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Kunst- und Kulturprogramm zur FIFA WM 2006
Kopfballspieler
Eine Begegnung von Literatur und Fußball | ||
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Von Christian Heidler
25.01.2006 Die Fußballweltmeisterschaft 2006 der Männer in Deutschland rückt immer näher und mit der Auslosung der WM-Gruppen ist dieses Ereignis schon wesentlich konkreter geworden. Der Ticketstreit, die Beurteilung der Stadionsicherheit und die wenig nachvollziehbare Absage der Eröffnungsgala werfen einige Schatten auf das strahlende Ereignis. Manchen Puristen mag es recht sein, wenn nicht allzu viel abseits der WM-Stadien passiert, das Kunst- und Kulturprogramm zur FIFA WM 2006 verdient jedoch durchaus beachtet zu werden – auch von Anhängern des Frauenfußballs! Natürlich, das darf gleich vorweggenommen werden, kommt der Frauenfußball bei dem Gesamtprojekt nur am Rande vor. Das ist aufgrund der deutlich längeren Geschichte und größeren Bedeutung des Männerfußballs nur folgerichtig. Gleichwohl es sich bei der WM 2006 um ein reines Männerfußballturnier handelt, wurde der Frauenfußball aber nicht unberücksichtigt gelassen, wie an einigen Beispielen deutlich wird. Davon abgesehen ist es bei vielen Pro- oder Objekten ziemlich nebensächlich, ob Männer oder Frauen kicken, geht es doch einfach um das Fußballspiel an sich! Kopfballspieler – Ein Gipfel der Welt-Literaturen Unter diesem Titel lief ein zweitägiges Sonderprojekt im Museum für Kommunikation, Berlin am 19. und 20. Januar 2006. Im Foyer des besuchenswerten ehemaligen Postmuseums – in der Schatzkammer ist u.a. eine „Blaue Mauritius“ ausgestellt – fanden sich zahlreiche internationale Literaten zu Gesprächen rund um das Thema Fußball ein. U.a. diskutierten Petér Esterházy (Ungarn), Thomas Hürlimann (Schweiz) und die Kamerunerin Calixthe Beyala über das Thema „Buch und Ball. Was die Welt im Innersten zusammenhält“ oder der Deutsche Burkhard Spinnen und der in Italien lebende Engländer Tim Parks bei „Die Verführung des Spielerischen. Was Dichter und Kicker verbindet“. Höhepunkt sollte das samstagabendliche Podiumsgespräch zum Leitsatz „Welt-Literatur trifft Welt-Fußball“ werden, wobei besonders die Literaten-Seite gut besetzt war: Mit Per Olov Enquist und Henning Mankell war Schweden gleich zweifach vertreten. Javier Marias aus Spanien hat seine Fußball- und Real Madrid-Leidenschaft in seinem lesenswerten Buch „Alle unsere frühen Schlachten“ bereits literarisch verarbeitet. Schließlich noch der Österreicher Franzobel, der seinen Namen gerne aus einem Spielergebnis ableitet (Fran2:0Bel) und 2002 seine „Gebete an den Fußballgott“ veröffentlichte. Als Vertreter des Fußballs komplettierten Trainer Ralf Rangnick, der frühere Schiedsrichter Bernd Heynemann, Ex-Profi Axel Kruse (u.a. Hertha BSC Berlin) und Weltmeisterin Nia Künzer die Runde. Vielleicht war es der etwas zu großen Teilnehmerzahl und der Moderation geschuldet, daß nur selten ein richtiges Gespräch aufkommen mochte, doch auch die Einzelbeiträge der Teilnehmer lohnten die Aufmerksamkeit des Publikums. Der halbjährig in Maputo (Mosambik) lebende Krimiautor Mankell berichtete z. B. von einem ihn sehr beeindruckenden Spiel, das zwei Mörderbanden in dem lange vom Bürgerkrieg heimgesuchten südostafrikanischen Land friedlich gegeneinander ausgetragen hatten. Er war sich sicher, daß sich die Männer nach diesem Spiel nicht mehr gegenseitig umbringen würden. Für Heiterkeit sorgte |
Als Spezialistin für das Kopfballspiel ist Nia Künzer in einer gleichnamigen Diskussionsrunde natürlich goldrichtig. Archivbild: Nora Kruse | |
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dagegen seine Schilderung des schönsten Eigentores, entstandenaus einer sauberen Rückgabe, bei der sich der Torhüter
zwecks Erfrischung an seiner Trinkflasche leider vom Feld begeben hatte.
