Weltfußballerin 2005

Die Nominierten aus Norwegen

Solveig Gulbrandsen: Die Unberechenbare

Von Nora Kruse

26.11.2005

Solveig Gulbrandsen

Geburtsdatum: 12. Januar 1981
Position: Mittelfeld
Verein: Kolbotn IL (Norwegen)

Erinnern wir uns einmal zurück, lange ist ja noch nicht her: die Europameisterschaft in England - und damit die Erinnerung noch schöner wird, denken wir ans Endspiel, das bekanntlich 3:1 für die deutsche Mannschaft ausging. Doch trotz dieses recht deutlichen Sieges waren die Norwegerinnen brandgefährlich, was zu einem großen Teil an ihrem 24jährigen Mittelfeldmotor Solveig Ingersdatter Gulbrandsen lag.

Ihre Stärken lagen in unglaublich präzisen Pässen auf die rechte Außenbahn zu Vereinskameradin Dagny Mellgren – ein Duo, das sich blind zu verstehen schien und die deutsche Abwehr auf Trab hielt. Insbesondere Sandra Minnert, die bei der EM die linke Abwehrseite innehatte, bekam gut zu tun (und ordentlich auf die Knochen).
Die Norwegerin zeigte in der Folgezeit noch einige schöne Weitschüsse – die in der Präzision ihren langen Pässen in nichts nachstanden.

Debütiert hat Gulbrandsen ebenfalls gegen Deutschland – am 17. Juni 1998 trafen die beiden Mannschaften aufeinander, damals gewann Norwegen das Spiel mit 3:2. Gulbrandsen gelang zwar kein Traumstart mit einem Tor, dennoch hat sie im Laufe der Jahre ihr Tor-Konto auf 31 erhöhen können.

Solveigs Spielweise machen sie unberechenbar für jeden Gegner – und manchmal auch für ihre Mitspielerinnen!?


Pia Sundhage

Dabei überzeugt Gulbrandsen nicht nur durch Präzision, sie ist auch der kreative Pol im Mittelfeld. Die immer fitte 99-fache Nationalspielerin erkämpft sich im Mittelfeld den Ball und startet durch – ihre Dribblings sind nicht minder gefährlich. Da es ihr an Durchsetzungsvermögen nicht fehlt, bringt sie die Aktion selber zu Ende oder ist in der Lage, das Spiel durch den richtigen Pass zum richtigen Zeitpunkt zu öffnen – nachdem sie vorher teilweise die gegnerischen Abwehrreihen auf sich gezogen hat und Platz für die Mitspielerin geschaffen hat.


Gegen Solveig Gulbrandsen (l.) muss man, wie hier Frida Östberg, schon sehr schnell herangestürmt kommen - andernfalls ist sie enteilt.

Foto: Beate Wolter

Auch Ex-Bundestrainerin Tina Theune-Meyer lobte einst die Lauffreudigkeit von Solveig Gulbrandsen, der laut „TTM“ kein Weg zu weit sei.

Doch auch eine tolle Mittelfeldspielerin hat Schwächen und da wir seit Jürgen Klinsmann wissen, dass die Verteidigung bereits im Sturm anfängt, haben wir Gulbrandsens Schwachpunkt gefunden. Sie bewegt sich lieber in Richtung des gegnerischen Kastens, als dass sie das Spiel nach hinten absichert. Als offensive Mittelfeldspielerin sicherlich eine verzeihbare Schwäche, der sich noch ihr Kopfballspiel anschließt: sämtliche Kreativität wird lieber mit dem Fuß ausgelebt.

Solveig Gulbrandsen ist zwar eher am Ball als Inka Grings - die beiden EM-Spiele gingen dennoch an das deutsche Team.

Foto: Beate Wolter


Eine von Solveigs Schwächen ist, dass sie sich nicht gerne dem taktischen System unterordnet.


Pia Sundhage

Mittlerweile hat Gulbrandsen, die in Norwegen gerade erst mit Kolbotn IL die Meisterschaft gewonnen hat, 99 Länderspiele auf dem Konto – und das mit 24 Jahren! Auf internationaler Ebene ist sie also beileibe kein Neuling, im Kreis der Nominierten zu dieser Wahl schon – doch sie wird bei der Vergabe der oberen Plätze sicherlich ein Wörtchen mitreden...

Ane Stangeland

Bente Nordby

Hier findet ihr unseren Einleitungstext zur FIFA-Wahl, über den wir alle weiteren Vorstellungen verlinken werden:

Einleitungstext

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