Von Christian Heidler 20.11.2005
Am 19. Dezember veranstaltet die FIFA wieder eine „World Player Gala“. Im Züricher Opernhaus sollen dann die drei besten männlichen und weiblichen Fußballer des Jahres 2005 in einem feierlichen Rahmen geehrt werden. 24 Spielerinnen wurden im Oktober benannt, aus deren Kreis die Nachfolgerin von „Titel- verteidigerin“ Birgit Prinz gewählt wird.
Zum fünften mal findet der Wettbewerb unter den Elite- spielerinnen der Welt statt. Den ersten Titel gewann 2001 die legendäre US-Amerikanerin Mia Hamm, die auch die Konkurrenz des Jahres 2002 für sich entscheiden konnte. 2003 wurde dann Birgit Prinz zur Weltfußballerin gekrönt, die den Erfolg zu ihrer eigenen Überraschung 2004 wiederholen konnte. Wird Prinz den Titel verteidigen können oder folgt dem Gesetz der noch kurzen Serie gehorchend nach zwei Jahren wieder eine neue Spielerin auf dem Thron der weltbesten Fußballerin?
Wer ist zu wählen?
Die Weltfußballerin 2005. Dabei ist die Jahresangabe etwas irreführend. Maßgeblich ist eigentlich eher die Saison 2004/2005, zu der u.a. auch die Europameisterschaft im Juni 2005 zu rechnen ist.

Die im Norden Schwedens bei Umea spielende Brasilianerin Marta gehört zu den Favoritinnen dieser Wahl
Bild: Kalle Prorok
Wie wird gewählt?
Der Wettbewerb ist noch recht jung und doch hat es schon Änderungen im Wahlverfahren gegeben. In den beiden ersten Jahren hatten die Auswahltrainer der Nationalverbände nach freiem Ermessen je einen Vorschlag für Gold, Silber und Bronze abzugeben. Die Gesamtauswertung brachte die Plazierungen. 2003 erhielt dann jeder Verband noch eine Zweitstimme, denn auch die Spielführerinnen der National- mannschaften wurden an der Wahl beteiligt. Im vergangenen Jahr führte die FIFA dann erstmals eine 21 Spielerinnen umfassende Vorschlagsliste ein, aus der die Coachs und Kapitäninnen ihre Vorschläge für Platz 1, 2 und 3 machen durften.
Auch für die diesjährige Wahl wurde eine Vorauswahl von Experten aus verschiedenen Ressorts der FIFA getroffen. Mitglieder der Kommission für Frauenfußball, die Verantwortlichen für die Frauenfußball-Wettbewerbe sowie Mitglieder weiterer FIFA-Ausschüsse einigten sich auf 24 Spielerinnen. Aus diesem Kreis wählen erneut die Auswahltrainer und Spielführerinnen der National- mannschaften die Weltfußballerin des Jahres.
Wer steht zur Wahl?
23 Mitbewerberinnen aus fünf Kontinentalverbänden machen Birgit Prinz den Titel streitig. Anders als beim Jubiläumsspiel zum 100jährigen Bestehen der FIFA am 20. Mai 2004 in Paris findet sich keine Spielerin des Kontinentalverbandes Australien/ Ozeanien unter den Weltbesten. Afrika ist wieder vertreten und das gleich zweifach. Asien schickt nun sogar drei Teilnehmerinnen ins Rennen, während Südamerika nur noch durch eine Brasilianerin repräsentiert wird. Bescheiden fällt mit nur noch 4 Nennungen das Kontingent des Kontinental- verbandes für Nord- und Mittelamerika aus. Da macht sich das Karriereende zahlreicher Spielerinnen der „goldenen Generation“ um Mia Hamm in den USA bemerkbar. Mehr als die Hälfte der Nominierungen, nämlich genau 14, kommt aus Europa. Darunter sind die Nordischen Staaten mit 9 Spielerinnen besonders stark vertreten, Weltmeister Deutsch- land mit dreien: Neben der amtierenden Weltfußballerin Birgit Prinz stehen Vereinskameradin Renate Lingor und Sandra Minnert
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Zwei dieser drei stehen zur Wahl zur Weltfußballerin des Jahres: "Titelverteidigerin" Birgit Prinz (links) und die Kanadierin Christine Sinclair (Mitte). Rechts Isabelle Morneau. Szene aus Deutschland - Kanada
Bild: Nora Kruse
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aus Bad Neuenahr zur Wahl. Alle Spielerinnen aus Europa nahmen übrigens an der EM teil.
Deutschland, Norwegen und Schweden sind mit je drei Vorschlägen die Spitzenreiter. Aus den USA und Finnland (!) kommen jeweils zwei Kandidatinnen.
Die Schwierigkeit des Vergleichs
Mangels Weltmeisterschaft oder Olympischer Spiele fehlt es 2004/05 an einem gewichtigen kontinentalübergreifenden Ver- gleich als Entscheidungshilfe. Wettbewerbe wie der Algarve-Cup in Portugal oder das Vier- nationenturnier in China können diese Lücke nur bedingt füllen. Natürlich fehlt auch die WUSA, jene 2003 eingestellte Profiliga in den Vereinigten Staaten, in der viele der besten Spielerinnen der Welt ihr Können unter Beweis stellen konnten. In einer etwas anderen Form schickt sich Europa an, Topspielerinnen aller Herren Länder zu versammeln. So haben nach Ballkünstlerinnen aus Brasilien auch bekannte US-Girls den Weg zum alten Kontinent angetreten, weil sie hier finanziell und sportlich die besten Perspektiven sehen. In Europa können sie in führenden Ligen wie der Damallsvenskan aber auch im UEFA-Cup ihre Klasse zeigen und sich mit den Besten Europas messen.

