Kommentar zum Brief des DFB (Teil 2)

Bundesliga:

Die Nichtübertragung des Spitzenspiels zwischen dem 1. FFC Frankfurt und dem 1. FFC Turbine Potsdam war ebenfalls ein deutlicher Rückschritt, da es ein gewaltiger Unterschied ist, ob ein Spiel live und in voller Länge gezeigt wird oder aber nur Kurzausschnitte – denn mehr als Kurzausschnitte vom Spiel selber waren es nicht. Mehr Sendezeit für den Frauenfußball war nur durch die vom RBB und HR eingeladenen Studiogäste Cristiane (RBB) und Steffi Jones (HR) gegeben, vom Spiel selber blieb es bei Berichten von 2-3 Minuten.

Uns ist allerdings klar, dass die fehlende Live-Übertragung eine Folge des veränderten Spielplans dahingehend ist, dass das direkte Duell der beiden in Deutschland führenden Vereinsmannschaften nicht mehr auf den letzten Spieltag, sondern mitten in die Saison gelegt wurde, sodass ein „echtes Finale“ am letzten Spieltag nicht gegeben war. Die Ausgangsbedingen für eine Live-Übertragung sind somit natürlich nicht eins zu eins mit denen in den beiden vergangenen Jahren, als es Live-Übertragungen gab, zu vergleichen.

Indem allerdings diesem – für die Gesamtentwicklung der Bundesliga kurzsichtigen – Druck der anderen Vereine nachgegeben wurde, wurde das einzige Live-Spiel der Bundesliga geopfert, sodass es in diesem Jahr eben gar kein Live-Spiel gibt. Wenn man die bisher sehr dürftige Präsenz der Bundesliga im Fernsehen stärken will, halten wir eine solche Entscheidung für kontraproduktiv, weil man mit dem Verlust der einzigen Live-Übertragung rechnen musste.

Vom Bundesligaspiel des FSV Frankfurt gegen den Tabellen-Zweiten FCR Duisburg in einem absolut TV-tauglichen Stadion wurde keine Sekunde übertragen.
(hier links Frankfurts Melanie Soyah gegen die Führende in der Torjägerliste, Shelley Thompson vom FCR)

Bild: Volker Lieberum

Pia Hess nennt in ihrem Schreiben die Infrastruktur in den Stadien als ein zentrales Problem, das TV-Übertragungen von der Bundesliga behindere. Auch wir können aus unseren Erfahrungen bestätigen, dass in der Infrastruktur der Stadien noch erhebliche Verbesserungspotenziale liegen. Hier sehen wir den DFB klar in der Verantwortung, die Vereine dabei zu unterstützen, die Stadien zu verbessern und dabei ein besonderes Augenmerk auf die TV-Tauglichkeit zu legen.

Wenn es dem DFB als dem reichsten Sportverband der Bundesrepublik wirklich ernst damit ist, der Frauen-Bundesliga eine höhere mediale Aufmerksamkeit zu verschaffen, und wenn dieser Fußball-Bund die Mittel hat, um für die männlichen Nationalspieler für einen möglichen WM-Titel 250.000 Euro Prämie pro Person auszuloben, dann kann dies nur eine Frage des Willens, der verbandsinternen Mittelvergabe und nicht der Finanzkraft des Gesamtverbandes sein.


Die Fußballerinnen genießen große Beliebtheit bei ihren Fans - hier gibt Steffi Jones (1. FFC Frankfurt) nach dem Bundesliga-Spiel beim FCR 2001 Duisburg fleißig Autogramme.

Bild: Peter Henkel

Wir gehen davon aus, dass eine Verbesserung der Infrastruktur auch deshalb im Interesse des DFB’s ist, weil dies seine Position gegenüber den Sendern stärkt, da bei gegebener angemessener Infrastruktur das Alibi der TV-Untauglichkeit der Bundesliga-Stadien wegfallen würde.

Es ist ja auch nicht so, dass wir derzeit gar keine TV-tauglichen Stadien hätten. Wir registrieren einigermaßen regelmäßige Berichte aber nur beim RBB zu Turbine Potsdam und dem HR zum FFC Frankfurt. Bilder vom FSV Frankfurt flimmern lediglich bei den Frankfurter Stadtderbys über den Bildschirm.

