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Woran du dein Herz hängst ...

33. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Dresden 2011 - Eine Nachbetrachtung aus Sicht des runden Leders

Text und Bilder von Lutz Kollmann

07.06.2011 
Seit dem "Wunder von Bern" 1954 (für die Jüngeren: seit Maradona's WM-Tor 1986 gegen England) weiß man um die Gemeinsamkeiten von Gott, Glaube und Fußball. Logischerweise bot der 33. Deutsche Evangelische Kirchentag mit dem Treffpunkt Fußball im Sportpark Ostra drei Tage lang alles, was das Fußballherz begehrt. Zudem beteiligt sich die Evangelische Landeskirche an der Kampagne "Frauen am Ball" der Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt e.V. und so fanden sich im 640-seitigen Programmheft einige Veranstaltungen zum Thema Frauenfußball. Zwei davon habe ich besucht.

Hendrich - Lotzen - Simic

Das Königsufer, spirituelles Zentrum des Kirchentages. Die Dresdener Altstadt auf der gegenüberliegenden Elbseite als imposante Kulisse.

Über die Wanderausstellung "Verlacht, verboten und gefeiert - Die Geschichte des Frauenfußballs" der Volkshochschule Aachen (Dr. Jürgen Nendza und Eduard Hoffmann) wurde bereits vor einigen Jahren auf fansoccer berichtet. Sie ist allemal sehenswert und wurde auch um die FIFA Frauen-WM 2011 ergänzt, der historische Teil stagniert allerdings. Ob das Projekt nicht mehr weiterentwickelt werden kann oder nicht weiter entwickelt werden soll, war nicht zu erfahren. Ein variabler Teil zum lokalen Frauenfußball des jeweiligen Ausstellungsortes sowie eine zeitgemäße multimediale Unterstützung wären wünschenswert. Das legendäre Kaffeeservice ist da einfach zu wenig Fassbares.
Dass es besser geht zeigte die Veranstaltung "Woran du dein Herz hängst...", eine Talk-Show zum Thema Frauenfußball in der Energieverbund Arena, Heimstätte der Dresdner Eislöwen.
Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt höchstpersönlich gab sich die Ehre. Sie ist gleichzeitig Sonderbotschafterin der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 für den Spielort Dresden und schon ihr Bericht über die Entstehung der Show sorgte beim Publikum und bei den Moderatoren für sichtliche Erheiterung. Göring-Eckardt, die im irdischen Alltag für die Grünen im Deutschen Bundestag sitzt und sich dort in Sachen Familie und Soziales engagiert, lobte im Weiteren die integrative und verbindende Kraft des Fußballs, besonders für die inzwischen über eine Million im DFB organisierten Frauen und Mädchen.

Herzlich begrüßter Gast des Nachmittags war Steffi Jones (im Bild mit Johannes Ostermann). Sie berichtete Interessantes über ihre Arbeit als Präsidentin des Organisationskomitees der FIFA-Frauen-WM 2011, ihre Reisen in die Teilnehmerländer mit ihren schönen und schwierigen Situationen, wie beispielsweise in Nordkorea. Dazu Promotion, Filmdreh, Präsentationen und Kongresse - drei Jahre Knochenjob mit jeder Menge Spaß und Stolz. Daneben plauderte sie mit den Moderatoren Johannes Ostermann und Volker Steinbrecher über Vorbilder und Frauen in Funktionen des Verbandes. Und natürlich die Erwartungshaltung an die deutsche Nationalmannschaft.
Und dann war da noch die 66-jährige Ursula Jahn mit ihrer emotionalen Geschichte des Frauenfußballspiels zwischen Affalterbach und Kirchberg im Jahre 1969, aus deren Erlös sie die Renovierung des Kirchturmes finanzierten. Das alles noch zu Zeiten, als der DFB ein Fußballverbot für Frauen verhängt hatte. Dieses Spiel war nur deshalb möglich gewesen, weil der Dorfpfarrer als Schiedrichter verpflichtet werden konnte. Ihren Bericht und die begleitenden Fotos honorierten die Zuschauer mit stürmischem Applaus.
Der Kreis schloss sich mit den eingeladenen Fußballerinnen des Radebeuler BC 08. Vor gerade einmal vier Jahren klopften die ersten Mädchen an die Tür des Vereins aus der benachbarten Wein- und Gartenstadt. In der abgelaufenen Saison nahmen eine Frauen und zwei Juniorinnen-Teams am Spielbetrieb teil, in der nächsten Saison wird eine weitere Juniorinnen-Mannschaft dazu kommen. Heute kicken 50 Fußballerinnen in der Frauen- und Mädchenabteilung, damit steht der Verein stellvertretend für den Aufschwung des Frauenfußballs in Deutschland. Amüsant berichteten die 12- bis 16-jährigen Mädchen wie sie zum Fußball kamen und was ihnen der Fußball bedeutet, aber auch über Vorurteile gleichaltriger Jungen. Ihr Trainer, Roland Mieller, schilderte die Gemeinsamkeiten zum Jungenfußball im Training und auf der anderen Seite die ungleich größeren Emotionen im Spiel. Freud und Leid liegen hier meilenweit auseinander.
Zum Abschluss, befragt nach ihren Wünschen für das bevorstehende WM-Turnier, antwortete Steffi Jones "...tolle Spiele, viele Tore, schönes Wetter - ansonsten müsste ich den Franz nochmal losschicken...".

Dem bleibt nur noch die Hoffnung hinzuzufügen, dass die Weltmeisterschaft im eigenen Land auch nachhaltig dem Frauenfußball zu mehr Anerkennung im Alltag verhilft. Diese Show, untermalt von Filmen und begleitet von Judy Bailey und Band, war beste Werbung in der Sache.
Zufrieden verließ ich die Halle. Trotz der nach offiziellen Angaben rund 120.00 Gäste in der Stadt umgibt mich eine gewisse Ruhe und Gelassenheit. Ich weiß nicht, ob es am Gleichgewicht der Seele liegt, die der Kirchentag ausstrahlt, oder einfach nur an der Tatsache, dass Innenstadt und Messering für den Autoverkehr gesperrt wurden. Ich steige auf mein Fahrrad und weiß, dass beim Fußball auch zukünftig die "Hand Gottes" im Spiel sein wird.


Die Radebeuler Fußballerinnen mit Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt,
Trainer Roland Mieller, Steffi Jones und Trainer Udo Engelmann (hintere Reihe von rechts nach links)




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