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Weltmeisterschaft 2007

"Jede Menge Erinnerungen im Gepäck"

Miriam Dietz (geb. Dräger) im Gespräch

Von Nora Kruse

25.10.2007

Als wir uns vor der WM unterhalten haben, war Dein Ziel, einfach zufrieden aus China zurückzukehren. Hast Du das geschafft?
Ja, das ist alles super gelaufen und es war ein Riesenerlebnis. Wir hatten vier sehr gute Spiele. Ich bin sehr zufrieden nach Hause gekommen und habe jede Menge Erinnerungen im Gepäck.

Was wäre eine dieser besonderen Erinnerungen?
Im Endeffekt waren es viele besondere Erlebnisse. Wir hatten ein Vorbereitungscamp, was seinen ganz eigenen Charakter hatte, weil das sehr von der Spannung und Vorfreude gelebt hat. Außerdem mussten wir noch einen Fitnesstest bestehen. Als das geschafft war, ist die erste Anspannung ein bisschen abgefallen.
Dann konnten wir eine wunderschöne Eröffnungsfeier live miterleben und beim ersten Vorrundenspiel waren über 35.000 Menschen im Stadion.

Du sprichst den eigenen Charakter des Vorbereitungs- camps an. Wie sah das Programm dort aus?
Wir haben, wie während der gesamten WM, morgens zwei Stunden trainiert. Im Anschluss haben wir uns sehr viele Videos angeschaut: wie spielen die Mannschaften, haben sie ein bestimmtes System? Wir haben eine Route für die WM durch- gegeben und auch den Mann- schaften ein Video vorgestellt, damit auch für die klar war, für welches Vergehen es welche Strafe gibt.
Im Mittelpunkt stand aber der Fitnesstest am 5. September. Bei den Bedingungen von 35 Grad mit hoher Luftfeuchtigkeit haben sechs Kolleginnen den nicht bestanden und mussten einen Tag später heim fahren.

Auch das Training an der Algarve schlaucht - und da war es zehn Grad "kühler"...

Foto: Nora Kruse

Wie sah ein typischer Tag während der WM aus?
Wenn wir kein Spiel hatten, waren wir im Hauptquartier in Shanghai untergebracht und haben morgens ganz normal trainiert. Mittags waren teilweise Meetings angesetzt, wir hatten zum Beispiel auch psychologische Betreuung, da standen Relaxation und Meditation im Mittelpunkt. Und abends haben wir uns gemeinsam die Spiele angeschaut.


Christine Beck, Miriam Dietz

Aus Deutschland bei der WM im Einsatz: Schiedsrichterin Christine Beck (l.) und Assistentin Miriam Dietz.

Bild: Nora Kruse

An Spieltagen sind wir einen Tag vorher zum Spielort gereist, haben morgens noch ein wenig trainiert, und sind einen Tag später wieder nach Shanghai gefahren oder geflogen. Dort haben wir mit allen Schiedsrichterinnen zusammen eine Spielanalyse gemacht.

Wie kann man sich so eine Analyse vorstellen, wie wird dort zum Beispiel mit Fehlentscheidungen umgegangen?
Es wurden natürlich nicht nur Fehlentscheidungen analysiert, sondern auch Dinge, die gut gelaufen sind. Wir haben die jeweiligen Situationen analysiert und in der Gruppe besprochen, was gut gelöst wurde und was weniger. Bei Fehlentscheidungen war das klare Ziel, dass sie nicht mehr passieren. Das heißt, wir haben versucht, den Grund zu analysieren, ob vielleicht das Stellungsspiel falsch war. Strafstöße und persönliche Strafen wurden noch mal extra beleuchtet.

Analyse, Training, Reisen – bei den Spielerinnen hört man immer, dass sie mal einen Nachmittag frei bekommen, wie viel Zeit hattet Ihr?
Nicht viel. In der Zeit, in der wir im Turnier waren, blieb überhaupt keine Zeit, da waren wir im Reisestress. An ein oder zwei Tagen hatten wir trainingsfrei und bevor Schiedsrichterinnen heim geschickt wurden, wie zum Beispiel nach dem Viertelfinale, gab es einen Tag, an dem wir ein bisschen Sightseeing machen konnten.

Gab es während des Turniers irgendwelche größeren Probleme? Man hört ja immer die wildesten Schauergeschich- ten über das Essen...
Wir hatten im Hotel europäisches Essen, aber bei den offiziellen Abendessen war es recht erlebnisreich. Vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber dieses Essen assoziiert man ja auch mit China und das wollten wir erleben.


Aber keine weiteren Probleme?
Grenzsituationen sind natürlich, wenn Kolleginnen heimgeschickt werden, sei es wegen durchgefallener Leistungsprüfung oder im Turnierverlauf. Man selber hat dann seine Koffer auch schon immer gepackt, weil man denkt, man muss heim, wenn bestimmte Mannschaften weiter kommen. Für mich war es daher schon eine Überraschung, dass ich bis zum Finaltag bleiben durfte, obwohl die deutsche Mannschaft noch im Turnier war.

Was steht bei Dir als nächstes auf dem Terminplan?
Wir hatten zwei Wochen nach der WM, in denen wir vom DFB freigestellt wurden, aber mittlerweile sind wir wieder voll im Alltag angelangt, das heißt Bundesliga, DFB-Pokal und Länderspiele der U16 gegen Frankreich. Aber auch darauf freue ich mich. FIFA-technisch wird dieses Jahr nichts mehr laufen, vielleicht noch der Uefa Cup.

Wie sieht das beim Arbeitsalltag aus, von Shanghai direkt ins Büro?
Ja, direkt angefangen - aber nach 33 Tagen freut man sich auch wieder auf die Kollegen...

Und auch wieder auf China? Nächstes Jahr sind die Olympischen Spiele, sind die angepeilt?
Natürlich. Das ist ein Traum für jeden Sportler und wenn ich da eingeladen bin, packe ich sehr gerne wieder die Koffer.

Und wenn man im nächsten Jahr Dein Profil auf der FIFA-Homepage anklickt, steht da als größtes Erlebnis auch nicht mehr das Playoffspiel zwischen Japan und Mexiko?
Natürlich nicht, jetzt habe ich auch endlich eine WM, die ich da reinschreiben kann. Denn die Schiedsrichterinnen um mich herum waren alle mega-erfahren und hatten viele internationale Großturniere absolviert...

Wie ist dann der Erfahrungsaustausch?
Super. Man ist eine eingeschworene Mannschaft. Das ist ein super Erlebnis, wenn man zum Spiel aufbricht und alle kommen noch mal runter in die Lobby gelaufen und wünschen einem viel Glück. Auch direkt bei den Ansetzungen haben wir über die Mannschaften gesprochen, jeder hat sich mit einem gefreut, das war eine tolle Atmosphäre. Wir waren halt auch ein Team.

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