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Interview

„Ich brauche den Fußball...”

Interview mit Leonie Pankratz (derzeit Levante UD Femenino, Spanien)

Text, Interview und Fotos von Martin Kochem

15.01.2010   Nicht weniger als 9 Spielerinnen sowie Erfolgscoach Stephan Fröhlich verließen die 2. Mannschaft des 1. FFC Frankfurt zum Ende der sportlich so positiv verlaufenden Saison 2008/2009. Den sicherlich ungewöhnlichsten sowie gleichzeitig weitesten Wechsel vollzog dabei die siebenmalige U 17-Nationalspielerin Leonie Pankratz, für die mit dem Anheuern beim spanischen Erstligisten Levante U.D. im Juli 2009 ein neuer Lebensabschnitt begann. Nach gut einem halben Jahr an der wunderschönen valencianischen "Costa de la Tarongina" zieht die 19-jährige Gießenerin im nachfolgenden Interview mit Fansoccer-Mitarbeiter Martin Kochem eine erste Zwischenbilanz:

Hallo Leonie, wie geht es Dir denn so im sonnigen Süden Spaniens ?

Danke, soweit geht es mir ganz gut. Bin natürlich nach unserer 0:3-Heimschlappe im ersten Spiel der Meisterschaftsrunde gegen Espanyol noch etwas geknickt...

Leonie Pankratz

Eine Stammplatzgarantie gibt es bei Levante auch für Leonie nicht. So musste sie im ersten Meisterrundenspiel gegen Espanol Barcelona zunächst mit der Ersatzbank Vorlieb nehmen und wurde erst in der 81. Minute eingewechselt. Die 0:3-Schlappe ihrer Mannschaft konnte auch sie nicht mehr verhindern...

Was hat Dich eigentlich zu diesem Wechsel bewogen und warum wurde es letztendlich ausgerechnet Levante ?

Nach meinem Abi wollte ich unbedingt ins Ausland, um neue Erfahrungen zu sammeln. Da ich früher schon öfter in Spanien im Urlaub war und mich dort die Menschen, die Sprache und die Kultur einfach faszinieren, habe ich diesen Schritt gewagt. Obwohl ich schon 2 Jahre spanisch als zusätzliche Fremdsprache auf der Schule hatte, versuche ich hier in erster Linie, meine Sprachkenntnisse deutlich zu verbessern. Zu diesem Zweck besuche ich 3 mal pro Woche eine Sprachschule und bekomme dort Einzelunterricht erteilt. Da ich aber seit meinem 7. Lebensjahr im Verein spiele und diesen Sport einfach brauche, habe ich diverse spanische Erstligisten per E-Mail kontaktiert und bekam dann auch 4 Rückmeldungen. Letztendlich habe ich mich für Levante entschieden, weil ich bei meinem Probetraining im April von den dortigen Trainingsmöglichkeiten absolut begeistert war. Zudem versprach die Stadt Valencia an sich mit ihrem Flair auch einiges...

Wie bist du von der Mannschaft aufgenommen worden ? Wie ist dein Verhältnis zum Trainer Rafael Aranda Malavés ?

Ich bin hier offen und warmherzig aufgenommen worden, wie es allgemein ja die Art der Spanier ist. Ich hatte keinerlei menschliche Integrationsprobleme und fühle mich im Vergleich zu allen anderen Spielerinnen absolut gleichberechtigt behandelt. Wir haben mittlerweile noch eine Italienerin sowie eine Brasilianerin im Team, aber es gibt in der Mannschaft absolut keine Cliquenbildung. Natürlich gab es ganz am Anfang einige sprachliche Verständnisschwierigkeiten, da ich mich erst an das irrsinnige Redetempo gewöhnen musste. So kam es zum Beispiel schon einmal vor, dass ich im Training einfach falsch gelaufen bin oder eine Übung leicht missverstanden habe – das alles hat sich aber so etwa nach 2 Monaten gelegt.

Herr Malavés ist ein ganz anderer Trainertyp als beispielsweise mein letzter Coach (Stephan Fröhlich, Anm. der Red.) es war. Er redet nicht viel mit den Spielerinnen und ich weiß oftmals nicht, was in seinem Kopf vorgeht... Auch denke ich irgendwie, dass er mehr Probleme damit hat auf mich zuzugehen, als dies umgekehrt der Fall ist.

Leonie Pankratz

Bei allen 9 Punktspieleinsätzen wurde Leonie entweder ein- oder aber ausgewechselt und durfte insgesamt 361 Spielminuten ran...


Polideportivo Municipal de Nazaret

Das Polideportivo Municipal de Nazaret in Valencia - seit Juli 2009 die neue Heimat der deutschen ehemaligen U17-Nationalspielerin Leonie Pankratz

Was ist dein persönlicher Anspruch und was sind deine sportlichen sowie beruflichen Ziele ?

