"Geduld ist der Tod"

Forum zum Thema „Frauenfußball und Medien“

Nora Kruse (Text und Fotos)

11.04.2005

Das Sportsystem: Männer agieren, Männer kommunizieren, Männer konsumieren. Und wenn man darüber schreibt? Dann sieht’s ähnlich aus: von Männern über Männer für Männer. Soweit die Meinung von Prof. Dr. Dr. Josef Hackforth von der TU München. Ob dies Schwarzmalerei oder eine realistische Bestandsaufnahme ist, erläuterte Hackforth bei seinem Input zum Forum 6, „Frauenfußball und Medien“, auf dem Frauen- und Mädchenfußballkongress vom 7. bis 9. April 2005.

Sind wirklich nur Männer im Sportjournalismus tätig? Was ist mit Martina Knief, Sabine Hartelt oder Kathrin Steinbichler – eben die drei, die als Expertinnen auch in diesem Forum sprachen. Oder weiter die unverwechselbare Stimme von Sabine Töpperwien in der ARD-Schlusskonferenz bei Bundesligaspielen. Ja, es gibt Sportjournalistinnen, allerdings sind dies, so Hackforth, gerade einmal sieben Prozent aller Sportjournalisten. Sieben Prozent – das ist arm.

Aber sieben Prozent ist nicht der Tiefpunkt, um das hier mal anzumerken. Der folgt jetzt: Laut Hackforth liegt der Anteil des Frauensports in Zeitungen zwischen eins und fünf Prozent, der Anteil des Frauenfußballs zwischen 0,1 und 0,5 Prozent.

Einer repräsentativen Umfrage zufolge sind die Interessenten des Sports in den Medien zu drei Vierteln Männer und bei denen liegt, wie eine weitere Umfrage zeigt, - oh, welch Überraschung! - Männerfußball auf Platz eins der Beliebtheit. Da ist es aus der Sicht der Medien ja fast verständlich, dass sie eher für die Mehrheit ihrer Konsumenten schreiben wollen. Wir erinnern uns also: von Männern über Männer für Männer.

Doch was muss konkret im Frauenfußball passieren, um diesen eher schwachen Bestwert von 0,5 Prozent in der Berichterstattung zu steigern?

Martina Knief vom HR lobt die Professionalität vom FFC Frankfurt und von Turbine Potsdam, kritisiert aber auf der anderen Seite die große Spanne zwischen diesen beiden Vereinen und dem Rest.


Diskutierten in Forum 6: Prof. Dr. Dr. Josef Hackforth, Kathrin Steinbichler, Niels Barnhofer, Martina Knief, Sabine Hartelt (v. l.)

Laut Hackforth: Steigerung der Professionalität und damit verbunden auch der Beginn der Ökonomisierung: Partner finden, Marketing-Konzepte entwickeln und auch (möglichst weibliche) Leitfiguren suchen, die für den Sport stehen und Vorbilder für Kinder sein können. Das Potential sei durchaus vorhanden und so führte er die durchschnittlichen Einschaltquoten des ZDFs bei Frauen-Länderspielen der letzten beiden Jahre auf. Demnach sahen 2003 zwischen 1,01 und 1,79 mio Menschen ein Länderspiel, 2004 waren es zwischen 2,71 und 4,78 mio Menschen. Das ist prozentual eine riesige Steigerung, doch führte er gleich im Anschluss an, dass die Verantwortlichen nicht professionell genug sein, damit auch 2005 weiter zu arbeiten. So brachte er kein Verständnis dafür auf, dass allein in 2005 viermal gegen Kanada gespielt wird – da brauche man sich über mangelndes Interesse der TV-Sender nicht zu beschwerden.

Doch ist dies ja alles einfach zu sagen, was auch die anschließende Diskussionsrunde zeigte. An dieser nahmen Sabine Hartelt vom WDR, Martina Knief vom HR, Kathrin Steinbichler von der Süddeutschen Zeitung und Niels Barnhofer von der DFB-Pressestelle teil.

Kathrin Steinbichler erklärte, dass die Bundesliga in Deutschland das große Problem sei, v. a. weil die Spiele so unregelmäßig stattfänden. Man müsse sich fast wundern, wenn in der eigenen Stadt plötzlich mal wieder ein Heimspiel stattfindet und erfahren würde dies auch niemand. Das Problem mit der Bundesliga griffen auch die anderen beiden Diskussionsteilnehmerinnen auf. So meinte Sabine Hartelt, es sei nicht gelungen, die kurzfristige Begeisterung, die die Nationalmannschaft ausgelöst habe, in die Bundesligastadien zu transportieren, auch wenn die Zuschauerzahlen dort zugenommen hätten. Hier müsse man schnell anknüpfen, um noch eine Chance zu haben, eben diese Begeisterung zu nutzen. Geduld sei an dieser Stelle "der Tod".


Martina Knief, die die Heimspiele des FFC Frankfurt begleitet, beklagte des weiteren, dass eine große Ungleichheit bei den Vereinen herrsche. Während sie die Professionalität des FFC Frankfurt und die des FFC Turbine Potsdam hervorhob, kritisierte sie aber auch die Vorgänge bei Bayern München zum Ende der letzten Saison.

Als Reaktion auf ein Statement von Monika Koch-Emsermann, die im Publikum saß und die schlechte Informationspolitik der Vereine kritisierte, kam von Vereinsseite aus dem Publikum die Anmerkung, dass der DFB die Vereine – in denen derzeit ja meistens alles ehrenamtlich geschieht – zu wenig unterstütze. Laien auf dem Gebiet der Pressearbeit und der PR agierten genau in diesen Themenfeldern und bekämen keine Unterstützung in Form von beispielsweise Workshops. Niels Barnhofer – der stets bemüht war, seinen Arbeitgeber zu verteidigen - erklärte, dass dies für den DFB nicht zu leisten sei und kritisierte von seiner Seite aus die Presse. Zumeist kenne er die Redakteure bei den Zeitungen, die für den Frauenfußball zuständig sein, nicht; diese würden sich auch nicht sonderlich um den Sport - und damit verbunden um Informationen - bemühen. Indirekt stimmte hier Steinbichler zu, die erklärte, in ihrer Redaktion um den Frauenfußball kämpfen zu müssen. Auch monierte Barnhofer, dass man, wenn man die vier Kanada-Spiele der deutschen Frauen 2005 erwähnt, die beiden hochkarätig besetzten Turniere am Jahresanfang, die Europameisterschaft und auch einen Kooperationsvertrag mit dem kanadischen Fußballbund vergesse.

So schob jeder immer ein Stückchen der Verantwortung auf andere Instanzen ab. Einig waren sich aber eigentlich alle, dass die Nationalmannschaft eine Art Lokomotive sei. Das Interesse sei vorhanden, viele Nationalspielerinnen hätten einen gewissen Grad an Bekanntheit erreicht. Derzeit müsse man nur aufpassen, dass die Lokomotive nicht ohne Bundesliga-Waggons den Bahnhof verlässt.

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