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Frauenfußball Großereignisse

Das Finale der „Fab Five”

Die Olympischen Spiele 2004

Text von Christian Heidler

17.7.2008   Ein Turnier ohne Titelverteidiger, der Qualifikationsmodus machte die „Unmöglichkeit” möglich. Da neben Gastgeber Griechenland nur zwei weitere europäische Teams an den Olympischen Spielen teilnehmen durften und diese beiden Plätze an die besten Europäer der WM 2003 vergeben wurden, blieb Norwegen als Goldmedaillengewinner von Sydney 2000 bei den Olympischen Spielen 2004 nur die Zuschauerrolle. Weltmeister Deutschland und Vizeweltmeister Schweden traten also für Europa an und zählten natürlich zu den Favoriten. Als Top-Favorit waren aber die USA anzusehen.

Die amerikanische Profiliga WUSA hatte ihren Spielbetrieb einstellen müssen. Würden die mehrwöchigen Trainingslager der Nationalmannschaft die fehlende Spielpraxis wettmachen können? Die letzten Testspiele hatten darauf keine befriedigende Antwort geliefert, eines war jedoch klar, die US-Amerikanerinnen waren fest gewillt, in Athen Gold zu gewinnen. Das Halbfinalausscheiden bei der WM 2003 im eigenen Land war eher zusätzliche Motivation. Diese Scharte galt es auszuwetzen! Für einige der altgedienten Spielerinnen zeichnete sich außerdem ab, daß die Spiele von Athen ihr letztes großes Turnier sein würde. Die „Fab Five” wollten ihre Karriere unbedingt mit einem Erfolgserlebnis beenden. Diese „fabelhaften Fünf” waren Abwehr-As Joy Fawcett, Brandi Chastain, deren entscheidendes Tor im Elfmeterschießen des WM-Finales von 1999 unvergessen bleibt, Rekord-Internationale Kristine Lilly, Spielführerin Julie Foudy und natürlich die als „Jahrhundertfußballerin” bezeichnete legendäre Mia Hamm.

Nach Auftaktsiegen gegen Griechenland (3:0) und Brasilien (2:0) konnten sich die USA auch ein Remis gegen Australien (1:1) leisten. Platz 1 in der einzigen Vierergruppe war ihnen nicht mehr zu nehmen. Im Viertelfinale trafen die US-Girls dann auf Japan. In einem Vorbereitungsspiel hatten sich beide Teams 1:1 getrennt und auch diese Begegnung war hart umkämpft und endete knapp mit 2:1 für die Amerikanerinnen. Gegner im Halbfinale war dann die DFB-Auswahl. Die USA brannten auf die Revanche!

Steffi Jones und Sandra Minnert

Steffi Jones und Sandra Minnert hatten mit dem 1. FFC Frankfurt einen unglücklichen Saisonabschluss erlebt, für Jones war Olympia 2004 das erste Turnier nach ihrem bei der WM 2003 erlittenen Kreuzbandriss

Archivbild: Nora Kruse

In der deutschen Elf hatte es nach der WM einen entscheidenden Einschnitt gegeben. Mit Bettina Wiegmann und Maren Meinert hatten zwei kaum zu ersetzende Ausnahmespielerinnen ihre Karrieren beendet. Eine schwierige Situation für Nationaltrainerin Tina Theune-Meyer, zumal sich das Mittelfeldduo Renate Lingor und Viola Odebrecht verletzungsbedingt vor den Olympischen Spielen noch nicht richtig einspielen konnte. Fraglich war auch, ob bei den Spielerinnen des 1. FFC Frankfurt noch der unglückliche Saisonabschluß nachwirkte, hatten sie doch in Meisterschaft, Pokal und UEFA-Cup jeweils nur den zweiten Platz erreicht.

Im Auftaktspiel gelang Deutschland dann ein müheloses 8:0 gegen China. Birgit Prinz steuerte 4 Treffer zum höchsten Sieg in der Turniergeschichte bei.


