Aktion für mehr Frauenfußball in den Medien

Die Antwort der ARD

Programmdirektor Dr. Günter Struve schrieb uns

Von Tom Schlimme

21.9.2005    Nachdem wir mehrere Monate vergeblich auf eine Reaktion von SportA, Sportrechteeinkäufer von ARD und ZDF, auf unsere Unterschriftenaktion gewartet hatten, haben wir Anfang September nachgefragt und von SportA zur Antwort erhalten, unser Brief sei an die Programmdirektoren von ARD und ZDF weitergereicht worden. Heute erhielten wir nun einen Brief von Dr. Günter Struve, dem Programmdirektor der ARD, den wir hiermit abdrucken und kommentieren:

Montag, 19.September 2005

Unterschriftenaktion Frauenfußball

Sehr geehrter Herr Schlimme,

Vielen Dank für ihr Schreiben vom 9.September. Ihre vorherge- gangene Unterschriftenaktion hat uns sehr beeindruckt, und es freut uns sehr, dass so viele Menschen einer umfangreichen Ausstrahlung von Frauenfußball in unserem Programm positiv gegenüber stehen.

Denn dies entspricht dem aktuellen Stand unserer Berichterstattung. Obwohl wir im Ersten eine große Vielfalt an Sportwettkämpfen übertragen möchten und uns nur eine begrenzte Programmfläche dafür zur Verfügung steht, kommt Frauenfußball in unserem Programm überdurchschnittlich häufig vor. So übertragen wir zum Beispiel wenn möglich jedes Spiel der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Die Quoten, die wir mit diesen Übertragungen generieren, stützen unserer Vorgehensweise: spielen die deutschen Frauen zwischen 13 und 20 Uhr, erreichen sie stets einen Marktanteil von über 20 Prozent. Auch das Pokalfinale erreicht regelmäßig um die 2,5 Millionen Zuschauer und damit einen Marktanteil von 21 bis 23 Prozent.

Als Ergänzung zu unseren Tätigkeiten im Ersten Programm sehen wir die Berichterstattung in den Dritten Programmen der ARD: So berichteten zum Beispiel in den Jahren 2003 bis 2005 der RBB (ca. 180 Minuten) und der HR (ca. 90 Minuten) ausführlich von den Bundesliga-Begegnungen. Das Interesse der Landesrund- funkanstalten hängt jedoch immer sehr stark von der Existenz einer starken Mannschaft im Sendegebiet ab.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesen Informationen den aktuellen Stand zum Thema Frauenfußball in der ARD ein wenig näher bringen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Günter Struve

2600 Unterschriften für mehr Frauenfußball in den Medien, abgegeben bei SportA im März 2005.


Starke Mannschaft im Sendegebiet des WDR: Vizemeister und derzeitiger Tabellenführer FCR Duisburg. Berichte über Spiele des FCR Duisburg sucht man jedoch beim WDR vergeblich. Hier eine Szene aus der Begegnung der letzen Saison des FCR Duisburg gegen den Hamburger SV. Von links: Madleen Wilder, Anne van Bonn, Annike Krahn, Tanja Vreden, Silke Rottenberg

Bild: Beate Wolter

Unser Kommentar:

Wir freuen uns, Antwort vom Programmdirektor höchstpersönlich erhalten zu haben, und bedanken uns sehr herzlich bei Herrn Dr. Struve dafür. Leider können wir aber mit dem Inhalt dieser Antwort nicht zufrieden sein. Von den Spielen der Nationalmannschaft beim Four Nations-Cup in China wurde keine Minute übertragen. Die deutsche Nationalmannschaft spielte beim Algarve-Cup in den Gruppenspielen der Reihe nach gegen die Nummer 5, 4 und 3 der FIFA-Weltrangliste, gesendet wurde keine Minute davon. Das Endspiel im Algarve-Cup wurde als einziges Spiel immerhin von Eurosport übertragen, wie auch die gesamte Europameisterschaft nur von Eurosport übertragen wurde. Bei einer Übertragung in den öffentlich rechtlichen Sendern, die eine wesentlich höhere Aufmerksamkeit genießen als Eurosport, hätten sicher noch viel mehr Zuschauer den Titelgewinn der deutschen Nationalmannschaft mitverfolgt.

Das größte Problem sehen wir jedoch in der mangelnden Fernsehpräsenz der Bundesliga. Wenn der HR, wie Herr Dr. Struve anführt, in zwei Jahren insgesamt 90 Minuten von der Liga berichtet, ist dies nicht gerade viel. Aktuelles Negativbeispiel ist die Zusammen- fassung des sehr spannenden Spiels am 1. Spieltag dieser Saison zwischen dem 1.FFC Frankfurt und SC 07 Bad Neuenahr, (5:3) wo man es beim HR schaffte, die hochklassige Begegnung auf genau 12 Sekunden zusammenzu- streichen, und das beim Saisoneröffnungsspiel!

Nicht nachvollziehen können wir außerdem die Aussage, es läge an den fehlenden Spitzen- mannschaften, das außer beim RBB (Potsdam) und HR (FFC Frankfurt) kaum über die Liga berichtet wird. In der letzten Saison war der FCR Duisburg, der am Ende Vizemeister wurde, ganz eindeutig zu den Spitzenmannschaften zu zählen, in dieser Saison ist der FCR derzeit Tabellenführer, wenn auch mit einem Spiel mehr als der 1.FFC Frankfurt, trotzdem wird im WDR praktisch nicht über die Spiele des FCR berichtet.


Lobend erwähnen muss man immerhin, dass der Bayrische Rundfunk mit der Übertragung von gut vier Minuten der Begegnung des FC Bayern gegen den 1.FFC Frankfurt immerhin gezeigt hat, dass es geht, wenn man nur will. Insgesamt sehen wir aber noch viel Nachholbedarf, was die Berichterstattung über die Frauenfußball-Bundesliga im Fernsehen angeht.

Marina Himminghofen (links) und Birgit Prinz lieferten sich ein heißumkämpftes Duell beim 5:3 zwischen 1. FFC Frankfurt und SC Bad Neuenahr. Im 12sekündigen Bericht des HR über dieses Spiel war dafür natürlich kein Platz...

Bild: Tom Schlimme

Wir werden uns als nächstes an Programmdirektoren einzelner Landesrundfunkanstalten wenden. Steter Tropfen höhlt den Stein, und wir sind nicht bereit, hinzunehmen, dass über die Liga der Weltmeisterinnen derart wenig im Fernsehen berichtet wird, wie es derzeit leider noch der Fall ist.

Platz wäre in den regionalen Sportsendungen der Landessender allemal, allerdings müßte dazu die doppelte und dreifache Berichterstattung vom Erstliaga-Männerfußball reduzuziert werden. Ein Schritt, von dem auch andere kleinerer Sportarten profitieren würden, die momentan in den regionalen Sportsendungen ebenfalls zu kurz kommen.

Wir werden weiter am Ball bleiben und berichten!


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