Frauenfußball nationalUmstritten: Rahmenterminplan für das WM-Jahr 2011Trainerstimmen 1. und 2. Bundesliga zu den Auswirkungen | ||
Reportage und Interviews von Marion Kehren 29.12.2009 Vor ein paar Wochen hat das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) den kompletten Rahmenterminkalender der Frauen für die Spielzeit 2010/2011, die voll und ganz im Zeichen der FIFA Frauen-WM 2011 in Deutschland steht, verabschiedet. Demnach startet die 1. und 2. Frauen-Bundesliga bereits am 15. August 2010 in die neue Saison und endet für die 1. Liga am 13.03.2011 und für die 2. Liga am 01.05.2011. Diese Planungen wurden sehr kontrovers aufgenommen und vielerorts heftig diskutiert. Nun wollte FanSoccer einmal wissen, was die Trainer der 1. und 2. Liga zu diesem Thema sagen. Diejenigen also, die tagtäglich mit den Spielerinnen und dem Präsidium der Vereine zusammen arbeiten und den Sponsoren Rechenschaft ablegen müssen. Herausgekommen ist eine interessante Mischung von Meinungen und Überlegungen und eine klare Differenzierung der Betrachtungsweise zwischen den beiden Ligen. Wir haben zahlreiche Antworten von Trainerinnen und Trainern ausgewertet, zitieren aber absprachegemäß im folgenden nur aus den Antworten namentlich, wo uns dies ausdrücklich erlaubt wurde. Im Oberhaus der Liga liegen die Hauptaugenmerke besonders auf der doch extrem verkürzten Spielzeit und dem daraus entstehenden Druck auf die Spielerinnen, verminderter Regenerationszeit, Abstellungen in den verschiedenen Nationalmannschaften. Dazu kommt die Frage der Kompensation der fehlenden Einnahmen u.a. durch Antrittsgelder (z.B. DFB-Hallenpokal), um die Gehälter weiter zahlen zu können. Sponsorengelder werden dabei zurzeit noch nicht berücksichtigt, da dieser Bereich meist in die Obhut des Vorstandes fällt, doch haben die Trainer auch hier ihre Bedenken zum Ausdruck gebracht. Bereits vor einigen Wochen schlug Löwinnen-Trainerin Martina Voss-Tecklenburg im Fanmagazin „Löwen-Echo” Alarm, als sie einmal einen kurzen Einblick in die Planung der aktuellen Rückrunde gab. Mit Ligastart nach der Weihnachtspause am 14. Februar 2010 müssen die FCR-Spielerinnen teilweise 11 Spiele in 33 Tagen absolvieren! Hier liegt die Betonung darauf, dass es sich hierbei noch nicht um die verkürzte Saison 2010/11 handelt! ![]() FCR-Duisburg Trainerin Martina Voss-Tecklenburg – Titelverteidigerin im UEFA-Cup/Champions League – wies schon häufig auf die Probleme hin, die auf die deutschen Vereine zukommen, die 2011 in der Champions League erst in großer Terminenge antreten und dann die Finalpartien in einer Zeit bestreiten sollen, in der die Bundesliga bereits seit Wochen beendet sein wird und die Leistungsträgerinnen zur Nationalmannschaft abgestellt sein werden Die Topteams haben zudem noch das Problem, dass sie sich in der spielfreien Zeit weiter in der UEFA Champions League behaupten müssen. Trainerin Tanja Schulte vom Aufstiegsaspiranten Herforder SV brachte in der Umfrage das Problem der Vereine zur Sprache, die keine oder nur wenige Nationalspielerinnen in ihren Reihen haben: „Man muss sich einmal darüber klar werden, dass nur etwa 30 Spielerinnen an der WM-Vorbereitung teilnehmen werden, aber weit über 200 Spielerinnen sind von der Pause betroffen, die bis zur nächsten Saisonvorbereitung über vier Monate beträgt!” In der zweiten Liga indes bereitet den Trainern eher ein anderes Problem Kopfzerbrechen. Hier geht es eher um die Angst der Wettbewerbesverzerrung durch die Vereine, die in der ersten und zweiten Liga vertreten sind. So hatten gleich mehrere Trainer die Überlegung, dass die Stammspielerinnen der ersten Liga für die zweite gesperrt werden müssten. Als Überbrückung der langen Wartezeit gab es div. Ideen kleinere Turniere durchzuführen oder, wie am Beispiel von Nordrhein-Westfalen, vielleicht eine Sommerliga einzurichten. „Das würde ich begrüßen und ich denke es wird noch einige Überlegungen geben. Allerdings dürfte es im Süden schwer |
