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Frauenfußball Großereignisse

Eine neue Dimension

Die Weltmeisterschaft 1999

Von Nora Kruse

07.09.2007

10. Juli 1999, WM-Endspiel in Pasadena: USA gegen China, es geht ins Elfmeterschießen und im Stadion jubeln 90.185 Zuschauer, als Brandi Chastain den entscheidenden Elfmeter verwandelt, sich das Trikot vom Leib reißt und somit für ein Foto sorgt, das um die Welt geht. Insgesamt besuchten damals 1.194.215 Menschen die WM, die von Beginn an eine Erfolgsstory war.

Die USA, in denen Frauenfußball in den 1990er Jahren eine ganz andere Dimension hatte, als in Europa, vergab die WM nicht in Randgebiete, sondern in namhafte Städte: Los Angeles, Chicago, Boston, San Francisco, San José, Portland, aber auch in die Hauptstadt Washington und die Metropole New York.
Im dortigen Giants Stadium (‚The Meadowlands’), das normalerweise die Footballer der NFL beherbergt und 80.242 Zuschauer fasst, gab Schiedsrichterin Sonia Denoncourt am 19. Juni den Anpfiff zum Fußballfest. Im Eröffnungsspiel traf der Gastgeber auf Dänemark. 78.972 Zuschauer wollten dabei sein und sorgten für eine „fantastische Stimmung“, wie sich Louise Hansen erinnert, die in der 78. Minute für Dänemark aufs Feld durfte.
„Die Weltmeisterschaft war hervorragend organisiert, überall waren die Menschen begeistert und redeten über Frauenfußball – etwas, das man aus Europa nicht gewöhnt ist“, fährt die Mittelfeldspielerin des 1. FFC Frankfurt fort. Die Begeisterung der Amerikaner ebbte nicht ab, aber ihre Nationalmannschaft gab ihnen auch keinen Grund. Dänemark wurde mit 3:0 besiegt, es folgte ein 7:1 gegen Nigeria und ein erneutes 3:0 gegen Korea – jeweils schauten mehrere zehntausend Zuschauer zu. Für diese WM wurde das Teilnehmer- feld auf 16 Mannschaften erhöht, Fernsehbilder wurden in 64 Ländern ausgestrahlt (vgl. 2007: 200 Länder), unter anderem natürlich in Deutschland.


Verfolgen konnten wir hier, wie die DFB-Auswahl ebenfalls ins Viertel- finale einzog, jedoch weit weniger souverän. Auf ein 1:1 gegen Italien folgte ein klarer 6:0-Erfolg gegen Mexiko, bevor man sich im letzten Gruppenspiel mit 3:3 von Brasilien trennte. Zur Halbzeit hatten die Deutschen noch mit 1:2 in Rückstand gelegen, glichen durch Bettina Wiegmann aus, bevor Steffi Jones das Team per Strafstoß in Führung brachte. Diese hielt bis in die vierte Minute der Nachspielzeit, dort erzielte Maycon den Aus- gleich. Die frauenfußballbegeisterten Amerika- ner besuchten auch Spiele ohne US-Beteiligung in großer Zahl, etwa 20.000 Zuschauer pro Spiel verfolgten die Vorrundenspiele der deutschen Auswahl.

1999 war Christie Rampone (r.) noch Ersatzspielerin, mittlerweile ist sie unverzichtbare Stütze des US-Teams. Wenn sie heute auf Deutschland trifft, ist noch immer Hochspannung geboten.

Foto: Nora Kruse

Nach diesen Spielen belegte das Team von Bundestrainerin Tina Theune-Meyer den zweiten Rang der Gruppe, was bedeutete, dass man den USA bereits im Viertelfinale begegnete. Nach nur fünf Minuten brachte die spätere WM-Heldin Chastain die Deutschen per Eigentor in Führung, zehn Minuten später glich Tiffeny Milbrett in Washington aus. Zum psychologisch wichtigen Zeitpunkt direkt vor der Habzeitpause sorgte Wiegmann für das 2:1, was die Mannschaft jedoch nicht halten konnte, zu nervös, aufgeregt und unsicher wirkte sie. So machte Chastain ihren anfänglichen Fehler wieder gut, erzielte nach Wieder- anstoß den Ausgleich, und Joy Fawcett besorgte in der 66. Minute den 3:2-Endstand für ihr Team.


Waren es im Viertelfinale „nur“ 54.642 Zuschauer, die das Spiel der Amerikanerinnen verfolgten, kamen zum Halbfinale noch mal 20.000 Menschen mehr ins Stanford Stadium von San Francisco und erlebten, wie die USA auch hier ungeschlagen blieben und schließlich mit 2:0 ins Finale einzogen.
Als Finalgegner präsentierte sich die Mannschaft aus China, genau wie die USA bis dahin ungeschlagen und mit einer Tordifferenz von 19:2 sogar erfolgreicher als die Gastgeberinnen (18:3). Dafür hatte in erster Linie Sun Wen gesorgt, die mit sieben Treffern nicht nur den Goldenen Schuh (gemeinsam mit der Brasilianerin Sissi) gewann, sondern auch den Preis als beste Spielerin des Turniers. Es versprach also ein heißer Kampf in Pasadena zu werden – ein Kampf, der bis zum Ende offen war. In der regulären Spielzeit fiel kein Tor, in 30 Minuten Nachspielzeit kein Golden Goal, Elfmeterschießen war angesagt. Dort waren die USA mit ihren fünf ernannten Spielerinnen erfolgreich, nur die Chinesin Liu Ying scheiterte beim Stand von 2:2 an US-Torhüterin Brianna Scurry.
90.185 Zuschauer konnten den „Heimsieg“ der Amerikanerinnen feiern, die den Frauenfußball auch für die Industrie interessant machten. Werbesports wurden gedreht, Unternehmen sahen das Potenzial für eine Profiliga gegeben, die 2001 ihren Betrieb aufnahm. Und auch wenn diese nach nur drei Spielzeiten Insolvenz anmelden musste, trug die Liga dazu bei, dass man in Europa mit der Einführung des Uefa Cups nachzog.

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