Aktion für mehr Frauenfußball in den Medien

Der DFB bleibt in der Verantwortung

Kommentar zum Brief des DFB

Von Katja Öhlschläger und Tom Schlimme

Wir freuen uns, dass uns der DFB so schnell und ausführlich geantwortet hat und sich auch für mehr Frauenfußball in den Medien einsetzt. Wir sehen das als Zeichen dafür, dass der DFB unser Anliegen grundsätzlich ernst nimmt, was wir mit Freude registrieren.
Nachdem wir das Antwortschreiben von Pia Hess hier veröffentlicht haben, ist es nun an uns, die einzelnen Punkte durchzugehen und den Brief zu kommentieren.

Nationalmannschaft:
Im letzten Jahr wurden alle Länderspiele live übertragen, auch ausnahmslos alle Auswärtsspiele. Ebenso waren viele Nationalspielerinnen über die Teilnahme an Talkrunden in den Medien präsent. Diese deutliche Zunahme an frauenfußballbezogenen Sendungen haben wir, wie alle Frauenfußball-Fans, mit großer Freude zur Kenntnis genommen.

Seit diesem Jahr registrieren wir allerdings eine deutliche sinkende Tendenz, sodass wir der von Pia Hess aufgestellten Behauptung, die Übertragungszeiten vom Frauenfußball würden „kontinuierlich zunehmen“, entschieden widersprechen müssen. Die Nichtübertragung der Spiele vom Vier-Nationen-Turnier und vom gerade zu Ende gegangenen Algarve-Cup sprechen eine andere Sprache und zeigen einen deutlichen Rückschritt in der medialen Präsenz des Frauenfußballs auf.

Bissige Zweikämpfe und viel Leidenschaft: Die Nationalmannschaft - hier Kerstin Stegemann im Duell gegen Heidi Pedersen (Norwegen)

Bild: Nadine Bieneck

Sportliche Gesichtspunkte können hier nicht ausschlaggebend gewesen sein, da im vergangenen Jahr selbst ein vergleichsweise unbedeutendes Test-Auswärtsspiel wie das in Bozen gegen Italien live übertragen wurde. Dagegen waren sowohl der „Four Nations Cup“ als auch erst Recht der Algarve-Cup absolute sportliche Höhepunkte. Die deutsche Nationalmannschaft spielte beim Algarve-Cup in den Gruppenspielen der Reihe nach gegen die Nummer 5, 4 und 3 der FIFA-Weltrangliste. Was könnte die sportliche Qualität dieses Turniers besser ausdrücken als diese Zahlen?

Pia Hess nennt als Hauptgrund für die Nichtübertragung des Vier-Nationen-Turniers in China die Zeitverschiebung.


Unsere Nationalmannschaft: Ihre Spiele wollen wir auch dann verfolgen können, wenn sie im Ausland spielt

Bild: Volker Lieberum

Im Jahr 2003, als Deutschland zum letzten Mal am Vier-Nationen-Turnier teilgenommen hatte, wurden die Spiele im Morgenprogramm übertragen.

Vom diesjährigen Vier-Nationen-Turnier wurde nicht einmal ein winziger Kurzausschnitt in den Sport- oder Nachrichtensendungen gebracht. Auch darüber hätten wir uns schon gefreut, eine zeitversetzte Ausstrahlung wäre ebenso eine Alternative gewesen - das Argument der Zeitverschiebung befriedigt uns daher nicht.

Wie Pia Hess selber schreibt, wurden die Spiele vom chinesischen Fernsehen übertragen. Die deutschen Sender hätten also in diesem Fall nicht einmal für eine eigene Produktion sorgen müssen, was die Übertragung von Spielen außerhalb Deutschlands sonst oftmals erschwert. Das hat mit Zeitverschiebung nichts mehr zu tun, sondern zeigt, dass es der Frauenfußball nicht mehr in dem Maße wert zu sein scheint, für Übertragungen die Rechte zu erwerben, wie es noch im Zuge des WM-Erfolgs der Fall war.

Bezüglich des Algarve-Cups sehen wir die Notwendigkeit, zwischen den Gruppenspielen und dem Finale zu unterscheiden, weil das Finale in einem 30000 Zuschauer fassenden Stadion ausgetragen wurde, die Gruppenspiele dagegen in schlechter ausgestatteten Stadien.
Wir erkennen daher an, dass eine Übertragung der Gruppenspiele einen höheren Aufwand erfordert hätte als die Übertragung des Finals es erforderte. Angesichts der hochklassigen Gegner meinen wir aber, wäre es dies mit Sicherheit wert gewesen.

Gleichwohl stellt sich uns dann die Frage, warum das Finale von Eurosport und nicht von den öffentlich-rechtlichen Sendern übertragen wurde?
Wenn es denn so war, dass sich ARD und ZDF um die Übertragungen bemüht haben, warum ist dies dann für das Finale Eurosport gelungen, ARD und ZDF, für die die SportA zuständig ist, aber nicht?


Die Argumente der TV-Tauglichkeit der Stadien, des TV-Signals oder der Anstoßzeit akzeptieren wir daher nicht als Begründung, weshalb ARD und ZDF keine Sekunde vom Algarve-Cup gebracht haben.

Dies bestärkt uns in unserem Eindruck, dass sich Eurosport – wie auch in der Vergangenheit mit der U 19-WM und -EM – die Rosinen rauspickt und ARD und ZDF dabei gemütlich zuschauen, was ein deutlich gesunkenes Interesse offenbart. Der Behauptung, es gäbe eine kontinuierliche Zunahme an Übertragungen vom Frauenfußball, müssen wir daher erneut klar widersprechen.

Wir verstehen die Problematik, dass die deutschen Sender bei Auswärtsspielen der Nationalmannschaft die Rechte beim Spielgegner erwerben und die Produktion zumeist selber stellen müssen. Sicherlich erschwert dies die Übertragung von Auswärtsspielen im Vergleich zu Heimspielen, nur erklärt dies die Abnahme der Übertragungen in keiner Weise, da diese Problematik im vergangenen Jahr, als dies die Sender nicht an der Übertragung aller Auswärtsspiele hinderte, die selbe war. Dies zeigt eindeutig, dass den Sendern dieser erhöhte Aufwand bei Übertragungen außerhalb Deutschlands es im Zuge des WM-Titels, als der Frauenfußball zum Quotenrenner wurde, noch wert war. Eine Anerkennung der Sportart selber würde sich jedoch in gleichbleibender Aufmerksamkeit und regelmäßiger Übertragung niederschlagen. Fern der ersten Quoteneuphorie scheinen Übertragungen von Auswärtsspielen nun Mangelware zu bleiben.

Da sich an den Voraussetzungen für die Übertragung von Auswärtsspielen im Vergleich zum letzten Jahr nichts geändert hat, dieser erhöhte Aufwand jetzt aber nicht mehr betrieben wird, ist das dann ganz eindeutig kein organisatorisches Problem (das wurde im vergangenen Jahr bewiesen), sondern eine bewusste finanzielle Entscheidung der Sender, die Gelder für den Erwerb der Übertragungsrechte nur noch selten bis gar nicht lockermachen zu wollen.


weiter (Bundesliga)