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Fußballerinnenkalender 2012 – Ein Blick hinter die Kulissen

Spielerinnen oder Models? – FanSoccer hat nachgeforscht

14.08.2011
Bericht von Marion Kehren, Bilder von Patrick Horn

Team USA bei der WM 2011

Der Tag des Castings! 20 Spielerinnen in ihren Vereinstrikots fanden sich in Frankfurt ein - mit dabei Fotograph Patrick Horn (Bildmitte in dem blauen Jeanshemd), Esther Jonitz (Bildmitte) und Juror Peyman Amin rechts daneben.


Für großes Interesse sorgte vor ein paar Monaten der Castingaufruf der Veranstalter Patrick Horn (25, Fotograph) und Esther Jonitz (23, Grafikerin) für einen Fußballerinnenkalender. Bewerben durften sich ausschließlich aktive Spielerinnen über 18 Jahre, die Lust auf Modeln und Kicken hatten. Der Kalender ist mittlerweile fertig, aber im Hintergrund wurden erste Misstöne von außen laut, dass es sich evtl. bei den abgelichteten jungen Frauen nicht um aktive Spielerinnen handeln würde. Das hat FanSoccer zum Anlass genommen doch einmal bei den Initiatoren nachzuforschen.

Casting im Volksbankstadion in Frankfurt
Geschockt und enttäuscht reagierte Esther Jonitz, als ich sie vor ein paar Tagen auf die unterschiedlichen Meinungen der Frauenfußballfans hinwies. „Das finde ich sehr schade, dass Einige nicht glauben wollen, dass die Mädchen im Kalender tatsächlich Fußballerinnen sind“, so die 23-jährige enttäuscht. Viel Arbeit hatte man in dieses Projekt gesteckt und trägt sogar die Kosten aus eigener Tasche. 300 Bewerbungen wurden gesichtet und im Endeffekt 20 Bewerbrinnen für das offizielle Casting nach Frankfurt ins Volksbank-Stadion eingeladen. Auch hier wurde tunlichst auf jede Kleinigkeit geachtet. Die Kickerinnen mussten allesamt ihre Spielerpässe mitbringen sowie ihr Vereinstrikot anziehen. Mit in die Jury wurde eigens auch Peyman Amin (bekannt aus Germany's Next Topmodell) einbezogen. Der bekennende Fan des Frauenfußballs hat bereits bei mehreren Benefizveranstaltungen mitgekickt und kennt sich daher bestens aus.

Ziel war es einen Kalender zu entwickeln, der 12 schöne Fußballerinnen in unterschiedlichen Positionen zeigt, die in der Summe ein fotografisches Gesamtkunstwerk darstellen sollen. Das Image des Frauenfußballs soll positiv gestärkt werden und die Akzeptanz einer solchen Randsportart gefördert werden. Dabei hat sich der Fotograph besonders viel Mühe mit den Outfits der Kickerinnen gemacht, denn das Oberteil ist angelehnt an das WM-Trikot der Herren von 1954. Sportlich-erotisch und faszinierend-schön so die Kampagne von Fotograph Patrick Horn. Es soll auch einmal die Seite der Sportlerinnen gezeigt werden, die im normalen Ligabetrieb viel zu kurz kommt. „Patrick ist ein sehr guter Fotograf - wofür die Spielerinnen Zeugen sind: Er hat für die Setups (Licht einstellen etc. bis alles stimmt) teilweise ganze zwei Stunden gebraucht bis er das eigentliche Bild aufgenommen hat. Kaum jemand macht sich für einen Kalender so viel Mühe“, so Jonitz weiter.

Bild links: Beim offiziellen Casting im Juni wurden 20 Akteurinnen von 300 Bewerberinnen in die engere Wahl genommen.


Rohdaten 1:1 ersichtlichDie Spielerinnen wurden alle mit in das Shooting eingebunden und waren auch die ersten Personen, die die Rohdaten zu Gesicht bekamen. Apropos Spielerinnen! Alle jungen Frauen sind im Übrigen einem Verein zugehörig. Mir wurden die Fragebögen zugänglich gemacht und bei Bedarf hätte man mir sogar Kopien der Spielerinnenpässe zukommen lassen. So handelt es sich bei den Spielerinnen um: Carina (Januar) vom VfL Sindorf, Annika (Februar) vom FC Union Mühlhausen, Stefanie (März) vom SV Manching, Melinda (April) von der SG Heilsbronn/Großhaslach, Emelina (Mai) von der Sportvereinigung Feuerbach, Bettina (Juni) vom TSV Altenberg, Berna (Juli) von Atatürk Mettmann, Jenny (August) vom VFL 05 Hohenstetten, Viviane (September) von der Spvgg Möckmühl, Maithe (Oktober) von der TSV Fortuna Wuppertal, Astrid (November) von der SV Drensteinfurt und last but not least Mona (Dezember) vom BV Sturm Wissel.