Das Beispiel des FSV Frankfurt zeigt mustergültig, dass das Problem der Infrastruktur nicht das zentrale, sondern nur ein nachrangiges, wenn nicht gar vorgeschobenes Problem ist, wenn aus einem definitiv TV-tauglichen Stadion wie dem am "Bornheimer Hang" (letztes Jahr UEFA-Cup-Finale plus Männerfußball) keine Bilder gezeigt werden.

Und ob von einem Spiel, bei dem ohnehin die Kameras montiert sind, dann 20 Sekunden oder vielleicht 5 Minuten gezeigt werden, ist von den infrastrukturellen Gegebenheiten in den Stadien völlig unabhängig – es ist schlicht und einfach eine Sache von internen Entscheidungen der Sender, wie viel Sendezeit man dem Frauenfußball geben will.

Weiter sehen wir angesichts der zur Regel gewordenen Berichte von 20 Sekunden (wenn überhaupt berichtet wird) nicht, wie man die Vereine dann motivieren will, Geld in die Infrastruktur zu stecken. Da fehlt schlicht der Anreiz.

Pia Hess weist außerdem mit Recht darauf hin, dass die öffentlich rechtlichen Sender einen Auftrag haben, auch über andere „kleinere“ Sportarten zu berichten. Das ist ja auch in unseren Augen in Ordnung.
Nur, was wir dann beobachten in den Sportsendungen am Sonntagabend, ist etwas anderes:
Da wird dann doch die meiste Sendezeit wieder für den Männerfußball verwendet, obwohl bereits am Samstag und im DSF am Sonntag mehr als reichlich Platz für den Männerfußball reserviert ist.
Nicht nur der Frauenfußball, alle „kleineren“ Sportarten fallen bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten weitgehend unter den Tisch, es wird eben nicht nach Auftrag vorgegangen, sondern nach vermuteter Quote geschielt.


Fazit:
Unsere Aktion richtet sich nicht gegen den DFB, sondern wir wollen öffentlich deutlich machen, dass es einen großen Wunsch nach mehr Frauenfußball im Fernsehen bei vielen Menschen gibt. Deswegen werden wir den konstruktiven Vorschlag von Pia Hess aufgreifen und die Unterschriftenlisten gleich dahin senden, wo sie am Ende sowieso hingehören, nämlich zum Fernsehen, namentlich zum von Pia Hess genannten Rechteträger SportA.

Damit entlassen wir den DFB jedoch keineswegs aus seiner Verantwortung, sich selbst ebenfalls verstärkt für mehr Frauenfußball in den Medien und besonders im Fernsehen einzusetzen. Mit einem Aufzeigen der Probleme alleine, mit Entschuldigen und Schönreden der Situation geben wir uns nicht zufrieden, wir wollen Ergebnisse sehen, und die heißen, dass die Bundesliga in den Regionalsendungen zumindest einen so festen Platz einnimmt, dass Ergebnisse und Tabelle genannt werden.

Schrittweise sollten dann auch regelmäßige Kurzausschnitte nur eine Frage der Zeit sein. Erst wenn die Regionalsender über die Vereine in ihrem Sendegebiet berichten, können sie damit in der Region einem größeren Kreis der Fernsehzuschauer vermitteln, dass in der Region Bundesligafußball gespielt wird. Damit wird auch den Vereinen geholfen, die Zuschauerzahlen zu steigern, was der Bekanntheit der Bundesliga nur zuträglich sein kann und durch höhere Einnahmen gleichermaßen eine Voraussetzung für die geforderten infrastrukturellen Verbesserungen darstellt.

Ebenso erwarten wir, dass über Länderspiele immer ausführlich berichtet wird, was in der Regel Live-Übertragung heißt, im schlechtesten Fall dann aber wenigstens ausführliche Zusammenfassung.

Und wir freuen uns auf den Tag, an dem die Moderatorinnen und Moderatoren im Fernsehen bei Übertragungen den Eindruck von Kompetenz im Frauenfußball vermitteln und wenigstens die Spielerinnen erkennen und ihre Namen richtig aussprechen können.

Es ist noch ein weiter Weg, bis der Frauenfußball in den Medien die Anerkennung gefunden hat, die er verdient, und der DFB ist gefordert, hier aktiver zu werden.


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