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Frauenfußball Großereignisse

Mittendrin und doch nicht dabei

Die Olympischen Spiele 1996

Von Nora Kruse (Text u. Bilder)

04.09.2007

„Fantastisch“ ist der erste Gedanke, den die ehemalige Fifa-Schiedsrichterin Sonia Denoncourt hat, wenn sie sich an die Olympischen Spiele 1996 in Atlanta zurück erinnert. Die Kanadierin, die heute beim Weltverband für die Schiedsrichterinnen zuständig ist, durfte in Atlanta das erste Olympische Frauenfußballspiel leiten.

„Es war eine große Ehre, für das Turnier nominiert zu werden. Für den Frauenfußball waren und sind die Weltmeisterschaften das größere Turnier, es geht allein um diesen Sport. Aber wenn man vor zehn Jahren nach der Frauen-WM gefragt hat, erntete man meist nur ein ‚Wie, das gibt’s?’ Die Olympischen Spiele waren dagegen natürlich jedem ein Begriff“, schildert Denoncourt die Unterschiede der beiden größten Turniere.

Sonia Denoncourt

Damals auf dem Platz, heute beobachtend auf der Tribüne: Sonia Denoncourt.

Fast 90 Jahre hat es gedauert, bis nach dem Männerfußball 1908 auch die Frauen vor den


Olympischen Fußball treten durften, den Auftakt machte die deutsche Mannschaft in Birmingham. Als Vize-Weltmeister waren die Ziele hoch gesteckt, gegen Japan gab es jedoch dank Treffern von Bettina Wiegmann (das erste Olympische Tor der Geschichte), Heidi Mohr und einem Eigentor nur einen knappen 3:2-Erfolg. Das deutsche Team reiste, wie die meisten anderen Mannschaften, in fast der gleichen Besetzung nach Atlanta, wie ein Jahr zuvor zur Weltmeisterschaft nach Schweden. „Deshalb gab es faktisch auch keinen Unterschied zwischen den Turnieren. Es waren die gleichen Mannschaften und Spielerinnen“, erklärt Denoncourt, für die der Unterschied in erster Linie in der Atmosphäre lag. „Bei Olympia ist einfach alles eine Nummer größer, es ist anders organisiert und hat feste Traditionen und Prozeduren.“
Birmingham war nicht nur die Stadt, in der Deutschland zwei Gruppenspiele absolvierte, dort waren auch die Schiedsrichterinnen untergebracht. „Ein wenig isoliert von allen anderen“, bedauert Denoncourt, die sich allerdings sicher ist, dass sich das für die Schiedsrichter bei den Olympischen Spielen nie ändern wird. Schade sei es dennoch, „denn man ist bei einem solch großen Turnier mit wirklich wichtigen Spielen und Events und kann selber kaum etwas sehen. Wir waren nicht im Olympischen Dorf und konnten auch nicht zur Eröffnungsfeier.“ In den zwei Wochen konnten es die Schiedsrichterinnen einrichten, Volleyball und rhythmische Sportgymnastik zu sehen. „Das sind natürlich nicht unbedingt die Top-Sportarten“, schmunzelt die 43-Jährige, „aber es ergab sich mehr oder weniger so.“
Auch zwischen den Spielen war der Ablauf straff. „Wir analysierten die Spiele, trainierten und wurden schon wieder zu den neuen Spielstätten geschickt.“ Viel Zeit


Sonia Denoncourt, Sandra Hunt, Katriina Elovirta

Fortschritt: Im Team wird heute die Schulung der Schiedsrichterinnen organisiert. Von links: Sonia Denoncourt, Sandra Hunt und Katriina Elovirta.

blieb da nicht und auch das Training war nicht mit der heutigen Situation vergleichbar. „Auch heute wird täglich trainiert, aber es sind Fitnesstrainer und Betreuer dabei“, erklärt die mittlerweile in Zürich lebende Kanadierin und spielt auf ihren eigenen neuen Tätigkeitsbereich an. Für die Schulung der Schiedsrichterinnen für die Weltmeisterschaft im September und die Olympischen Spiele im kommenden Jahr ist Denoncourt federführend und leitet das Projekt, „damals gab es so etwas nicht und auch während des Turniers haben wir fast alleine trainiert.“
Doch auch wenn die Schiedsrichterinnen eine andere Perspektive haben und nicht in den Chor der Aktiven einstimmen können, wenn die einmalige Atmosphäre zwischen den Sportlern im Olympischen Dorf gelobt wird, so dominieren für Denoncourt die positiven Erinnerungen. „Es war sehr gut organisiert, die Stadien waren voll und der Enthusiasmus spürbar.“

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