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Wahl zur Weltfußballerin 2007Vier Nominierte aus dem Land der FjordeDie Kandidatinnen aus Norwegen | ||
Von Katja Öhlschläger26.11.2007 Als wir Euch im letzten Jahr die 20 Nominierten vorgestellt haben, war sie noch alleine auf weiter Flur: Ingvild Stensland, Norwegens Mittelfeldmotor, hielt die norwegischen Farben hoch und sagte damals im FanSoccer-Interview: "Ja, ich bin sehr stolz. Es war eine großartige Überraschung. Ich weiß auch nicht, warum ich die einzige Nominierte aus Norwegen bin, wir haben so viele hervorragende Spielerinnen und letztes Jahr standen von uns drei auf der Liste. Der Frauenfußball gewinnt, auf der ganzen Welt, immer mehr an Popularität und Norwegen ist doch nur ein kleines Land, da können wir nicht erwarten, so viele Spielerinnen wie letztes Jahr auf der Liste der Nominierten zu haben." Ein Jahr später hat die FIFA nicht 20, sondern ganze 26 Spielerinnen in die Vorauswahl aufgenommen. Mit vier Nominierten stellt der aktuelle Weltranglistenfünfte heuer das zweitstärkste Land - lediglich Weltmeister Deutschland mit fünf Kandidatinnen kann diese Zahl noch toppen. Durch souveräne Leistungen in der EM-Qualifikation und den vierten Platz bei der WM in China haben sich die Frauen aus dem Land der Fjorde wieder in den Vordergrund gespielt. Drei Spielerinnen gehörten dem All-Star-Team der WM an: Ingvild Stensland, Ane Stangeland Horpestad und Torfrau Bente Nordby. Sie sind allesamt für die Wahl zur Weltfußballerin des Jahres nominiert. Hinzu gesellt sich mit Stürmerin Ragnhild Gulbrandsen eine Spielerin, die erst im Sommer ihr Comeback feierte, um bei der WM eine tragende Rolle zu spielen und nun vor zwei Wochen endgültig ihre Fußballstiefel an den Nagel zu hängen. Wir wollen Euch alle vier Kandidatinnen in unterschiedlicher Form vorstellen. Heute zunächst die bereits im letzten Jahr nominierte Ingvild Stensland sowie Ane Stangeland Horpestad, die frischgekürte norwegische Fußballerin des Jahres, in Kurzform. In den nächsten Tagen dürft ihr Euch dann auf ausführliche Porträts von Torjägerin Ragnhild Gulbrandsen und Torfrau Bente Nordby freuen. Mit Ane Stangeland Horpestad und Ingvild Stensland stehen zwei Spielerinnen zur Wahl, die nicht durch spektakuläres Spiel, sondern vielmehr durch ein hohes Maß an Konstanz auffallen und für ihre Mannschaften als Führungsfiguren und zentraler Posten in ihrem jeweiligen Mannschaftsteil unverzichtbar sind. Toreschießen ist ihre Sache nicht - weder die von Abwehrchefin Stangeland Horpestad (vier Tore in 87 Länderspielen), noch von Mittelfeldregisseurin Ingvild Stensland (ein Tor in 56 Länderspielen). Spielerinnen ihrer Klasse zeichnet es wohl aus, dass diese wenigen Tore dann bei wichtigen Anlässen fallen müssen. Ane Stangeland Horpestad, Norwegen Fußballerin des Jahres 2007.
Position: Abwehr Aktueller Verein: Klepp IL Größte Erfolge: Vize-Europameisterin 2005, WM-Vierte 2007, Norwegische Meisterin 2006 (mit Kolbotn IL) Persönliche Auszeichnungen: Norwegens Fußballerin des Jahres 2007 Als das wichtigste Tor Stangeland Horpestads muss ohne Zweifel ihr Siegtreffer zum 2:1 gegen Kanada in Norwegens Auftaktpartie bei der diesjährigen WM in China genannt werden. Die 27-jährige Kapitänin war zehn Minuten vor Spielende bei einer Standardsituation mit nach vorne aufgerückt und stand goldrichtig, um die wichtigen ersten drei Punkte in der wohl am härtestens umkämpften WM-Gruppe zu sichern. Eine |
![]() Zweikampf zweier Weltklassespielerinnen: Ingvild Stensland (r.) zu den hartnäckigsten Gegenspielerinnen von Birgit Prinz. | |
Gruppe, die die Skandinavierinnen für sich entschieden, um letztlich bis ins Halbfinale einzuziehen, in dem gegen Deutschland enttäuschend deutlich der WM-Traum zerplatzte. Da auch das Spiel um den Bronzeplatz mit 1:4 gegen die USA verloren ging, fuhren Stangeland Horpestad, Stensland und Co. ohne Medaille nach Hause.
