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Frauenfußball Allgemein

90 ereignisreiche Minuten

Britta Beckers "Die besten Frauen der Welt"

Von Nora Kruse

02.01.2008

Ein Must See für jeden Frauenfußballfan ist er sowieso. Dennoch hat Regisseurin Britta Becker mit „Die besten Frauen der Welt“ nicht nur einen Film geschaffen, der den eingefleischten Fan entzücken wird, er ist ebenso an das breitere Publikum gerichtet und stellt Erfolg, Arbeit und Wesen der Mannschaft einmal ausführlich und sympathisch dar. Für dieses Werk wurde das Filmteam bei der Premiere in Frankfurt nicht nur mit langem Applaus bedacht, sondern auch mit einem anderen Kompliment: „Besser als der Männerfilm.“

Der Vergleich mit „Deutschland – ein Sommermärchen“ ist müßig und hilft wohl ebenso wenig, wie der immer wiederkehrenden Vergleich von Männer- und Frauenfußball. Daher sollte man sich heute Abend um 18 Uhr einfach zurücklegen, die ARD einschalten und die schönsten und emotionalsten Bilder der Weltmeisterschaft im letzten Jahr noch einmal Revue passieren lassen.

Popcorn in die Hand und aufgepasst: Die beiden Torhüterinnen Silke Rottenberg und Uschi Holl (v.l.) wollen auch noch einmal in Erinnerungen schwelgen.

Foto: Marc Schüler, www.sportpics.de

Doch es ist nicht nur ein Rückblick, den die Filmcrew aufbietet. Weit über 100 Stunden Material wurde angefertigt, das mit der Vorbereitung auf das Großereignis beginnt und mit den spektakulären Bildern vom Frankfurter Römer endet. Stunden, die man auf 90 Minuten zusammen streichen musste und die dennoch alles zum Ausdruck bringen: die schweißtreibende Vorbereitung, die akribische Trainerarbeit, Motivationsrückschläge, Emotionen und den Teamgeist, der die Mannschaft zu diesem Erfolg gebracht hat.
Es ist die Chronologie der Ereignisse, die den roten Faden


Die Premiere des WM-Films wollten sich auch die Weltmeisterinnen Saskia Bartusiak, Sandra Smisek, Annike Krahn, Renate Lingor und Petra Wimbersky (v.l.) nicht entgehen lassen.

Foto: Nora Kruse

bildet. Doch anstatt stur Vorbereitung, Teambesprechung und schließlich das jeweilige Spiel zu zeigen, versteht es Becker, den Film variantenreich zu gestalten, die Spielerinnen aus ihrer eigenen Sicht erzählen zu lassen und sie auch abseits vom Spielfeld zu begleiten. Chinesische Eindrücke außerhalb der Stadien, Einschätzungen zu Karrierechancen und das gemeinsame Schauen der anderen WM-Spiele vor dem Fernseher bilden nur einige Beispiele, mit denen es gelungen ist, das Turnier mit allen seinen Facetten darzustellen.
Und eines darf in dieser Darstellung nicht fehlen: der Spaß. Die 90 Minuten bilden beste Unterhaltung, denn die lockere Art der Bilder, Musik, Kommentare treibt einem fast dauerhaft ein Schmunzeln ins Gesicht – dem Premierenpublikum nicht selten gar ein Lachen oder Szenenapplaus. Den meisten davon kassierte wohl Linda Bresonik, deren herrlich trockene Kommentare im „Ruhrpott-Slang“ gleich nochmal ganz anders klingen: Volleyball sei ihr zu langweilig, denn wenn „dat Dingen“ auf der anderen Seite des Netzes einfach nur auf den Boden falle und das einen Punkt gebe, sei das schließlich einfach „zu doof“ und so gar nicht mit dem Gefühl vergleichbar, aus 16 Metern abzuziehen und den Ball tatsächlich im Tor unter zu bringen.
Doch es sind noch weit mehr persönliche Einschätzungen, die im


Rahmen der WM-Bilder ihren Platz haben: Silke Rottenbergs Umgang mit der Rolle auf der Bank, die Haltung von Birgit Prinz zu Medien und Öffentlichkeit – oder Bresoniks Überzeugung, dass die US-Spielerinnen im Halbfinale das Heulen auch schon ein paar Minuten vor dem Abpfiff hätten beginnen sollen.

Kino macht Spaß - und den Weltmeisterinnen bei ihrem Rückblick sowieso.

Foto: Marc Schüler, www.sportpics.de

Silvia Neids Arbeit hinter den Kulissen, Eindrücke vom Land, ernste Gedanken, ironische Kommentare: 90 Minuten lang führt das eine zum anderen, folgt auf die gemeinsame Haarspray-Session vor dem Spiegel die ernste Ansprache in der Kabine.
Es passt alles und daher kann man es nur machen, wie Silvia Neid, Steffi Jones, Annike Krahn und Co bei der Premiere: Popcorn in die Hand und zurücklehnen.

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