Die Stimmung während der Fotosession war hervorragend. Das zeigt auch die Tatsache, dass Horn und Jonitz nach wie vor noch mit den Spielerinnen in Kontakt stehen und sich redlich austauschen. Natürlich haben auch die Stars des Kalenders von den Zweiflern Wind bekommen und so haben wir ihnen die Chance gegeben sich selber einmal zu äußern.

So schrieb z.B. Jenny Folgendes: Ich bin einfach nur sprachlos was die Leute so bewegt oder besser gesagt so denken und schreiben! Ich glaube und hoffe ihr habt soviel positives Feedback bekommen das wir über die negativen Beiträge nur schmunzeln können :) Es ärgert einen zwar trotzdem aber wir wissen dass es nicht so ist und auch die Leidenschaft zum Fußball bei allen Mädels zum Casting sehen konnte!

Bild rechts: Die ersten Rohdaten wurde erst einmal den Spielerinnen gezeigt.


Die Stimmung während des Shootings war gut!Von Astrid erhielten wir folgende Nachricht: „… Hier in Drensteinfurt sind alle richtig begeistert. Mich sprechen richtig viele Leute an und sagen, dass es eine tolle Sache ist. Mein Verein ist auch super begeistert. Ich war gestern beispielsweise noch bei einem anderen Interview. Dort habe ich auch gesagt, dass ich den Fußball auf eine andere Weise wieder spiegeln wollte, weil viele Außenstehende den Frauenfußball kritisieren und sich deswegen auch viele Mädels nicht trauen erstmal anfangen zu spielen. …“

Carina versteht die Welt nicht mehr: „… Also das finde ich auch echt schade, dass man wieder etwas Negatives in die Sache interpretieren muss. So was kann ja nur von den Leuten kommen, welche es nicht in den Kalender geschafft haben und nun neidisch sind. Ich würde mich davon aber nicht ganz so beunruhigen lassen, da wir alle wissen, dass wir aktive Spielerinnen sind und somit haben wir uns nichts vorzuwerfen.“

Und Mona brachte es schnell auf den Punkt: „…Vielleicht denken aber auch manche Leute, dass wir alle Models sind weil die Fotos wirklich schön geworden sind und viele sich vielleicht nicht vorstellen können, dass Fußballerinnen auch sexy sein können... Ich finde das eigentlich ganz schön wenn mal jemand versucht solche Vorurteile (Frauen die Fußball spielen sind voll die Mannsweiber)aufzuräumen... Natürlich gibt es vielleicht ein paar Mädels, die nebenbei schon mal gemodelt haben und so was gerne machen, aber das ist ja nicht weiter verwerflich. Mir macht so etwas auch Spaß und ich habe auch schon mal ein Fotoshooting gehabt, aber ich bin trotzdem eine echte Fußballerin... Das eine schließt das andere nicht aus...“

Bild links: Auch während des Shooting gab es immer wieder Zeit für Albernheiten, dass zeigt aber auch die gute Stimmung am Set!





Bilderreihe: Eindrücke vom Casting und Shooting!


Der Blick hinter die Kulissen war sehr interessant und hat mir auch gezeigt, wie ernst es den beiden Initiatoren mit diesem Kalender ist. Der Kunstauslegung sind keine Grenzen gesetzt und es obliegt dem Fotographen selber wie er seine Models in Szene setzt. Aber eines war Patrick Horn besonders wichtig und darauf hat er sehr viel Wert gelegt:“ Wir haben nichts Sexistisches gemacht. Die Outfits entsprechen in Sachen Freizügigkeit 100% genau den der Probeaufnahmen. Wir haben sportliche Szenen fotografisch festgehalten. Auf den einzelnen Unterseiten der Spielerinnen steht auch wo und wie lange diese Fußball spielen - es gab keine falschen Versprechungen!“

Mehr Informationen über den Fußballerinnenkalender findet ihr auf: http://www.fussballerinnenkalender.de





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