Stets witzig waren auch die Einlassungen des Österreichers Franzobel, der u. a. vermutete, es bestünde ein Zusammenhang zwischen der Esskultur und dem sportlichen Potential von Völkern. Marias konnte das eigentlich ernste Thema der verbalen Gewalt in den Fußballarenen mittels zweier eher harmlosen Beispiele von Schmähungen in Spanien auflockern. Die Vertreter des Fußballs wurden weniger gut in das Gespräch eingebunden. So blieb es Nia Künzer vorbehalten, sich zur Rolle und Entwicklung des Frauenfußballs zu äußern, was sie denn gewohnt souverän und charmant erledigte, während Herr Heynemann, der noch von den Fußballern am aktivsten an der Unterhaltung teilnahm, sich nicht mehr ganz auf dem neusten Stand des Regelwerks zeigte. Insgesamt kann aber festgestellt werden, dass beide Seiten, Literatur und Fußball, sich einiges zu sagen hatten und man sich wünschen darf, ähnliche Begegnungen auch in Zukunft noch zu erleben. Pickepackevoll ist das Kulturprogramm zur Weltmeisterschaft der Herren - viel zu tun also für (FanSoccer-)Fotografen. Foto: Beate Wolter Das Programm der Kulturstiftung Ebenfalls in Berlin ist die leider schon beendete Ausstellung „Rundlederwelten“ gewesen, in der Kunstwerke verschiedenster Art zum Thema Fußball präsentiert wurden. In der Zeitschrift „Anstoß“ werden die Bilder, Plastiken, Fotos und anderen Werke der internationalen Künstlerschar vorgestellt. An dieser Stelle muss natürlich die Videoinstallation „Mannschaft“ von |
Till Velten aus dem Jahre 2005 Erwähnung finden.Der Künstler führt darin Gespräche mit elf Spielerinnen der deutschen
Fußballnationalmannschaft, vorzugsweise an ihren Wohnorten.
Schon seit 100 Jahren ist das Schiedsrichterwesen bei der FIFA organisiert. Die Leipziger Ausstellung widmet sich der Gilde der Unparteiischen, der u. a. auch Elke Günthner angehört. Archivbild: Nora Kruse Es lohnt sich frühzeitig einen Blick in das WM-Begleitprogramm zu werfen, da einem bei der Fülle der Angebote leicht etwas Interessantes entgehen könnte. Der Fußball-Globus reist bekanntlich schon seit September 2003 durch die deutschen WM-Städte. Auf Tour geht auch die Fotoausstellung „Weltsprache Fußball“, während „Herr der Regeln: Der Fußball-Referee“ nur in Leipzig zu sehen sein wird. Nicht nur Ausstellungen, auch Theater, Musik und andere Veranstaltungen sind Bestandteil des Kunst- und Kulturprogramms. Interessant auch der Bereich Film, Fernsehen und Video: Der Dokumentarfilm „Adelante Muchachas!“ wurde auf FanSoccer bereits vorgestellt. Der Fernsehsender ARTE beginnt seine „heiße Phase“ im April. Auf dem Sendeplan stehen dabei auch „11 Freundinnen“, eine fünfteilige Doku-Soap über die Spielerinnen des FFC Wacker München sowie „Eine andere Liga“, ein 2005 mit dem Max Ophüls Preis ausgezeichneter Film von Buket Alakus über die fußballverrückte Deutschtürkin Hayat. Möge ein jeder selbst auf Entdeckungsreise gehen. Über das von der Nationalen DFB Kulturstiftung geförderte Kunst- und Kulturprogramm der Bundesregierung zur FIFA WM 2006 informiert jedenfalls deren Seite www.dfb-kulturstiftung.de Zur FanSoccer-Startseite | |