Weltfußballerin 2005

Die Nominierten aus Deutschland

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Sandra Minnert

Von Katja Öhlschläger

Geburtsdatum: 07.04.73
Position: Abwehr/Mittelfeld
Derzeitiger Verein: SC 07 Bad Neuenahr (Deutschland)

6, 5, 4, 2, 1, 0 – das ist kein verunglückter Countdown, das sind die Zahlen, die für die eindrucksvolle Erfolgsbilanz von Sandra Minnert stehen. Sechsmal Deutsche Pokalsiegerin, fünfmal Deutsche Meisterin, viermal Europameisterin, zweimal Olympia-Bronze, einmal Weltmeisterin, einmal Founders-Cup-Siegerin. Ohne Zweifel, Sandra Minnert, die mit sieben Jahren zum ersten Mal ihre Fußballschuhe geschnürt hat, hat in ihrer Karriere viel erreicht und viel erlebt.

Nationalflagge Deutschland

Mit 17 Jahren wurden die Weichen gestellt, als Minnert von ihrem bisherigen Verein, der TSG Bleichenbach, zum FSV Frankfurt wechselte. Mit dem FSV wurde sie Pokalsiegerin und Deutsche Meisterin, im Jahr 1995 gelang der heute vor dem Aus stehenden Frauenmannschaft sogar das Double aus Meisterschaft und Pokal. Parallel zur erfolgreichen Zeit auf Vereinsebene spielte sich die 32-Jährige auch in die Nationalmannschaft und kam am 28. Mai 1992 in Jugoslawien (3:0 gewonnen) zu ihrem ersten Länderspiel, 1995 und 1997 zu ihren ersten beiden Europameistertiteln. Nach einem kurzen Abstecher zu den Sportfreunden Siegen streifte sie sich ab der Saison 2000/2001 das Trikot des 1. FFC Frankfurt über, mit dem sie ihre Titelsammlung – an oberster Stelle das Triple aus Meisterschaft, Pokal und UEFA-Cup im Jahr 2002 - weiter ausbauen konnte.

Sandra Minnert, Steffi Jones

Sandra Minnert, hier vor dem EM-Finale 2005, grüßt ins Publikum (rechts Steffi Jones)

Foto: Beate Wolter

2003 sollten dann die USA eine wichtige Rolle im fußballerischen Leben der gelernten Zahnarzthelferin spielen. Nach drei erfolgreichen Jahren beim FFC Frankfurt entschloss sie sich zu einem Wechsel in die damalige US-Profiliga WUSA zu Washington Freedom, in dessen Diensten auch ihre langjährige Teamkameradin


Sandra Minnert, Tina Theune-Meyer, Britta Carlson

Empfang in Frankfurt nach dem EM-Titel 2005: Sandra Minnert mit der scheidenden Bundestrainerin Tina Theune-Meyer (l.) und Britta Carlson (r.)

Foto: Nora Kruse

Steffi Jones stand. Zusammen mit ihrem Club gewannen die beiden deutschen Nationalspielerinnen die WUSA-Meisterschaft und können sich stolze Founders-Cup-Siegerinnen nennen. Doch der Traum vom Profifußball, für den Minnert ihren Job aufgegeben hatte, hielt nicht lange, denn die WUSA musste schon drei Monate nach Minnerts Wechsel aufgrund finanzieller Engpässe ihren Spielbetrieb einstellen.

So absolvierte Minnert im Herbst 2003 die Weltmeisterschaft in den USA in Zeiten persönlicher perspektivischer Unsicherheit. Doch „Minni“ legte ein hervorragendes professionelles Verhalten an den Tag, konzentrierte sich voll und ganz auf den Wettbewerb und trug mit ihrem bärenstarken Abwehrverhalten und ihrer Torgefährlichkeit entscheidend zum Gewinn des Weltmeistertitels bei, was ihr verdientermaßen die Berufung ins FIFA-All-Star-Team der WM 2003 – zusammen mit Bettina Wiegmann, Maren Meinert, Birgit Prinz, Ariane Hingst und Silke Rottenberg – bescherte. Im gleichen Jahr war sie auch zum bisher einzigen Mal für die Wahl zur Weltfußballerin des Jahres nominiert und schloss diese Wahl als 21. ab.

Sandra Minnert, Brittany Timko

Aufgrund eines Nasenbeinbruchs beim Algarve-Cup musste Sandra Minnert im Frühjahr mit einem Nasenschutz spielen. Hier beim Länderspiel gegen Kanada im Zweikampf mit Brittany Timko

Foto: Nora Kruse

Nach der WM stieg sie wieder beim FFC Frankfurt ein, kehrte dem Verein allerdings nach Ende der Saison den Rücken und verkündete ihren Wechsel zum SC 07 Bad Neuenahr, der mit Minnert als Führungsspielerin und Mittelfeldspielerin die Position einer Spitzenmannschaft anstrebte und anstrebt. Zweifelsohne eine gute Wahl, denn die 129fache Nationalspielerin, die sich zusammen mit Silke Rottenberg für die Aktion „rauchfrei“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung engagiert, überzeugt nicht nur im defensiven Bereich mit


ihrem Zweikampfverhalten und ihrem guten Stellungsspiel - sie ist zudem, insbesondere mit Kopfbällen bei Standards oder mit ihren gefürchteten wuchtigen Fernschüssen, enorm torgefährlich, was durch ihre bereits 15 erzielten Länderspieltore – für eine Abwehrspielerin sehr beachtlich – unterstrichen wird.

Sandra Minnert, Pauline Hamill

Minnert in der WM-Qualifikation gegen Schottland. Hier im Duell mit Pauline Hamill

Foto: Nora Kruse

Nach durchwachsenen Leistungen bei den Olympischen Spielen in Athen, als es ihr vor allem an der nötigen Schnelligkeit mangelte, erlebt sie seit geraumer Zeit in Verein und Nationalmannschaft einen „zweiten Frühling“ und hat die WM 2007, ja sogar auch die Olympischen Spiele 2008 (es wären ihre vierten Olympischen Spiele) noch fest im Blick. Denn diese „0“ in ihrer Erfolgsbilanz, der noch fehlende Olympiasieg, ist nach Minnerts Bekunden ein noch unerfüllter Traum. Wie so viele andere deutsche erfolgreiche Spielerinnen könnte sie mit einem Olympiasieg in Peking 2008 ihre Karriere krönen und ihre Titelsammlung komplettieren. Doch auch wenn dies nicht gelingen sollte, kann Sandra Minnert schon jetzt mit Stolz auf 26 Jahre Fußball der Extraklasse zurückblicken und genießen, was ihr noch gelingen wird. Denn zum „alten Eisen“ gehört sie trotz ihrer 32 Jahre noch lange nicht.

Homepage:
www.sandra-minnert.de

 Renate Lingor

 Birgit Prinz

Hier findet ihr unseren Einleitungstext zur FIFA-Wahl, über den wir alle weiteren Vorstellungen verlinken werden:

 Einleitungstext


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