Kristine Lilly

Sie spielt und spielt und spielt. Kristine Lilly setzte ihre Karriere auch nach dem Gewinn der Goldmedaille 2004 fort, wurde Spielführerin des US-Teams und ist die Rekord-Internationale schlechthin

Archivbild: Beate Wolter

Doch schon gegen den anderen Vorrundengegner, Mexiko, lief es für die Adlerträgerinnen nicht richtig rund. Das beruhigende 2:0 durch Prinz fiel erst in der 79. Minute. Gegen die körperbetont spielenden Nigerianerinnen taten sich die Deutschen im anschließenden Viertelfinale richtig schwer. Einen 0:1-Rückstand durch Akide aus der 49. Minute konnten Jones und Pohlers erst in der Schlußviertelstunde umbiegen.

Amerikas angehender Stürmerstar Abby Wambach hatte ein unerbittliches Spiel prophezeit, sollten Deutschland und die USA bei den Olympischen Spielen aufeinander treffen. „Wir lieben es, gegen Deutschland zu spielen,“ hatte Wambach in einem Interview für das Frauenfußballblatt >die elf< vor dem Turnier verraten und darauf verwiesen, daß beide Teams aus Spielen gegeneinander sehr viel lernen könnten. In dieser Begegnung freilich waren die Rollen recht einseitig verteilt: Die USA dominierten deutlich das Spiel, gingen in der 36. Minute durch Kristine Lilly folgerichtig in Führung und erwiesen sich als Lehrmeister. Die Deutschen agierten zu harmlos und ließen jegliche Durchschlagskraft vermissen.

Das Team von US-Coach April Heinrich sah schon wie der sichere Sieger aus, da gaben die Deutschen ihren Gegnern doch noch eine Lektion: Deutschland ist erst geschlagen wenn ein Spiel tatsächlich abgepfiffen ist, vorher muß man immer mit ihnen rechnen! Denn in der 2. Minute der Nachspielzeit schnappte sich Isabell Bachor den Ball, zog in den Strafraum, faßte sich ein Herz und erzielte den Ausgleich. Unglaublich!

Isabell Bachor

Isabell Bachor zwang die USA im Halbfinale durch ein Tor in der 92. Spielminute noch in die Verlängerung

Arcivbild: Nora Kruse

Es folgte die Verlängerung, die anfangs gar eine überlegene deutsche Mannschaft sah. Es war dann aber die 19-jährige Heather O’Reilly, die mit ihrem Treffer den letztlich verdienten Sieg für die USA sicherstellte.


Mit viel Erfahrung und gut eingespielt reiste Schwedens Nationalteam nach Griechenland. Die Mannschaft war gegenüber dem WM-Kader nahezu unverändert. Auch Ausnahmestürmerin Hanna Ljungberg, die im Januar noch einen Kreuzbandriß erlitten hatte, war wieder an Bord.

Hanna Ljungberg

Schwedens Stürmerstar Hanna Ljungberg schaffte es, nach einem Kreuzbandriss im Januar zu den Olympischen Spielen wieder fit zu sein

Archivbild: Nora Kruse

Doch nach der Auftaktniederlage gegen Japan (0:1) waren die Medaillenhoffnungen stark in Gefahr geraten. Im zweiten Gruppenspiel mußte unbedingt ein Sieg her, Schweden geriet aber gegen Afrikameister Nigeria schnell in Rückstand. Hanna Marklund und Malin Moström sicherten dann den 2:1-Sieg und damit die Qualifikation fürs Viertelfinale. Auf der Strecke blieben die punktlosen Griechen und Asienmeister China, der lediglich einen Zähler gegen Mexiko zu verbuchen hatte.

In der Runde der letzten 8 traf das Team von Marika Domanski Lyfors auf Australien. Hanna Ljungberg und Sara Larsson schafften schon in der ersten Halbzeit die Vorentscheidung, den „Mathildas“ gelang in der Schlußphase durch Lisa De Vanna lediglich der Anschlußtreffer zum 2:1. Schweden schien immer besser in das Turnier zu finden und bot auch im Semifinale gegen Brasilien eine gute erste Halbzeit. Im zweiten Durchgang kippte das Spiel aber zu Ungunsten der Schwedinnen und Pretinhas Treffer in der 64. Minute beendete die Endspielträume der Skandinavierinnen.


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