Von Nora Kruse
27.08.2007
Gerade erst wurde das 25-jährige Länderspieljubiläum der deutschen Nationalmann- schaft in Koblenz gefeiert, wo sie 1982
ihr erstes Länderspiel gegen die Schweiz absolvierte. Doch auch das zweite Spiel vier Monate später war
von Bedeutung: Deutschland nahm an einem Uefa-Wettbewerb teil, der ersten (inoffiziellen) Europameisterschaft. Mittlerweile
ist das DFB-Team dort Seriensieger, aber aller Anfang ist schwer.
16 Mannschaften nahmen an dem Turnier teil, dessen erstmalige Durchführung man insbesondere der Unterstützung der Schweden zu verdanken hatte. Aber neben
den großen Fußballnationen waren auch Mannschaften vertreten, die es mittlerweile schwerer haben, sich auf europäischer Ebene zu qualifizieren, wie
Schottland, Portugal, Nordirland oder Belgien.
Gegen genau diese Belgierinnen startete das deutsche Team am 5. März 1983 in die Gruppenphase, die sich insgesamt von September 1982 bis Oktober 1983
erstreckte. Im Tor der Belgierinnen stand damals die heutige Nationaltrainerin Anne Noé und vor 6.000 Zuschauern war es ihr Team, das in Führung ging.
Dank des Ausgleichtreffers von Ingrid Gebauer in der 61. Minute konnte das DFB-Team das Unentschieden retten. Doch es war nicht das Turnier der deutschen
Mannschaft, die in sechs Partien zu fünf Unentschieden und einer Niederlage kam.
Wer dagegen groß auftrumpfen konnte, war Schweden. Das Land, das auch damals eine führende Rolle im Frauenfußball einnahm, gewann seine Gruppe souverän mit
sechs Siegen und nur einem
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Gegentor und im Halbfinale wurden schließlich auch die Italienerinnen ausgeschaltet. „Es waren zwei wirklich gute Spiele gegen
Italien“, erinnert sich Pia Sundhage, damals im schwedischen Dress, heute an der Seitenlinie von China, an die Halbfinalpartien. „Doch das Highlight war
das Finalhinspiel in Göteborg. Wir waren zum ersten Mal in diesem großen Stadion, der Rasen war ungewohnt gut und wir haben einfach ein sehr gutes Spiel
gezeigt“, so Sundhage, die sich die Partie danach noch mehrmals auf Video angeschaut hat. Grund genug hatte sie dafür, schließlich war sie es, die ihrer
Mannschaft den Sieg gegen England sicherte. „Es war ein Flugkopfball und nicht nur eins der wichtigsten Tore meiner Karriere, sondern auch eines der
schönsten“, so Sundhage, die auch elf Jahre nach ihrem Karriereende mit 71 Treffern schwedische Rekordtorschützin ist.
Nach dem 1:0 im Hinspiel war die Euphorie im schwedischen Team groß, Trainer Ulf Lyfors, Ehemann von Marika Domanski-Lyfors, wollte dennoch im Hotel die
Frage klären, wer bei einem eventuellen Elfmeterschießen im Rückspiel vor den Ball tritt. Auf seine Frage nach dem letzten Elfmeter meldete sich Sundhage,
„weil ich absolut nicht daran glaubte, dass es nach diesem Hinspiel nötig werden würde.“
Doch dass Fußball nicht vorhersehbar ist, zeigte das Spiel in Luton am 27. Mai 1984. „Der Rasen war schlecht und wir haben überhaupt nicht gut gespielt“,
so Sundhage, deren Team den Treffer von Linda Curl zum 1:0 hinnehmen musste und somit tatsächlich ins Elfmeterschießen kam. „Vor dem letzten Elfer kam Ulf
zu mir und meinte: ‚Du hast es mir versprochen’“, lacht die 47-Jährige. „Ich musste also doch antreten und weil der Rasen so matschig war, sagte mir
Elisabeth
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Heute als Co-Trainerin in China, 1984 Schwedens Starspielerin: Pia Sundhage
Foto: Nora Kruse
(Leidinge, damalige Torhüterin) noch schnell, ich müsse kräftiger als sonst schießen. Zwar möglichst nur auf Sicherheit einfach rein, aber mit
mehr Kraft, damit er nicht hängen bleibt.“ Der Tipp war richtig, der Elfer saß und Sundhage war auch im zweiten Spiel die Akteurin, die ihrer Mannschaft
den Sieg sicherte.
Wieder in Schweden, war die öffentliche Aufmerksamkeit für damalige Verhältnisse hoch. „Sie haben früher normalerweise nicht viel in den Zeitungen
gebracht, aber nach unserem Sieg haben sie viel geschrieben. Außerdem war der Titel wichtig für den Stellenwert im Verband. Der war zwar vorher schon
engagiert, aber es hat uns auch weiterhin die Unterstützung gesichert. Wir konnten teure Auslandsfahrten, wie 1986 in die USA, unternehmen, und der Verband
hat sich eingesetzt, dass 1991 die erste Weltmeisterschaft ausgetragen wurde.“
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