Mein persönlicher Anspruch ist es einfach, mit meiner Leistung zufrieden zu sein. Wie schon gesagt, ich brauche den Fußball einfach und möchte dieses eine Jahr hier nutzen, um neue Erfahrungen zu sammeln und vorwärts zu kommen. Natürlich möchte ich so oft und so viel wie möglich in der Anfangsformation stehen bzw. spielen, doch der Konkurrenzkampf hier ist extrem groß und man hat absolut keine Stammplatzgarantie. Im Training wird vor allem großes Augenmerk auf Kraft und Kondition gelegt. Wir trainieren hier 4 bis 5 mal die Woche und das bis zu zweieinhalb Stunden – in der Saisonvorbereitung wurde sogar 2 mal täglich trainiert. Da ist man abends dann total kaputt. Sportlich wollen wir natürlich so lange wie möglich vorne mitspielen und den Pokal gibt es im Anschluss an die Meisterschaft ja auch noch. Doch beim Spiel gegen Espnanyol hat man gesehen, dass die Meisterschaft wohl kein realistisches Ziel für uns sein dürfte...

Mit meinen beruflichen Zielen bin ich mich momentan etwas im Zwiespalt, befinde mich derzeit sozusagen in einer Phase der Selbstfindung. Fest steht aber, dass ich nach Beendigung der Saison im Sommer auf jeden Fall nach Deutschland zurückkehren und rechtzeitig nach einem Studienplatz Ausschau halten werde. Momentan tendiere ich zu Lehramt und/oder Spanisch, aber "schaun mer mal!" Mehr als dieses eine Jahr hier in Spanien hatte ich ursprünglich auch nicht geplant.

Leonie Pankratz

Im Jahre 2006 vom VFB Gießen zur 2. Mannschaft des 1.FFC Frankfurt gestoßen, wechselte Leonie zu Beginn der Saison 2009/10 zum spanischen Topclub Levante UD.

Wie bist Du mit dem Saisonverlauf bislang zufrieden ?

Wir, das heißt das Umfeld und vor allem der Trainer hat die zweite Runde der Meisterschaft vor Saisonbeginn absolut erwartet, aber es war letztendlich sehr knapp und deutlich schwerer als gedacht. Levante hat im spanischen Frauenfußball immer noch einen großen Namen und demzufolge auch hohe Ansprüche. Die Vereinsverantwortlichen sind hier sehr erfolgsverwöhnt, sodass der Druck ziemlich groß war bzw. noch immer ist. Allerdings haben viele Führungsspielerinnen den Verein nach der letzten Saison verlassen, unter anderem auch aus finanziellen Gründen. Es wurden von extern 4-5 Neuzugänge verpflichtet, der Rest wurde aus der 2. Mannschaft aufgefüllt. Uns fehlen die individuell herausragenden Leute, es zählt ausschließlich die Mannschaftsleistung und das Motto hier lautet "Wir kommen mit harter Arbeit zum Erfolg".

Leonie Pankratz


Wie hast Du Dich sonst so in Valencia eingelebt ?

Ich wohne zusammen mit drei Mannschaftskameradinnen, nämlich der brasilianischen Torfrau Thais sowie Esther und Katja in einer 4er-WG im Südwesten Valencias, nicht weit weg vom Zentrum. Die Miete wird geteilt bzw. indirekt vom Verein übernommen. Zum Training bilden wir eine Fahrgemeinschaft und zur Sprachschule sind es für mich gerade mal 5 Minuten Fußweg - einfach optimal. Die Stadt ist wirklich sehr schön, aber nicht so riesengroß, dass man hier nicht alles zu Fuß erledigen könnte. Das Leben hier ist insgesamt billiger als in Deutschland, sodass man auch finanziell gut über die Runden kommt.

Leonie Pankratz

Was ist aus deiner Sicht der Unterschied zum Leben in Deutschland ?

Die Spanier nehmen allgemein alles lockerer und leben mehr oder weniger in den Tag hinein. Pünktlichkeit wird hier nicht immer so genau genommen und wenn man beispielsweise verletzt oder krank ist, wird manchmal schon getreu dem Motto "Alles wird schon irgendwie gut werden" verfahren. Und dann natürlich das Klima – im Sommer ist es hier wirklich fast unerträglich heiß, während man im Winter normalerweise keine Heizung braucht. Diesen Winter allerdings schon – unsere WG hat sich jedenfalls vor kurzem eine Elektroheizung angeschafft...

Leonie Pankratz

Was vermisst Du hier besonders bzw. am meisten ?

Natürlich meine Familie und meine Freunde in Deutschland. Vor allem zu meinen Ex-Mannschaftskolleginnen vom FFC pflege ich noch regelmäßigen Kontakt, egal ob per Mail, Messenger oder Telefon über Sky...

Vielen Dank für das Gespräch, Leonie. Wir wünschen Dir für das Jahr 2010 alles Gute, vor allem aber Gesundheit und freuen uns auf ein Wiedersehen mit Dir in Deutschland.




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