2007 bezeichnete sich die hiesige Damallsvenskan in Schweden noch als beste Liga der Welt, Marta spielte in Umeå und alles war in bester Ordnung. Aber aus den USA klang Verlockendes über den großen Teich und viele Spielerinnen aus Europa folgten diesem Ruf.
Nach dem Ende der WUSA im Jahr 2003 wolle man es wieder versuchen ... Und in den USA, das hatte man von denen gehört die dabei gewesen waren, herrschten damals angeblich wirklich gute und professionelle Bedingungen. Da konnte man das sein, wonach man sich in Europa zumeist vergeblich sehnte: Nur noch Fußballerin! Durch die tollen Rahmenbedingungen sollte es möglich sein sein eigenens Talent voll auszuschöpfen und gleichzeitig mit den besten Kickerinnen der Welt zusammen spielen zu können und das nicht nur vor wenigen Zuschauern, sondern von einigen Tausend in New York oder Los Angeles. Kann es für eine Spielerin was Schöneres geben?
Die WPS kam, Marta ging nach Amerika, Umeå sackte ab, aber nicht nur deswegen. Auf einmal hatte die USA die weltbeste Liga. Mit Stars wie Abby Wambach, Hope Solo und der von den Fans heißgeliebten Alex Morgan, der schillernden Tasha Kai, die jetzt kurzfristig wenigstens (?) zum Rugby gewechselt ist oder der Spanierin Vero Boquete, die mal eben Most Valuable Player wurde und deren Namen sogar Silvia Neid inzwischen kennen durfte, nachdem Boquete wesentlich dazu beitrug, dem amtierenden Dauereuropameister mal wieder einen Punkt in einer Qualifikation abzunehmen.
Jetzt aber läuft die Uhr und sie läuft zumindest im Moment gegen die WPS. Denn die US Soccer Federation hat nun mal in ihren Statuten stehen, dass eine Profiliga, die von ihr gebilligt wird, mindestens acht Teams haben muss. Was ja auch Sinn macht, denn sie soll sportlich attraktiv sein für das Publikum, die Medien und auch die Spielerinnen. Die WPS hatte ein paar Monate lang acht Teams, das ist lange her, es dauerte nur ein paar Monate, dann meldete St. Louis Athletica sich mitten in der Saison ab und da waren’s nur noch sieben. In diesem Jahr meldeten sich nur noch sechs Teams und die hätten es bleiben können, wenn die WPS es nicht selbst anders gewollt hätte. Denn den Multimillionär Dan Borislow mochte man nicht im Kreis der anderen Eigentümer und sein magicJack wurde herausgeschmissen. Zwar versucht sich Borislow jetzt vor einem Zivilgericht in Florida wieder einzuklagen, aber wenn ihm das gelänge, dann hätten die anderen keine Lust mehr … heißt es.
Viel schwerer wiegt jedoch die Auflage der US Soccer Federation bis zum 05.12. wenigstens ein sechstes Team zu finden - ohne dies keine Billigung. Ohne Billigung könnte man zwar auch spielen, aber angeblich könnten die USWNT-Spielerinnen, die amerikanischen Nationalspielerinnen, nicht mehr in dieser Liga antreten, da es in diesem Falle wohl Ärger mit der FIFA geben würde. Das soll im Übrigen auch für die ausländischen Nationalspielerinnen gelten, wie z.B. für Marta (gerade von Sky Blue verpflichtete) und der Weltklasseholländerin Manon Melis, die sich sehr auf ihr Abenteuer in den Staaten freut.
Auf Twitter finden zurzeit heftige Diskussionen statt. Hier ein paar prominente Stimmen:
„Bitte alle, die mir folgen, nehmt euch ein bisschen Zeit und sagt US Soccer, wie wichtig die WPS für euch, eure Kinder und eure Freunde ist, bittet den Verband die Liga zu billigen.“ (Becky Sauerbrunn (25), amerikanische Nationalspielerin, zuletzt magicJack)
Wir alle können ein bisschen mehr tun, um die WPS zu retten.“ (Alex Morgan, amerikanische Nationalspielerin, Western New York Flash)
„Vielen Dank, dass ihr helft, die Botschaft weiterzutragen. Es geht nicht um uns, es geht um die Zukunft.“ (Heather Mitts)
Was Heather Mitts sagt, klingt pathetisch, die Zukunft der Welt wird u.a. in Durban auf dem Klimagipfel diskutiert, aber es geht wirklich darum, ob Professionalisierung im Sinne von Kommerzialisierung und Frauenfußball funktionieren können. Das hat natürlich auch psychologische Auswirkungen auf Europa. Auch wenn es scheinbar für die starken europäischen Ligen den Vorteil haben könnte, dass die eigenen Stars hier bleiben und vielleicht gar eine Alex Morgan auch mal das Trikot von Frankfurt oder Malmö trägt.
In einem aktuellen Artikel der espnW gibt es zudem ein ausführliches Interview mit Starstürmerin und Nationalspielerin Abby Wambach zu diesem Thema. Genau wie viele ihrer Kolleginnen kämpft sie für das Weiterbestehen der WPS.
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