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Frauenfußball Großereignisse

Himmelhoch jauchzend - zu Tode betrübt

Die Weltmeisterschaft 1995

Von Nora Kruse

02.09.2007

Zwei Torhüterinnen und ein Turnier, wie es verschiedener nicht hätte laufen können. Bente Nordby und Elisabeth Leidinge sind die wohl besten Torhüterinnen, die ihre jeweiligen Länder je gesehen haben. Bei der Weltmeister- schaft 1995 standen beide auf dem Platz, Nordby für Norwegen, Leidinge für Schweden. Doch wenn für die eine diese WM „einer der größten Augenblicke meiner Karriere“ war, endete sie für die andere mit „einer der schlimmsten Niederlagen, die ich je erlebt habe.“

Doch es ist nicht die 3:4-Niederlage gegen China im Elfmeterschießen, an die Leidinge zuerst denkt, wenn sie sich zwölf Jahre zurück erinnert. „Es war ein perfekt organisiertes Turnier. Viele Zuschauer und eine „feel-good“-Stimmung während sämtlicher Spiele.“ Grund genug hatten die schwedischen Zuschauer, denn trotz der Auftaktniederlage für die Gastgeberinnen gegen Brasilien, erkämpften sie sich mit Siegen gegen Deutschland und Japan den Viertelfinaleinzug.

Elisabeth Leidinge

112 Länderspiele hat Elisabeth Leidinge absolviert, heute gibt sie ihr Wissen im Verband und bei Malmö FF weiter.

Foto: Volker Lieberum


Doch genau dort kam es am 13. Juni zum denkwürdigen Spiel gegen die Chinesinnen in Helsingborg. „Es war ein Spiel im Regen, schwierig zu spielen“, erinnert sich Leidinge. Die Zuschauer hielt es nicht ab, das Stadion war voll. Zu jubeln gab es jedoch lange Zeit nichts, denn bereits in der 29. Minute gingen die Chinesinnen durch Sun Qingmei in Führung. Die Minuten liefen dahin, Schweden kam nicht ran. Doch dann war es buchstäblich die letzte Sekunde, die die Schwedinnen in die Verlängerung rettete: Ulrike Kalte traf in der dritten Minute der Nachspielzeit zum Ausgleich. „Wir hatten dann die besten Möglichkeiten in der Verlängerung, aber haben das Tor nicht gemacht“, sagt Leidinge, die im Anschluss gefordert wurde.

"In 30 Sekunden vom Himmel in die Hölle"

Es kam zum Elfmeterschießen, dem ersten bei einer Frauen- Weltmeisterschaft. Erneut waren es die Chinesinnen, die den besseren Start erwischten. Fußballlegende Sun Wen brachte ihre Mannschaft in Führung, Xie Huilin baute auf 2:0 aus, nachdem Malin Andersson verschossen hatte. Pia Sundhage brachte ihr Team schließlich auf 3:4 ran, bevor Leidinge den Elfmeter von Liu Ailing hielt. „Als ich diesen Elfmeter hielt, dachte ich, wir gewinnen das Spiel noch“, so die heute 50-Jährige Torwarttrainerin von Malmö FF. Doch es kam anders, Gao Hong hielt den schwach geschossenen Elfmeter von Annika Nessvold und machte den Einzug ins Halbfinale perfekt.

Genau dorthin schaffte es auch die norwegische Mannschaft – und zwar mühelos. Die Gruppe wurde mit drei Siegen und 17:0 Toren gewonnen und fast hätte Torhüterin Nordby auch im Viertelfinale nicht hinter sich greifen müssen, doch die Dänin Gitte Krogh schaffte beim Stand von 0:3 aus dänischer Sicht vier Minuten vor dem Abpfiff noch den Ehrentreffer.
Die Norwegerinnen wird es nicht gestört haben, schließlich kam das große Treffen, für viele das vorweg genommene Finale, eine Runde später: die Nordländerinnen trafen auf den großen Rivalen


USA. „Spiele gegen die USA sind immer unglaublich eng und umkämpft“, sagt Nordby, für die dieses Spiel das vielleicht größte Ereignis bei der WM war. „Wir haben schon ziemlich früh das 1:0 erzielt“, so die 33-Jährige, deren Teamkollegin Ann Katrin Aarönes in der zehnten Minute für die Führung sorgte. „Danach machte die USA richtig Druck“, ergänzt Nordby, „und wir bekamen auch noch eine Rote Karte und mussten in Unterzahl weiter spielen.“ Den Karton sah Heidi Störe eine Viertelstunde vor dem Ende. „Aber wir hielten durch; das war schon ein besonderes Spiel.“

Bente Nordby

Sie ist nicht wegzudenken aus dem norwegischen Team: Bente Nordby

Foto: Nora Kruse

Der Sieg bedeutete für Nordby, die ihre erste Weltmeisterschaft als Nummer Eins spielte, den Einzug ins Finale, wo die deutsche Mannschaft wartete, die zuvor China mit einem Last-Minute-Tor von Bettina Wiegmann besiegt hatte. Bei Europameisterschaften waren Norwegen und Deutschland zuvor bereits dreimal im Finale aufeinander getroffen – jeweils behielt die DFB-Auswahl die Oberhand. „Daran dachten wir aber gar nicht“, sagt Nordby und in der Tat sorgten ihre Mannschaftskolleginnen Hege Riise und Marianne Pettersen noch vor der Halbzeitpause für den 2:0-Endstand in Stockholm und bescherten sich und ihrer Torhüterin einen „ganz besonderen Moment, als wir den Pokal in den Händen hielten.“

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