sein, dieses umzusetzen, da nicht viele Vereine in direkter Umgebung liegen so wie in NRW, ” so Oliver Dewes, Trainer vom SC Sand. ![]() Oliver Dewes vom SC Sand (2. Bundesliga Süd) wird mit seinen Spielerinnen ca. drei spielfreie Monate überbrücken müssen, in der ersten Liga wird über vier Monate Pause sein! Dass die Spielplanung und die damit verbundenen Änderungen im Terminplan bereits bekannt waren, bestätigte Turbine Trainer Bernd Schröder. Bereits letztes Jahr beim Algarve-Cup wurde dieses Thema ausführlich angesprochen und es folgten diverse Tagungen. Er zeigte allerdings auch sein Unverständnis darüber, dass viele Trainer im Vorfeld nicht ihre Meinung deutlich genug kundgetan hätten. „Natürlich ist es für die Vereine nicht optimal und für die, die keine Nationalspielerinnen abstellen gleich gar nicht zu verstehen, aber wie soll man es anders machen? Viele kennen die Vorgeschichte nicht und es wurde bereits lange Zeit über dieses Thema gesprochen. Jetzt im Nachhinein seinen Unmut zu äußern ist völliger Quatsch, dass hätte viel eher passieren müssen. Hätte es im Vorfeld eine konstruktive Streitkultur zwischen allen Gremien gegeben, hätte man evtl. zu einer gemeinsamen Lösung kommen können. Natürlich gibt es unterschiedliche Meinungen, aber wir dürfen nicht vergessen, dass die WM2011 eine einmalige Chance ist den Titel Weltmeister zum dritten Mal in Folge zu gewinnen, dass wäre einmalig.” Tanja Schulte sieht es etwas anders: „Aus Sicht des DFB und der Bundestrainerin mag die Änderung sinnvoll und unumgänglich sein. Aus Sicht der Trainer und der Vereine ist diese Entscheidung eine sportliche Katastrophe.” so Schulte weiter. „Wie und ob die Trainer in die Entscheidung mit einbezogen wurden, kann ich nicht beantworten. Ich weiß nur, dass die Trainer von der Bundestrainerin zum Jahresbeginn angerufen wurden. Da ich zu diesem Zeitpunkt nicht in der Cheftrainer-Rolle war, habe ich davon nichts mitbekommen. Der damalige Trainer – Björn Kenter – hat mich von dem Anruf unterrichtet. Dabei habe Frau Neid ihren Wunsch bereits so eindringlich und als einzig richtige Entscheidung mitgeteilt, dass den Trainern fast schon nichts anderes mehr übrig blieb. „Du möchtest doch auch, dass die WM ein Erfolg wird?”, diese Frage wurde allen gestellt. Aber mal davon abgesehen, selbst wenn die Trainer ihren Unmut dazu geäußert hätten, an der Entscheidung hätte sich ohnehin nichts mehr geändert. Außerdem betrifft es in erster Linie die Vereine, die finanziellen Schaden erleiden. Die Trainer können eine derartige Entscheidung gar nicht beurteilen oder einschätzen. Dennoch hat Bernd Schröder mit seiner Kritik Recht... die Trainer hätten viel deutlicher ihren Standpunkt vertreten müssen.” ![]() Tanja Schulte wird als Trainerin des Herforder SV wahrscheinlich in die Situation kommen, gleich im Aufstiegsjahr eine stark verkürzte Saison durchstehen zu müssen - mit allen Problemen wie zusätzlicher Verletzungsanfälligkeit der Spielerinnen durch viele Spiele in kurzer Zeit Der allgemeine Tenor der befragten Trainer ist aber dennoch, dass es zwar aus Sicht des DFBs verständlich ist, eine intensivere Planung für diesen großen Event zu tätigen, allerdings sieht die Mehrzahl es als recht fragwürdig an, ob diese lange Vorbereitungszeit sein muss oder ob ein kontinuierlicher, aber verkürzter Spielbetrieb den Spielerinnen nicht eher zu Gute kommen würde. „Allerdings”, so Schröder, ” ist diese Akzeptanz nur über eine Symbiose zu erreichen, basierend natürlich auch auf der hervorragende Vereinsarbeit. Mich hat es besonders verletzt und enttäuscht, dass |
nach dem EM-Titel in Finnland kein einziges Wort des Dankes an die Clubs und Trainer gerichtet wurde. Denn eines darf man nicht vergessen, die Nationalspielerinnen werden nicht als solche geboren!” „Wir müssen immer überlegen, was wir wollen, und wir wollen Weltmeister werden. Der Grat ist sehr schmal, auf dem wir wandern, und wenn unsere Mannschaft vor Millionen von Zuschauern versagt, wird das ganz böse für den Frauenfußball in Deutschland enden. Es würde dann interessant werden, wie sich die Liga dann präsentieren würde. Wäre dies bei der Männer-WM 2006 passiert, hätte die Männer-Bundesliga auch unermessliche Schaden genommen, ” so Bernd Schröder zum Schluss. Bernd Schröder, Trainer des amtierenden deutschen Meisters 1. FFC Turbine Potsdam, sieht Vor- und Nachteile der getroffenen Entscheidung
Fazit:
![]() DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger und Bundestrainerin Silvia Neid setzen alles auf den Erfolg der WM 2011 in Deutschland - Wird die Rechnung aufgehen?
Der DFB, die Nationaltrainerin und auch das OK2011 stehen und setzen sich selber unter einen immensen Erfolgsdruck. Nicht nur, dass die Weltmeisterschaft ein voller Erfolg werden und am besten mit dem Titel gekrönt werden soll. Nein, in der „DFB-Erlebniswelt Frauenfußball” soll dieser Event unvergesslich werden. Dieser Druck wird nicht geringer, wenn man weiss, dass dem Event "WM 2011" alle anderen Belange der Bundesligavereine untergeordnet wurden.
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