Die Nigerianerin Perpetua Nkwocha ist eine der beiden Kandidatinnen aus Afrika
Bild: Volker Lieberum
Äpfel mit Birnen?
Eine generelle Frage ist natürlich, woran man die Klasse einer Spielerin mißt. Bei Stürmerinnen gibt es mit Torschützenlisten schon einen ganz guten Indikator für ihren Erfolg, die Stärke einer Verteidigerin läßt sich dagegen weniger klar beziffern – jedenfalls solange wir nicht so weit wie beim Männerfußball sind und aus- führliche Zweikampfstatistiken erstellen. Doch ein anderes Problem ist noch augenfälliger: Ist es überhaupt zulässig eine Angreiferin mit einer Innenverteidigerin zu vergleichen, eine Keeperin mit einer Flügelläuferin?
Wie kaum anders zu erwarten, sind auch in der Vorschlagsliste die Vertreterinnen der Offensiv- abteilung ganz vorne. Nur 2 Torfrauen stehen zur Wahl. Aber das ist auch nahezu 1/11 bei zwei Dutzend Namen.
Einige Namen werden wir vermissen und nicht nur, weil die Spielerinnen ihre Laufbahn beendet haben. Wo z.b. sind Abby
Wambach, Victoria Svensson oder Silke Rottenberg? Auch die U19 EM-Königin Elena
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Danielova ist nicht unter den Nominierten. Und erstaunlicher- weise ist nicht eine einzige Spielerin von Turbine Potsdam dabei, dem deutschen Pokalsieger und UEFA-Cup-Sieger, aus dessen Reihen ja auch ein großer Teil der Europameistermannschaft kommt. Andererseits tauchen neue, teils unbekannte Spielerinnen auf.

U 19 Europameisterin Elena Danielova aus Russland gehört zu den Spielerinnen, bei denen man die Frage stellen kann, wieso sie nicht nominiert wurden
Bild: Volker Lieberum
FanSoccer will in den nächsten Wochen alle 24 Nominierten vorstellen. Kein leichtes Unterfangen, da sich die Infor- mationsbeschaffung zu einigen Spielerinnen als äußerst schwierig erweist. Wir hoffen dennoch unserer Leserschaft die zur Wahl stehenden Ausnahmespielerinnen etwas näher bringen zu können. Anregungen und weitergehende Informationen nehmen wir gerne entgegen.
Nachdem wir euch alle Spielerinnen vorgestellt haben, wollten wir von euch wissen, wen ihr selber zur Weltfußballerin des Jahres wählen würdet. Und so habt ihr gewählt:
Umfrageergebnis
FIFA World Player Gala 2005
Opernhaus Zürich, 19. Dezember
Kurzliste (in alphabetischer Reihenfolge)
Name Vorname Land
Boxx Shannon USA
Domínguez Maribel Mexiko
Georges Laura Frankreich
Gulbrandsen Solveig Norwegen
Ho Sun Hui Korea DVR
Kalmari Laura Finnland
Kunnas Satu Finnland
Lingor Renate Deutschland
Ljungberg Hanna Schweden
Marklund Hanna Schweden
Marta Brasilien
Minnert Sandra Deutschland
Modise Portia Südafrika
Moström Malin Schweden
Nkwocha Perpetua Nigeria
Nordby Bente Norwegen
Paaske Sörensen Cathrine Dänemark
Park Eun Sun Korea Republik
Prinz Birgit Deutschland
Sawa Homare Japan
Sinclair Christine Kanada
Smith Kelly England
Stangeland Ane Norwegen
Welsh Christie USA
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