Von Nora Kruse
10.09.2007
Die Europameisterschaft 2005 bedeutete nicht nur den Abschied von Tina Theune-Meyer als Bundestrainerin, es erschien auch eine neue Kraft auf der
Bühne des internationalen Frauenfußballs: Finnland. Zuvor standen die Finninnen zumeist im Schatten ihrer skandinavischen Nachbarn, seit 2005 wurde denen
schon das ein oder andere Mal die Schau gestohlen.
Für die meisten in Finnland war die Qualifikation der Mannschaft eine kleine Sensation. „Es war fantastisch, ich erinnere mich noch immer an das
entscheidende Play-Off-Spiel gegen Russland in Moskau“, so Nationaltrainer Michael Käld. Dort gewann seine Mannschaft mit 3:1 und das Telefon stand nicht
mehr still. Eine der ersten Gratulantinnen war Finnlands zweimalige Präsidentschaftskandidatin Elisabeth Rehn. „Als unser Flugzeug in Helsinki landete,
empfingen uns unglaublich viele Menschen, das Fernsehen, das Radio – wir waren Helden“, ist Käld noch immer begeistert.
Für die EM konnte Michael Käld (l.) noch mit Anne Mäkinen planen, 2006 beendete die Rekordnationalspielerin ihre Karriere.
Foto: Nora Kruse
Doch die gewonnene Aufmerksamkeit hatte auch ihre Schattenseiten, der öffentliche Druck im Laufe der Vorbereitung stieg. „Nach der Qualifikation arbeitete
ich ein Jahresprogramm aus. Bis dato konnten wir immer ein Trainingscamp im Januar absolvieren, nun bekamen wir vom Verband auch das Geld für eine
Trainingswoche im Februar“, erklärt der Nationaltrainer, der mit seiner Mannschaft nach Gran
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Canaria reiste, um Freundschaftsspiele gegen Spanien und die
Niederlande zu absolvieren. Während diese Woche mit einem Unentschieden und einem Sieg erfolgreich verlief, war der folgende Algarve Cup eine Katastrophe.
„Wir verloren jedes Spiel“, erinnert sich Käld, auf dessen Mannschaft ungeahnter Mediendruck zukam. „Die Medien haben uns niedergemacht nach dem Motto:
‚Ihr wollt zur EM? Ihr könnt ja noch nicht mal richtig Fußball spielen.’ Meine Spielerinnen waren das nicht gewöhnt, aber wir haben es in den Griff
bekommen und einfach weiter unser Programm durchgezogen.“
Zwei Wochen vor dem Beginn der EM kam schließlich die Wende, Finnland gewann zu Hause mit 2:0 gegen Schottland. „Nach diesem Spiel war ich sehr zufrieden
und optimistisch. Der Druck auf der Mannschaft war hoch, aber sie hat fantastisch gespielt – unglaublich selbstbewusst.“ Nach den Erfahrungen mit den
Medien sprach die Mannschaft öffentlich wenig über Zielsetzungen für das Großereignis, hielt den Ball flach, hatte intern aber genaue Zielsetzungen.
„Alle Spielerinnen waren fit, wir wussten, dass wir es bis ins Halbfinale schaffen konnten.“
Vor der unglaublichen Kulisse von 29.092 Zuschauern versprach der Auftakt des Turniers jedoch nichts Gutes. Nach vierzig Minuten lag Finnland bereits mit
0:2 gegen die englischen Gastgeberinnen zurück. Die Nordländerinnen kamen in der 89. Minute zum Ausgleich, mussten jedoch eine Minute später das 2:3
einstecken. „Wir hatten uns vor dem Turnier vorgenommen, nicht so sehr die Ergebnisse im Blick zu haben, sondern wollten es genießen, auf diesem Niveau
mitspielen zu können“, so Käld, dessen Taktik aufzugehen schien. Im zweiten Spiel gab es ein überraschendes 0:0 gegen den großen Nachbarn aus Schweden,
am dritten Spieltag gar ein 2:1 gegen Dänemark.
„Der Teamzusammenhalt war großartig“, reflektiert Käld. „Die Mannschaft hat nach dem Spiel den Fußball manchmal vergessen, hat zusammen gesessen und viel
gemeinsam unternommen. Natürlich wollte jede in der ersten Elf spielen, aber es ging immer fair zu.“ Die finnische Mannschaft konnte viele Erfahrungen
auf der internationalen Bühne sammeln, wichtig war aber auch der Kontakt und Spaß mit anderen Nationen. „Wir haben uns das Hotel mit
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Laura Kalmari brachte ihr Team gegen Dänemark auf die Siegerstraße und somit ins Halbfinale.
Foto: Nora Kruse
Dänemark, Schweden
und England geteilt. Auf dem Feld wollte natürlich jeder gewinnen, aber danach war das vergessen. Die Atmosphäre im Hotel war unglaublich gut, es hat
einfach viel Spaß gemacht“, schildert Käld den Kontakt nach dem Abpfiff.
Im Halbfinale wartete der spätere Gewinner Deutschland auf das finnische Team, das hier schließlich seine Grenzen aufgezeigt bekam und mit 1:4 unterlag.
Den positiven Eindruck, den der Debütant in England hinterließ, minderte dies nicht. „Wir bekamen viele Glückwünsche von anderen Mannschaften und Trainern.
Ich wurde nach unserer Arbeit und Vorbereitung gefragt. Insbesondere Vera Pauw hat herzlich gratuliert“, freut sich der 53jährige Fußballlehrer noch immer
über die Reaktionen, die diese EM ausgelöst hat. Reaktionen, die auch im eigenen Land vorhanden waren: „Wir wurden am Flughafen von vielen wartenden
Fans und Journalisten herzlich empfangen, die Zahl der Fußball spielenden Mädchen ist seitdem enorm gestiegen und in der Liga arbeiten mittlerweile gut
ausgebildete Trainer. Diese EM war unglaublich wichtig für uns.“
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