Weltfußballerin 2005

Die Vertreter aus Frankreich, England und Dänemark

Laura Georges (Frankreich)

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Laura Georges

Von Katja Öhlschläger

Geburtsdatum: 20.08.84
Position: Abwehr
Derzeitiger Verein: Boston College University (USA)

Wenn in den letzten Jahren die Zeit der Nominierungen für die FIFA-Wahl anstand, so fiel aus französischer Sicht immer – seit 2001 werden Weltfußballerinnen gewählt - der Name der Toptorjägerin Marinette Pichon. Im Jahr 2005 taucht nun, nicht unbedingt erwartet, mit der 21-jährigen Verteidigerin Laura Georges ein neuer Name im erlauchten Kreis der Nominierten auf. Auch für die Nominierte selber kam die Ehre überraschend, wie sie gegenüber „Soccer New England“ zum Ausdruck brachte: “Letztes Jahr habe ich mir mit meinem Bruder die Liste angeschaut und er fragte mich, ob ich insgeheim davon träume und es mir vorstellen könne, auch einmal auf dieser Liste zu stehen. Dieses Jahr bin ich dabei, wow!“

Laura Georges

Laura Georges im Nationaltrikot

Foto: Sebastien Durét (www.foot-feminin.org)

Doch auch wenn die 1,72 Meter große Studentin ihre Karriere zu großen Teilen noch vor sich hat, ist sie bei weitem kein Frischling mehr. Zwar hat sie erst verhältnismäßig spät – mit 12 Jahren – mit dem Fußball spielen begonnen, doch danach startete sie im Eiltempo durch. Bereits mit 17 Jahren war sie für die französische U19-, aber auch die A-Nationalmannschaft im Einsatz und absolvierte im September 2001 gegen die Niederlande ihr erstes Länderspiel bei den „Großen“, dem bis zum heutigen Tag 39 weitere (2 Tore) folgen sollten. 2002 bei der U19-WM in Kanada Abwehrchefin der U19, war sie schon ein Jahr später bei der WM in den USA der „Equipe Tricolore“ eine unverzichtbare Stütze (Frankreich wurde hinter Brasilien und Norwegen nur Gruppendritter und schied aus) und ist mittlerweile aus dem Abwehrzentrum der Mannschaft von Nationaltrainerin Elisabeth Loisel nicht mehr wegzudenken.

Trotz ihrer unzweifelhaften sportlichen Qualifikation keine Selbstverständlichkeit, wie Georges betont. Denn Georges, die den französischen Nationalspieler Lilian Thuram – ebenfalls aus Guadeloupe stammend – als Vorbild nennt und in ihm einen guten Freund gefunden hat, hat im letzten Jahr einen Schritt gewagt, der für viele Spielerinnen das (vorübergehende) Ende der Nationalmannschaftskarriere bedeutet . Sie wechselte von Paris Saint Germain in die USA zur University of Boston und spielt mit ihrem College-Team nun in der ACC-League (Atlantic Coast Conference) – in der Liga also, in der seit dieser Saison auch die


Laura Georges, Conny Pohlers

Laura Georges bei der EM in England, wie sie einer Hereingabe von Conny Pohlers nachschaut

Foto: Beate Wolter

ehemalige Potsdamer Nationalspielerin Viola Odebrecht (bei der Florida State University) aktiv ist. Entscheidend unterstützt und bestärkt wurde sie in diesem Schritt, der ihr eine optimale Fortsetzung ihres Managementstudiums in Verbindung mit dem aktiven Fußball ermöglicht, von Nationaltrainerin Loisel, die dem jungen Talent frühzeitig ihre Nominierung für die Europameisterschaft in England zusicherte. Gleichermaßen unkompliziert verhält sich BC-Coach Alison Foley, wenn es um Abstellungen für die Nationalmannschaft geht.

Überhaupt sind das BC und Laura Georges zwei, die sich gefunden haben, obwohl sich ihre Wege eigentlich gar nicht gekreuzt hätten, wenn es danach gegangen wäre, was sich Georges für einen Wechsel in die USA immer ausgemalt hatte. Bei der State University of New Jersey spielte mit Zoe Avner eine gute Freundin von ihr, die sie aus gemeinsamen U19-Zeiten kannte - da wollte sie auch hin. Doch während sie vom Boston College umworben wurde und man ihr die Finanzierung ihres Studiums offerierte, blieb es zwischen ihr und New Jersey bei einseitigem Interesse.

Nationalflagge Frankreich

Ein Glücksfall für das BC, denn mit Georges, die 17 von 20 Saisonspielen bestritt – dreimal rief die französische Natio -, gelang dem BC mit 13 Siegen, 5 Unentschieden und nur 2 Niederlagen, was Platz 5 bedeutet, die bisher erfolgreichste College-Saison. In sage und schreibe 13 Spielen blieb das BC ohne Gegentor – welch hervorragendes Zeugnis für die Abwehrchefin Laura Georges, die Mia Hamm und Birgit Prinz als ihre bisher härtesten Gegenspielerinnen bezeichnet. „Ehre, wem Ehre gebührt“, dachte sich da nicht nur die FIFA-Jury, denn Georges wurde unlängst – wie unter anderem auch Lori Chalupny, Heather O’Reilly und Viola Odebrecht - ins All-Star-Team der ACC-College-League gewählt.

Die Karrierekurve der Laura Georges zeigt also stetig nach oben. Und die nächsten Ziele sind auch schon klar gesteckt – mit der Natio will sie die Qualifikation für die WM 2007 in China schaffen.


Kein hoffnungsloses Unterfangen, stehen für den derzeitigen Tabellenzweiten der Qualifikationsgruppe 5 die beiden Spiele gegen den Tabellenführer England doch noch aus. Wäre da nicht diese ärgerliche Niederlage gegen die Niederlande am 24. September gewesen, die wertvolle Punkte kostete.

Auf Vereinsebene möchte Georges den USA und damit dem Boston College erst einmal treu bleiben, ihr Studium beenden und danach möglicherweise auch den Trainerschein machen. Eine Rückkehr nach Frankreich scheint derzeit unwahrscheinlich, denn gegenüber dem physischeren und schnelleren Spiel sowie dem höheren Medieninteresse in den USA wäre Frankreich für sie ein Rückschritt, zumal sie gerne noch andere Länder ausprobieren möchte. England steht da bei ihr ganz hoch im Kurs – „wenn sich da ein Club meldet und mir das Studium zahlt, könnte ich mir das vorstellen“, so Georges gegenüber „Soccer New England“.

Ob in den USA, in der Nationalmannschaft oder einer anderen Liga der Welt – wenn Georges dieses Tempo in ihrer Entwicklung beibehält, wird ihr Auftauchen auf der Liste der Nominierten schon bald keine Überraschung mehr sein.

Laura Georges, Corinne Diacre

Laura Georges (l.) neben Corinne Diacre

Foto: Beate Wolter

 Cathrine Paaske Sørensen

 Kelly Smith

Hier findet ihr unseren Einleitungstext zur FIFA-Wahl, über den wir alle weiteren Vorstellungen verlinken werden:

 Einleitungstext


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