Und doch hatten beide einmal mehr ihre Konstanz unter Beweis gestellt. In allen sechs WM-Partien standen sie über die volle Spielzeit auf dem Platz. Stangeland Horpestad, die bei ihrem Verein Klepp IL in der Marketingabteilung tätig ist, verlieh ihrer Abwehr die nötige Stabilität und zog ihren Gegenspielerinnen mit gewieftem Zweikampfverhalten und gutem Stellungsspiel den Nerv, um trotz des auf eine Stürmerin - Ragnhild Gulbrandsen - zugeschnittenen und damit wenig torreichen Offensivspiels den Platz als Sieger verlassen zu können. So überstand die Mannschaft von Trainer Bjarne Berntsen auch die Drangphase von Gastgeber China im Viertelfinale unbeschadet, ehe sie in den folgenden Spielen in Weltmeister Deutschland und Olympiasieger USA ihren Meister fand. Auch die Bilanz in Norwegens EM-Qualifikationsgruppe 6 darf die mit 1,66 Meter relativ klein gewachsene Abwehrchefin als Beweis ihrer Klasse ansehen. 9:0 Tore stehen nach drei Spielen auf dem Konto, darunter auch ein deutliches 3:0 gegen Russland, das mit zahlreichen Spielerinnen von Frankfurts Viertelfinal-Gegner im UEFA-Cup, WFC Rossiyanka, auflief. Vor acht Jahren bestritt Stangeland Horpestad ihr erstes Länderspiel und wuchs im neuen Jahrtausend nach und nach in ihre Rolle als Führungsspielerin hinein. Seit Bjarne Berntsen vor knapp drei Jahren das Zepter übernahm, absolvierte die 27-Jährige 56 von 58 Spielen unter seiner Leitung, ist als Mannschaftskapitänin sein verlängerter Arm auf dem Platz. Und das alles, ohne auf Vereinsebene für eines der Top-Teams aufzulaufen. Seit 1999 schnürt die Vize-Europameisterin von 2005 (Finalniederlage gegen Deutschland) ihre Fußballschuhe für Klepp IL - mit einer einzigen Ausnahme. Im vergangenen Jahr lief sie für den norwegischen Spitzenclub Kolbotn IL auf und errang mit diesem - übrigens an der Seite von Stensland - ihren einzigen nationalen Titel, als sie norwegische Meisterin wurde. Ihre jahrelangen Topleistungen und ihr Verdienst, die norwegische Nationalmannschaft wieder zurück in die Weltspitze geführt zu haben, wurden Anfang November mit der Auszeichnung zu Norwegens Fußballerin des Jahres 2007 gewürdigt. Eine Auszeichnung, über die sich zwei Jahre zuvor auch Ingvild Stensland freuen durfte. Die 26-Jährige spielte 2005 ihr vermutlich stärkstes Jahr, als sie mit der Nationalmannschaft das EM-Finale gegen Deutschland erreichte und Kolbotn IL als Schlüsselspielerin zum Meistertitel führte. Stensland gehört zu den wenigen Mittelfeldspielerinnen, die sowohl defensiv wie offensiv Weltklasseformat erreichen. Durch ihr exzellentes Stellungsspiel ist sie nahezu omnipräsent und initiiert einen Großteil der |
Offensivaktionen. Ihr Fernschuss ist ebenfalls gefürchtet. Auch Turbine Potsdam wusste 2005 um diese Qualitäten und versuchte, die groß gewachsene Norwegerin nach Brandenburg zu lotsen. Der Versuch schlug jedoch fehl, weil Stensland ihre Heimat nach eigenem Bekunden nicht verlassen wollte. Von 2002 bis 2006 trug Stensland das blau-weiße Trikot von Kolbotn IL und feierte drei Meistertitel, ehe sie im vergangenen Winter bei Kopparbergs/Göteborg in Schweden anheuerte. Dort angekommen, wurde sie bald von hartnäckigen Knieproblemen geplagt und verpasste so mehr als zwei Monate, in denen sie sich auf dem hohen Niveau der Damallsvenskan in WM-Form bringen wollte.
Position: Mittelfeld Aktueller Verein: Kopparbergs/Göteborg Größte Erfolge: Norwegische Meisterin 2002, 2005 und 2006 (alle mit Kolbotn IL), Vize-Europameisterin 2005, WM-Vierte 2007 Persönliche Auszeichnungen: Norwegens Fußballerin des Jahres 2005 >> Interview von 2006 Für Nationaltrainer Bjarne Berntsen ist Ane Stangeland Horpestad der verlängerte Arm auf dem Platz.
Erst Ende Juni kehrte sie auf den Platz zurück und schaffte es dennoch, im September in China zu altbekannter Form aufzulaufen, wenngleich der Kräfteverschleiß in den letzten Spielen unübersehbar war. 2008 hofft die 26-Jährige nun auf ein verletzungsfreies Jahr, um mit dem Tabellenfünften der abgelaufenen Saison, bei dem sie für ein weiteres Jahr unterschrieb, ganz oben in der Spitzengruppe mitmischen zu können: ""Wenn wir noch stabiler werden, können wir mit Malmö und Djurgården um den Bronzeplatz kämpfen." Da die schwedische Saison beendet und das letzte EM-Qualifikationsspiel absolviert ist, wird der Dezember für Ingvild Stensland nach turbulenten Zeiten endlich einmal wieder etwas Ruhe bringen. Was aber sicherlich nicht heißt, dass eine Reise nach Zürich am 17. Dezember nicht einzurichten wäre. Verdient hätte es diese mannschaftsdienliche Allrounderin allemal - auch wenn sie selbst bescheiden bleibt und im vergangenen Jahr auf die Frage, ob sie sich als beste Spielerin der Welt sehe, noch antwortete: "Das denke ich eigentlich nicht. Aber es ist einfach cool, auf der Liste zu stehen." In diesem Jahr wünscht sie Vorjahressiegerin Marta den Erfolg: "Sie ist eine Klasse für sich, eine absolut komplette Spielerin. Ich hoffe, sie steht am Ende ganz oben."
Einleitungstext
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