Von Nora Kruse
29.08.2007
Um die tausend Zuschauer verirrten sich Ende der 80er Jahre in die Stadien, um Deutschlands beste Fußballe- rinnen bei ihren Länderspielen zu
unterstützen. Große Presse waren die Frauen nicht gewöhnt und ein Aufwärtstrend in der Wahrnehmung des Sports war nicht zu erkennen.
So war die Überraschung der deutschen Mannschaft groß, als sie am 2. Juli 1989 von ihrem Quartier in der Sportschule Kaiserau zur „Bremer Brücke“, dem
Osnabrücker Stadion, fuhr: tausende Menschen standen vor den Toren, um sich das Finale um die Europameisterschaft zwischen dem DFB-Team und der
norwegischen Auswahl anzuschauen. Dreitausend von ihnen mussten draußen bleiben – das Stadion war mit 22.000 Zuschauern ausverkauft.
Keiner konnte sich so wirklich erklären, woher diese Menschen- massen kamen, dabei hatte die deutsche Auswahl vier Tage zuvor die beste Werbung betrieben,
die durch die ARD bundesweit ausgestrahlt wurde. „Das Schlüsselspiel war das Halbfinale gegen Italien“, erinnert sich die damalige Nationalspielerin Jutta
Nardenbach. „Es war spielerisch vielleicht nicht die beste Partie, aber es war an Emotionalität, Theatralik und Spannung nicht mehr zu toppen.“ 8.000
Zuschauer sahen in Siegen den Krimi gegen die Italienerinnen, bei dem es auch nach der Verlängerung noch 1:1 stand und der daher im Elfmeterschießen
entschieden werden musste. Verlass war dabei auf die deutsche Torfrau Marion Isbert, die nicht nur drei Elfmeter hielt, sondern den entscheidenden auch
noch selbst verwandelte.
Deutschland, zuvor überhaupt nicht in der Favoritenrolle, stand im Finale. „Das wollten wir dann natürlich auch gewinnen. Mit
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Norwegen hatten wir einen
wahnsinnig starken Gegner, aber wir waren uns unserer Stärken bewusst und hatten ein ganz wunderbares Team“, so Nardenbach. Und schließlich gab es ja auch
die 22.000 Zuschauer, die die deutschen Frauen zum Sieg trugen. „Es war eine unbeschreibliche Euphorie. Das Finale war das Nonplusultra. Wir haben schon
früh mit 2:0 geführt, haben aber dennoch die ganze Zeit gepowert und Druck gemacht. Man hat bei jeder einzelnen Spielerin gespürt, dass sie den Sieg
unbedingt wollte. Norwegen hatte überhaupt keine Chance.“
Nachdem die ARD das Halbfinale übertragen hatte, und mit Sabine Töpperwien erstmals eine Frau ein Fußballspiel kommentierte, verzichtete der Sender
ausgerechnet auf die Übertragung des Finals. Der Wahrnehmung
schadete dies kaum, denn der erste EM-Sieg der deutschen Frauen war in aller Munde. „Vorher
wurden wir kaum beachtet, jetzt waren wir plötzlich präsent“, erinnert sich Nardenbach, in deren Heimatort zwei Wochen am Stück nur gefeiert wurde.
Bei so viel Aufmerksamkeit musste auch der DFB reagieren. Neben der eher bescheidenen Siegprämie eines Kaffeeservices, brachte der Verband noch im Herbst
des Jahres 1989 die zunächst zweigleisige Bundesliga auf den Weg, die in eine Nord- und eine Südgruppe unterteilt war. Erstmals gab es im deutschen
Frauenfußball einen Ligenbetrieb, zu dessen Start das Fußballmagazin Kicker gar eine Sonderausgabe heraus brachte. Die erhofften Zuschauerimpulse durch die
Europameisterschaft blieben in der Bundesliga jedoch aus.
Denn so groß die mediale Aufmerksamkeit und der Zuschauerzuspruch dort waren, so schnell normalisierte sich die Lage auch wieder und der Alltag im
Frauenfußball kehrte zurück. Die Zuschauerzahlen stabilisierten sich in der Folgezeit zwar auf 3.000 bis
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4.000 bei Länderspielen, aber die 22.000 von
Osnabrück sind bis heute unerreicht. Selbst zwei weitere gewonnene EM-Endspiele auf deutschem Boden erreichten nie den Zuspruch wie 1989.
1989 im Nationaldress unterwegs, fast zwanzig Jahre später noch immer auf dem Fußballplatz: Jutta Nardenbach.
Foto: Florian Büchting
Aber nicht nur in absoluten Zahlen ist dieser Tag unerreicht, auch im Ansehen der Spielerinnen. Selbst Jutta Nardenbach, die im Laufe ihrer Karriere noch
zwei weitere EM-Titel und den Uefa-Cup gewinnen konnte, betrachtet diesen 2. Juli als „absolutes Highlight meiner Karriere“ und bekommt sogar knapp zwanzig
Jahre danach „schon wieder Gänsehaut, wenn ich daran denke.“
Dieser Text ist Beitrag der Ausstellung "Ballkünstlerinnen - Frauenfußball gestern und heute", die noch bis zum
11. Dezember im Frauenmuseum Wiesbaden zu sehen ist.
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