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Frauenfußball Großereignisse

Title IX

Die Weltmeisterschaft 1991

Von Nora Kruse

31.08.2007

61 Jahre nach der ersten Fußballweltmeisterschaft der Männer in Uruguay konnten sich 1991 endlich auch die Frauen auf der Weltbühne des Fußballs messen. Die WM wurde in China ausgetragen, dominiert wurde die Bühne zu damaliger Zeit jedoch von Norwegen und den USA. Doch auch wenn die USA immer als Prototyp im Frauenfußball gesehen werden, sind die dort entstandene Euphorie und Leistungsstärke nicht naturgegeben.

Die Sportstrukturen in den Vereinigten Staaten sind untrennbar mit den Highschools und Universitäten verbunden. Dort herrschen die besten Trainingsbedingungen, Sport und Ausbildung können (und müssen) unter einen Hut gebracht werden. Doch um von diesen Bedingungen profitieren zu können, muss man Zugang erhalten. Da dieser teuer ist, gibt es nicht erst seit gestern Stipendien für Hochbegabte – nicht nur im Sport -, die jedoch vor den 1970er Jahren nicht an Frauen vergeben wurden. Cheer Leading und Square Dancing waren die „typischen Frauensportarten“, der Zugang für Frauen zu Universitäten war begrenzt und so standen ihnen auch lediglich zwei Prozent vom Sportbudget zur Verfügung.
Die Wende kam 1972 und ist nur unter dem Begriff „Title IX“ bekannt – Artikel neun der Gesetzesänderung im Ausbildungs- recht. Das Gesetz ist einfach und besagt, dass jede vom Staat geförderte Bildungsmaßnahme beiden Geschlechtern zugänglich sein muss. Der Sport ist nur einer von zehn Schlüsselbereichen, doch wird „Title IX“ in erster Linie sportlich assoziiert. Dort bedeutet das Gesetz konkret, dass das Geld proportional auf die Sportler verteilt werden muss: sind 40 Prozent der Athleten weiblich, stehen ihnen auch 40 Prozent des Budgets zur Verfügung.
Der Frauensport war geboren, Zugang zu „Männersportarten“ wie Baseball oder Basketball konnte den Frauen nicht mehr verwehrt werden, am schnellsten wuchs jedoch Frauenfußball. In den USA war Fußball relativ unpopulär und dadurch nicht, wie in Europa, männlich assoziiert. Hier galt es keine Vorurteile aus dem Weg zu


No person in the United States shall, on the basis of sex, be excluded from participation in, be denied the benefits of, or be subjected to discrimination under any education program or activity receiving federal financial assistance.

Title IX of the Education Amendments of 1972

räumen und wie US-Fußballstar Mia Hamm gegenüber dem Fernsehsender Arte erklärte, sei der Sport für die Universitäten günstig einzurichten gewesen, was eine gute Starthilfe gewesen sei.
Während 1971/72 294.015 Sportlerinnen in den US-Highschools aktiv waren (vgl. 3.666.917 Männer), wuchs die Zahl bis 2000/01 auf 2.784.154 (3.921.069 Männer). Dennoch verstummen die Kritiker des berühmten Paragraphen bis heute nicht: Randsportarten sei zugunsten der Frauen an den Universitäten das Geld gekürzt worden und seien schließlich verloren gegangen. Außerdem seien es die „großen“ Männer- sportarten, wie Football, die den Universitäten das meiste Geld einbrächten, durch „Title IX“ aber nicht in vollem Umfang behalten dürften. Die Befürworter halten dagegen und bemängeln noch immer Ungleichheiten, wie die vergleichsweise niedrige Zahl weiblicher Trainer oder die weiterhin höhere Zahl der Stipendien, die an Männer vergeben werden.
Fußball wurde in den USA weiblich und die Identifikation der Amerikaner mit „ihrer“ Universität, ihrer Gemeinde und Gegend ist traditionell hoch. Was zum großen Teil geschichtlich bedingt ist, lässt sich im Sport besonders gut ausleben.
1985 wurde die Nationalmann- schaft gegründet und hatte auf der Weltbühne in erster Linie Norwegen zum Gegner. Dort war der Frauenfußball älter und bildete sich bereits in den 1970er Jahren neu. Etwa zehn Jahre später wurde man schließlich bei der Fifa vorstellig und nach anfänglicher Skepsis wurde für 1991 die erste Weltmeisterschaft nach China vergeben.
Deutschland hatte Norwegen sowohl 1989 als auch 1991 auf kontinentaler Ebene bei den Europameisterschaften besiegt. Auch in China zog die DFB-Auswahl als Gruppensieger souverän ins Viertelfinale ein, wo Dänemark besiegt wurde. Im Halbfinale wartete schließlich die Auswahl der USA und ließ den


Kristine Lilly

Von der wohl berühmtesten "Frauenfußball-Uni", der University of North Carolina, kommt Urgestein Kristine Lilly. 1991 war sie genauso unverzichtbar für die US-Auswahl wie heute.

Foto: Nora Kruse

Deutschen nicht den Hauch einer Chance. Tore von Bettina Wiegmann und Heidi Mohr reichten nicht ansatzweise, 2:5 unterlag man den Universitätsspielerinnen; zwei Tore steuerte die spätere Nationaltrainerin April Heinrichs bei. Da sich Norwegen trotz frühem Gegentor mit 4:1 gegen Schweden durchsetzte, waren es wieder die großen Konkurrentinnen, die im Finale aufeinander trafen. Michelle Akers brachte die US-Girls in der 20. Minute in Führung, Norwegen glich nur neun Minuten später aus. Es half jedoch nichts, da die Jahrhundertfußballerin Akers in der 78. Minute erneut traf – diesmal zum Endstand.

alle Ergebnisse

www.titleix.info

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