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WeltmeisterschaftEuropa nicht mehr repräsentiertDer Wunsch nach mehr WM-Teilnehmern | ||
Von Nora Kruse (Text u. Fotos)
05.11.2006
Frankreichs Trainerin Elisabeth Loisel beklagt das Missverhältnis zwischen der Anzahl der europäischen Teams und der der anderen Kontinente.
Doch repräsentiert das WM-System die europäische Stärke und Leistungsdichte? Nein sagt Englands Nationaltrainerin Hope Powell: „Fünf Mannschaften sind
nicht genug, dafür ist die Qualität in Europa mittlerweile einfach zu hoch.“ Ihre niederländische Kollegin Vera Pauw wird konkreter: „Jeder weiß, dass
europäische Teams, die nicht zu den sechs besten gehören, keine Chance haben, sich für die WM zu qualifizieren. Ebenso weiß aber jeder, dass die
europäischen Teams zwischen den Plätzen sechs und zwölf besser sind, als viele Teams anderer Kontinente, die sich qualifizieren konnten.“ Frankreichs
Trainerin Elisabeth Loisel beklagt, dass „25 europäische Teams um fünf Plätze kämpfen, während in Afrika acht Mannschaften um zwei Plätze spielen.“ Zwei
Meinungen, eine Aussage: die Relation stimmt nicht (mehr). Der leistungsstärkste Kontinent stellt die wenigsten Teilnehmer, wenn man es an der Anzahl der
Teams misst, die um die WM-Tickets kämpfen.
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Die WM-Qualifikation war nicht nur zwischen England und Frankreich in diesem Jahr ein harter Kampf mit knappem Sieger. | |
Pauw unisono, und die Niederländerin unterbreitet ihr Konzept: „Wir behalten den
Qualifikationsmodus, den wir derzeit für die Plätze eins bis sechszehn haben, und spielen die anderen acht Plätze durch Playoff-Spiele unter den
Kontinenten aus.“ Der Vorteil dieses Systems liegt auf der Hand, die stärksten Mannschaften setzen sich unabhängig ihrer Herkunft durch. Doch kein
Vorschlag ohne kritische Stimmen; Befürchtungen, das Level würde sinken werden laut. „Das Leistungsgefälle im Frauenfußball ist groß und wir möchten eine
attraktive und ausgeglichene Weltmeisterschaft spielen“, so Hannelore Ratzeburg, Mitglied im FIFA-Ausschuss für Frauenfußball, der auch für die WM
zuständig ist. „Das Argument, das Level würde sinken, ist falsch“, erklärt Pauw, verweist auf die Leistungsstärke nicht qualifizierter europäischer Teams,
und fügt an, dass das derzeitige System die Entwicklung der Mannschaften blockiere. Eine nachvollziehbare These, schaut man sich die Wettkampfsituation an:
Eine Nicht-Teilnahme an der WM verschließt die Türen zu den Olympischen Spielen, was zur Folge hat, dass die europäischen Teams erst bei der
Europameisterschaft 2009 wieder ein großes Turnier spielen können – eine schmerzhafte Zwangspause für Teams, die Wettkampf- und Turnierpraxis brauchen,
wie nicht nur die junge Mannschaft Frankreichs.
Für Hannelore Ratzeburg, Deutschlands Vertretung im Frauenfußball-Ausschuss der FIFA, ist es noch zu früh für eine Vergrößerung des Teilnehmerfeldes. „Auch die Uefa muss viel mehr Druck machen. Der Frauenfußball wird sich nicht entwickeln, wenn sich das System nicht ändert. Die Uefa hat die Pflicht, für ambitionierte Mannschaften zu kämpfen, die praktisch keine Chance auf eine Qualifikation haben. Die Uefa kämpft für die besten sechs Mannschaften und für die Länder 16 bis 46. Es ist an der Zeit, etwas für die Länder zu |
tun, die viel Geld in die Entwicklung investieren, ohne die Chance auf eine Qualifikation
zu haben“, so eine Forderung Vera Pauws. Sie verweist weiterhin darauf, dass Verbände der Frauenabteilung die Budgets kürzen würden, wenn Erfolge in Form von
WM-Teilnahmen nicht nachgewiesen werden könnten. Dieses Schicksal hätte ganz konkret auch die Engländerinnen getroffen, wenn sie die Qualifikation
verpasst hätten.
Hollands Nationaltrainerin Vera Pauw spricht die Forderung nach mehr WM-Teilnehmern seit langer Zeit laut aus.
Doch auch wenn die Stimmen, die sich für eine Änderung des Systems aussprechen, insbesondere nach der knappen Qualifikation, lauter geworden sind, steht
eine tatsächliche Änderung noch in den Sternen. „Dem Frauenfußball-Ausschuss liegt kein Antrag zur Änderung vor und es wird derzeit auch überhaupt nicht
diskutiert“, so Ratzeburg. „Wir haben schon viel bewegt, müssen aber behutsam und schrittweise vorgehen, um einen Leistungsausgleich zwischen den Nationen
zu schaffen. Ich bin dennoch zuversichtlich, dass wir uns auch in dieser Frage in einem überschaubaren Zeitraum entwickeln.“ Für Vera Pauw kann es dagegen
nicht schnell genug gehen: „Die FIFA muss jetzt etwas tun. Das Leben eines Leistungssportlers ist zu kurz, um zu warten.“ Die Niederländerin wird sich an
ihren Worten messen lassen können, am 13. November stößt sie zum Frauenfußball-Aussschuss der FIFA. „Ich bin stolz, ein Teil des Prozesses sein zu können
und hoffe, dass ich einen Beitrag leisten kann.“
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