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Frauenfußball Großereignisse

Weltklasseniveau gefordert

Die Weltmeisterschaft 2003

Von Nora Kruse

09.09.2007

Vier Jahre liegt die Weltmeisterschaft in den USA nun zurück und sie war aus deutscher Sicht nicht nur wegen des Golden Goals von Nia Künzer im Finale ein Highlight, sondern auch spielerisch. Diesen Eindruck konnte man nicht nur selber vor dem Fernseher gewinnen, wenn man sich das Halbfinale zwischen Deutschland und den USA anschaute, er wurde auch von ganz offizieller Stelle bestätigt: der technischen Studiengruppe (TSG).

„Die interessanten Spiele im ganzen Turnierverlauf waren klarer Beweis für die enormen Fortschritte des Frauenfußballs“, steht im 180-seitigen Abschlussbericht der TSG. Doch bevor 180 Seiten zu Papier gebracht werden können, steht einiges an Arbeit für die Mitglieder der TSG an. Pro Spiel war 2003 nur jeweils eine Beobachterin aus dem Team der TSG vor Ort, „das ist schon ziemlich heftig“, erklärt Tatjana Haenni, 2003 Hauptverantwortliche der Gruppe, denn die Aufgaben sind komplex. Über jede Spielerin muss im Verlauf der Partie etwas zu Papier gebracht werden: welche Position hat sie eingenommen, ihre Stärken und Schwächen, aber auch das taktische Verhalten und die Merkmale der beiden Teams an sich.
Ist die Partie beendet, geht die Arbeit gleich weiter, die FairPlay-Liste muss erstellt werden und die sofortige Übermittlung eines zweiseitigen Dokuments mit Resultat und allen Daten zur Partie, inklusive der Spielerinnen, die die Tore vorbereitet haben. Läuft alles gut, liegt abends im Hotel die DVD zum nochmaligen Anschauen des Spiels vor, die beim Schreiben eines 10-seitigen Dokuments pro Mannschaft am nächsten Tag hilft.
Es wird deutlich, dass die Arbeit bei einer Weltmeisterschaft „Weltklasseniveau erfordert“, so Haenni, was die Auswahl der TSG-Mitglieder nicht immer leicht macht. Denn während in Europa die Anzahl an hochqualifizierten (Ex)-Trainerinnen hoch ist, sieht es in anderen Konföderationen, wie zum Beispiel Asien, etwas schwächer aus. Dennoch ist ein Kriterium bei der Auswahl der Gruppe, dass eine gewisse Ausgewogenheit zwischen den Konföderationen besteht.
Die größere Ausgewogenheit zwischen den Teams machte die WM 2003 erst zu dem Ereignis, das sie war. „Die taktischen Fortschritte waren nicht nur bei den Topteams, sondern auch bei den Mannschaften zu beobachten,


Technische Studiengruppe 2003

Der Technischen Studiengruppe entging bei der WM nichts. Von links: Michelle Chai (Malaysia, AFC), Vera Pauw (Niederlande), Sylvie Béliveau (Kanada), Fran Hilton-Smith (Südafrika), Hope Powell (England), Tatjana Haenni (FIFA)

Foto: Tatjana Haenni

die bereits nach den Gruppenspielen die Heimreise antreten mussten“, so der Bericht und Haenni fügt hinzu, dass aber „auch die Teams intern ausgeglichener waren als 1999 - da waren die Mannschaften weniger variabel. 2003 war das Positionsspiel besser und variantenreicher. Außerdem hat sich die Athletik verbessert und die ballführende Spielerin war schneller.“ Dass das Tempo ein Hauptunterschied einzelner Teams war, konstatiert auch der Bericht: „Ein hoher Rhythmus war ein absolutes Muss, wollte ein Team den Gegner wirksam unter Druck setzen. Das einzige Team, das dem Spiel wirklich seinen Stempel aufdrücken konnte, war unter der Regie von (Bettina) Wiegmann Deutschland.“

1991, 1995 und 1999 - die Weltmeister- mannschaften wurden immer von männlichen Trainern angeführt. Erst Tina Theune-Meyer gelang es, als erste Frau, den Pokal mit nach Hause zu nehmen.

Foto: Nora Kruse


Aus deutscher Sicht begeisterte der Durchmarsch des DFB-Teams ins Finale; dass die Mannschaft von Tina Theune-Meyer dort auf Schweden traf, erfreute die Beobachterinnen aufgrund einer ganz anderen Tatsache: „Ein Highlight war, dass erstmals zwei Trainerinnen im Finale standen“, resümiert Haenni und die am Ende unterlegene Marika Domanski-Lyfors wurde von der TSG zur Trainerin des Turniers gewählt, „weil sie in schwierigen Situationen immer wieder das richtige Rezept fand“, so der Bericht.
Da sich der Frauenfußball „zweifellos weiterentwickeln“ wird, wie die Beobachterinnen 2003 voraussagten, wird sich auch die Herangehensweise der TSG verändern. In China werden zwei Beobachterinnen pro Spiel vor Ort sein und ihre Arbeit wird durch zunehmende Technik und Computereinsatz vereinfacht. Doch wofür wird eigentlich solch ein Aufwand betrieben, der Fifa-intern schon Monate vor Beginn des Turniers für erste Planungen sorgt? „Der Bericht ist sicherlich nicht das Non-Plus-Ultra in Zeiten der vielen Webseiten und anderweitigen Informationsmöglichkeiten. Aber uns ist auch der geschichtliche Aspekt wichtig, Ergebnisse, Statistiken und Entwicklungen zu archivieren. Für die Trainer in Europa oder Amerika ist das sicherlich nicht die wichtigste Informationsquelle, aber in Ozeanien oder Asien, der ‚kleinen Welt des Frauenfußballs’, können die Berichte und DVDs schon helfen“, erklärt Tatjana Haenni.

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