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Frauenfußball Großereignisse

Das goldene Tor

Die Olympischen Spiele 2000

Von Nora Kruse

08.09.2007

Sudden Death und Golden Goal – zwei Begriffe, der eine aus dem Eishockey, der andere aus dem Fußball, die dasselbe meinen, es aber unterschiedlich positiv ausdrücken: die Beendigung des Spiels in der Verlängerung, sobald ein einziges Tor fällt. Auch bei den Olympischen Spielen 2000 fiel dieses eine Tor, Dagny Mellgren schoss es für die Norwegerinnen im Finale gegen die USA und sorgte für Gesprächsstoff.

Handspiel oder kein Handspiel, das war die Frage. Und die Fernsehbilder schienen den Verfechtern beider Thesen Recht zu geben: Norwegens Hege Riise spielten einen langen Ball, der von einer amerikanischen Abwehrspie- lerin an Mellgrens Oberarm sprang, bevor sie den Ball zum Golden Goal einlochte und den Amerikanerinnen den Sudden Death bescherte. „Heute hätte die Entstehung des Tors vermutlich nicht mehr für so viel Gesprächsstoff gesorgt“, denkt Sonia Denoncourt, die damals die Partie leitete und das Tor gab. „Das Verständnis für den Fußball ist gewachsen“, so die 43-Jährige weiter und spielt auf die Passivität von Mellgren in dieser Situation an. „Die norwegische Spielerin stand mit dem Rücken zum Ball; der Ball ging zum Arm, nicht umgekehrt.“
Auch sieben Jahre danach erinnert sich Denoncourt noch genau an diese Szene, oft genug hat sie sie auf Video angeschaut und ist sich „heute wie damals sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.“ Auch die Amerikanerinnen, die sofort Handspiel monierten, verzichteten auf Protest - eine faire Geste, die Judy Foudy dem Fernsehsender Arte gegenüber damit begründete, dass es den Mannschaften und dem Spiel nicht gerecht geworden wäre. Ganz davon abgesehen, hätte ein Protest die Amerikanerinnen aber nicht weitergebracht; damals galt, genau wie heute: Schiedsrich- terentscheidungen sind Tat- sachenentscheidungen.




0:1 Tiffeny Milbrett (5.)
1:1 Gro Espeseth (44.)
2:1 Ragnhild Gulbrandsen (78.)
2:2 Tiffeny Milbrett (90.)
3:2 Dagny Mellgren (102./GG)

Trotz allem wurde hinter den Kulissen heftig diskutiert, über einen Protest, den die USA eventuell einlegen wollten und über die Entscheidung an sich. Videoanalysen wurden durchge- führt, die Entscheidung wurde als korrekt erklärt. „Gut für mich“, sagt Denoncourt, „ich hätte es schrecklich gefunden, ein Spiel mit einem Fehler von mir entschieden zu haben.“
Eingeführt wurde das Golden Goal für die U20-Junioren-WM 1993, bei den Männern war Oliver Bierhoff im Finale der Europameisterschaft 1996 als erster erfolgreich. Im gleichen Jahr musste das goldene Tor zum ersten Mal in einem Frauenturnier entscheiden, genau wie 2000 war es bei den Olympischen Spielen. Auch dieses Spiel wurde von Denoncourt geleitet und auch dort trafen Norwegen und die USA aufeinander. Damals war es das Halbfinale und die USA zogen mit einem 2:1 ins Endspiel ein.
Insgesamt wurden im Frauenfußball bei WMs, EMs und Olympischen Spielen fünf Golden Goals ausgespielt, das zweite bei der Weltmeisterschaft 1999 im Halbfinale zwischen Brasilien und Nigeria – und schließlich die aus deutscher Sicht populärsten: Im Finale der EM 2001 traf Claudia Müller in der 98. Minute zum 1:0 gegen Schweden. Zwei Jahre später bei der WM war es wieder gegen Schweden und wieder in der 98. Minute, als Nia Künzer den Titel erstmals nach Deutschland holte.
Bei Golden Goals war die deutsche Mannschaft erfolgreich, die Olympischen Spiele in Sydney


wurden dagegen mit gemischten Gefühlen beendet. Nachdem Deutschland mit den Gegnern Brasilien, Schweden und Australien eine sehr günstige Auslosung erwischt, und die Gruppe dementsprechend auf dem ersten Platz beendet hatte, wartete im Halbfinale Norwegen. Damals war die Spielbilanz gegen die Nordländerinnen noch negativ, dennoch hielt die Mannschaft dagegen, bis in der 80. Minute geschah, was unmöglich schien: Tina Wunderlich erzielte mit einem Eigentor das 1:0 für Norwegen, gleichzeitig der Endstand. Dennoch gab es ein positives Ende für die DFB-Auswahl, die im Spiel um Platz drei Brasilien durch Tore von Renate Lingor und Birgit Prinz mit 2:0 besiegte.
Besiegelt war dagegen das Schicksal des Golden Goals, das bei der WM 2003 letztmalig zum Einsatz kam, im Herrenbereich von der Uefa schon ein Jahr zuvor abgeschafft worden war. „Es war eine Erfahrung, die man machen musste“, denkt Denoncourt, die aber dennoch froh ist, dass die Regel nicht mehr gilt. „Kleinigkeiten können das Spiel entscheiden. Es ist ein enormer Druck, unter dem die Schiedsrichter bei der Golden-Goal-Regel in der Verlängerung stehen.“

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