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Filmbesprechung

FC Venus

Ein Film über Frauen, Männer und den Fußball

Von Nora Kruse und Tom Schlimme

1.4.2006   Am 27. April ist der Kinostart für die deutsche Komödie „FC Venus“, und wer sich für Fußball interessiert, egal ob Männer- oder Frauenfußball, wird mit diesem Film etwas anfangen können. Hundert Minuten lang spielt Regisseurin Ute Wieland mit allen Klischees rund um den Fußball, aber auch rund um die gute alte Geschichte von den unterschiedlichen Planeten, auf denen Männer und Frauen leben.

Die Story ist zu absurd, um sie ernst nehmen zu können, aber das ist okay so. Man muss sich einfach auf das Konstrukt einlassen, dann ist es eine gute Idee: Nahezu alle Männer im ländlichen Imma spielen in der örtlichen Fußballmannschaft und wenn sie nicht spielen, schauen sie halt fern. Darunter leiden ihre Frauen und es kommt zu einer Wette. Die „Spielerfrauen“ gründen den FC Venus und treten gegen ihre Männer an. Wer verliert, muss – kurz gesagt – zu Kreuze kriechen, im Falle der Männer heißt dies, sie müssen den Fußball für immer an den Nagel hängen.

Die Männer fühlen sich von vornherein als Sieger, ihr Training findet in der Vereinskneipe beim Bier statt, während die Frauen teilweise bei strömendem Regen hart trainieren, wobei die meisten von ihnen völlig bei Null anfangen. Sparsam ist die Regisseurin an dieser Stelle mit den alten Vorurteilen gegenüber Fußball spielenden Frauen nicht – es wird geheult, in den Matsch gerutscht, die Fingernägel reißen ein – oder vor lauter Empfindlichkeit vor Regen wird mit Regenschirm gespielt.

Dennoch bringen die Frauen ein paar Geheimwaffen ins Spiel: eine Profi-Torhüterin aus den USA, einen Startrainer und eine ehemalige Jugendnationalspielerin. Die Jugendnationalspielerin, gespielt von Nora Tschirner, ist die Hauptfigur der Geschichte. Der Startrainer ist ihr Vater, mit dem sie eigentlich verkracht ist, weil er die Familie wegen des Fußballs verließ, aber notgedrungen bittet sie ihn dann doch um Hilfe. Besonderer Gag dabei ist noch, dass ihr Lebensgefährte (Christian Ulmen) weder weiß, dass sie früher mal in der Jugendnational- mannschaft gespielt hat, noch dass ihr Vater – von dem sie ihm erzählt hat, er sei tot - eben dieser Trainer ist. Klar also, dass für beide an diesem kleinen Fußballspiel beziehungstechnisch noch wesentlich mehr hängt. Mehr verraten wir nicht von der Story und schon gar nicht, wie das Spiel ausgeht.

Es ist eine niedliche Komödie entstanden, aber gerade als Frauenfußballfan sollte man nicht mit falschen Erwartungen


Filmplakat

Am 30.3. hatten wir Gelegenheit, eine Pressevorführung des Filmes „FC Venus“ in Frankfurt sehen zu können. Unser Eindruck: Eine niedliche Komödie!

hineingehen. „FC Venus“ handelt nicht vom Frauenfußball, sondern von Fußballverrücktheit im Allgemeinen. Auch sind die gezeigten Szenen vom Training der Frauen und später vom entscheidenden Spiel - unter fußballerischen Gesichtspunkten betrachtet - eher mäßig gelungen. Vieles wirkt sehr gestellt und bemüht. Die Pointen oder Gags am Rande sind teilweise etwas grob gestrickt, ein beim Training mitlaufender Riesenpudel, der später beim Spiel lila gefärbt neben dem Platz sitzt, bringt uns leider nicht zum Lachen, sondern zum Augenrollen. Aber die Häufigkeit solcher Ausrutscher ist glücklicherweise gering genug, um darüber hinwegsehen zu können.

Es ist den gut spielenden Schauspielern und der Regisseurin gelungen, aus dieser Geschichte, die das Leben garantiert nicht schrieb, einen Film zu machen, der reales Leben beleuchtet und Menschen, die sich für den Fußball begeistern, einen Spiegel vorhält, in dem man sich wieder erkennen und wo man über sich lachen kann. Vor allem aber auch das alte Spiel zwischen den Geschlechtern, nett ergänzt durch das schwule Paar dazwischen, wird um eine interessante Variante bereichert.

Deswegen unsere Empfehlung:


Popcorn kaufen, Bier ist auch nicht schlecht, rein gehen, entspannen.

Aufstellungen:

FC Venus:

Anneke Kim Sarnau - Leslie Malton, Nora Tschirner, Sandra Borgmann, Karina Fallenstein, Andreas Pietschmann, Katrin Wrobel, Steffi Mühlhan, Sabine Urig, Petra Kleinert, Nikola Kastner

Trainer: Heinz Hoenig

Eintracht Imma 95:

Florian Lukas, Christian Ulmen, Andreas Guenther, Martin Armknecht, Jan Henrik Stahlberg, Steffen Groth, Ernest Haussmann, Jens Münchow, Detlef Bothe, Veit Stübner, Julian Sengelmann

sowie FC St. Pauli Torwart-Legende Volker Ippig als Udo Glock

Regie: Ute Wieland

Drehbuch: Jan Berger

nach dem Originaldrehbuch von Katri Manninen und Outi Keskevaari


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