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Spätstarterin mit Blitzkarriere

Portrait über die Schiedsrichterin Nicola Laura Jepkens

Bericht von Mario Emonds

Nicola Laura Jepkens19. November 2011Erst vor drei Jahren hat Nicola Jepkens als Schiedsrichterin angefangen. In dieser Saison pfeift die gebürtige Beeckerin und jetzige Wassenbergerin bei den Männern in der Landes- und bei den Frauen in der 2. Bundesliga.

Sie wohnt in Wassenberg und ist begeisterte Joggerin: Fünfmal die Woche dreht Nicola Jepkens ihre Zehn-Kilometer-Runde. Nicht aber etwa (wie man leicht vermuten könnte) im dafür wunderbar geeigneten Wassenberger Wald mit seinen leichten bis mittleren Steigungen. Die 20-Jährige joggt stattdessen rund um Eulenbusch in der Unterstadt – aus einem speziellen Grund: „Ich laufe einfach lieber über freies Feld. Da habe ich immer alles im Blick.“ Was für Nicola Jepkens ein sehr charakteristisches Argument ist. Denn alles im Blick haben muss sie auch bei ihrem sehr intensiv ausgeübten Hobby: Die Blondine gilt am Mittelrhein als großes weibliches Schiedsrichtertalent, ist nun auch wieder aufgestiegen: Seit dieser Saison pfeift sie bei den Männern in der Landesliga und bei den Frauen in der 2. Bundesliga, ist als Assistentin der Düsseldorferin Marija Kurtes zudem in der NRW-Liga sowie der 1. Frauen-Bundesliga im Einsatz.


Nicola Laura Jepkens, Romina Holschbach, Alexandra Engels; Ingrid WüstZur Pfeife greift sie erst seit gut drei Jahren – aktuell für Viktoria Waldenrath/Straeten. Bis zum Teenageralter hatte sie mit aktivem Fußball erzwungenermaßen nichts zu tun. „Meine Mutter hat mir das Spielen verboten.“ Ausnahme: Als junges Mädchen absolvierte sie mal ein Schnuppertraining beim FC Wegberg-Beeck – mehr war nicht drin. In Beeck ist sie auch aufgewachsen, erst vor wenigen Jahren zog sie mit der Familie nach Wassenberg um. Trotz des Verbots: Jepkens kribbelte es gewaltig in den Füßen. So gewaltig, dass sie sich online mal für ein Probetraining bei Borussia Mönchengladbach anmeldete. Mutter Jutta fiel die Kinnlade runter, als sich daraufhin Jürgen Meis von Borussias Frauen-Abteilung telefonisch bei Familie Jepkens meldete. „Das war abends um halb elf, und ich wusste ja von nichts“, sagt die Mama. „Da hat’s zuhause richtig geknallt“, bestätigt die Tochter grinsend. Die setzte ihren Kopf aber durch, spielte bei Borussia ein Jahr. Es folgte der Wechsel zum FSC Mönchengladbach. „Technisch waren mir die Mitspielerinnen bei Borussia einfach voraus, ich war ja eine Spätstarterin.“ Beim FSC gab sie eine resolute Verteidigerin: „Ich war kompromisslos, hab’ auch einige sehr berechtigte Gelbe Karten kassiert.“ Als ihre ausgeprägteste Charaktereigenschaft nennt sie den Ehrgeiz – und der führte sie dann zu einem Probetraining bei Turbine Potsdam, im Frauenfußball mit das Maß aller Dinge (Champions-League- Sieger 2010). „Dort wurde mir dann gesagt, dass es für mich nur für die 2. Liga langen würde. Das reichte mir aber nicht. Da habe ich mit Fußball aufgehört.“ Das war 2007.

Über einen Freund aus Bonn ist sie dann zur Schiedsrichterei gekommen. „Ich war beeindruckt, wie souverän er ein Spiel geleitet hat.“ Im Frühjahr 2008 bestand sie dann selbst den Schiedsrichter-Lehrgang (noch für den FC Wegberg-Beeck), und dann ging es sehr schnell: 2009 gelang ihr bei den Männern der Sprung auf die Verbandsebene, hat seitdem zwei Jahre Bezirksliga gepfiffen. Nun geht’s noch höher. „Nachdem wir einige Jahre weniger Erfolge im Frauen-Bereich zu verzeichnen hatten, führt Nicola eine neue Generation junger Schiedsrichterinnen aus dem Mittelrhein an“, freut sich der Vorsitzende des Verbandsschiedsrichterausschusses Hans-Jürgen Baier über die positive Entwicklung. „Sie kommen alle aus dem erfolgreichen Frauenförderkader, den wir zu diesem Zweck ins Leben gerufen haben.“

Nicola Laura Jepkens, Martina Storch-SchäferNicolas Vorbild ist nicht originell, aber logisch: Bibiana Steinhaus, die Schiedsrichterin des Frauen-WM-Finals, die zudem in der 2. Bundesliga der Männer pfeift. In diese Regionen würde auch die Wassenbergerin gerne einmal hinkommen. Dafür ist sie bereit, auf vieles andere zu verzichten. „Ich bewundere Nicola für ihre Hartnäckigkeit. Da gehört unheimlich viel Biss zu. Ich weiß nicht, ob ich den hätte“, bemerkt bewundernd ihre Mutter Jutta, die ihren anfänglichen Widerstand gegen die Betätigung ihrer Tochter im Fußball längst aufgegeben hat. Die charakterisiert ihren Stil bei der Spielleitung wie folgt: „Ich lasse gerne viel laufen. Fußball ist nun mal ein körperbetontes Spiel. Generell pfeife ich eher zurückhaltend, doch ich kann auch laut werden. Damit fahre ich sehr gut – auch bei den Männern.“ Akzeptanzprobleme habe sie jedenfalls keine. „Wenn es mal kritisch wird, senke ich meine Stimme, drücke das Kreuz raus. Das wirkt, dann sind viele Männer überrascht“, erläutert sie schmunzelnd. Dennoch sei ihr bewusst, dass es stets ein schmaler Grat sei, auf dem sie sich bewege. „Es ist nicht leicht, die richtige Mischung zwischen Lockerheit und Strenge zu finden.“ Gut zu fassen ist dagegen ihr berufliches Nahziel: 2013 will sie ihr Wirtschaftsabitur in der Tasche haben.



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